Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 17 (27.4.1870)
- Date
- 1870-04-27
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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. — 130 — Hallen sollten vor den Schlägen des Schicksals, und daß wir an 'einem jungen, in den b^ten Jahren und in der günstigsten, anscheinend gestchersten Stellung verstorbenen Lehrer erst neuerdings wieder den Beweis hatten, daß die staatlichen Pensionen und Wittwengehalte ebendoch selten ausreichend ünd für die anständige Unterhaltung einer Wittwe mit mehreren Kindern. Gerade in diesem Falle batten wir gesehen, welches Glück für die Zurückgebliebenen der fast erzwungene, nur auS Interesse für das Ganze endlich zugesagte Beiritt zur Ächawa werden kann. Und wenn der Eine oder Andere wirklich so situirt sein sollte, daß er für stch und seine Familie außer Sorgen sein könnte, so hat er um so mehr die Pflicht, für seine Collrgen einzustehen,. die nicht so' glücklich sind und eine Anstalt zuunterstützen, die der herbsten Sorge der schlechter gestellten Lehrer erfolgreich entgezentritt. Wir geben nun noch einige Notizen aus dem Rechenschaftsbericht, zugleich eine Zusammenstellung der ganzen seitherigen Wirksamkeit. Der' Verein hat jetzt ein Baarvermögen von etwa 8000 fl. Im ersten Rechnungsjahre betrug die Summe der Spenden 1371.45 kr.; im zweiten 1104.38; im dritten 1528,-451/*; im vierten 1371. 45; Im Laufe des vergangenen 770 fl.,41 kr.; es ist daher die Spendensumme im Ganzen circa 6360 fl. Stellen wir diesem die Beiträge der activen Mit- S»er gegenüber: diese betrugen im ersten Jahre; im zweiten Jahre 784 ll.; im britttp 619 30; im vierten 753. 45 kr., und im 5. 773 30 kr., zusammen also 3539 fl. 45 kr. Einen verhältnißmäßig unbedeutenderen Ertrag haben die Achawavereinsbücher geliefert. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, daß ne Propaganda machten für. den Verein, .da» Publikum anregten, den Verein bekannt machten nnd daß mit diesem Ertrage zugleich die verschiedenen Büreaukosten gedeckt wurden, die in diesem mit manchfachen Hindernissen kämpfenden Werke von solcher Ausdehnung nicht zu umgehen und sehr bedeutend waren. An Pensionen wurden im ersten Jahre 250 fl. 22 kr., an 5 Partien; im zweiten Jahre 430 fl. an 9 Partieen; im dritten Jahre 447 fl. 41 kr., an 10 Partteen, im vierten Jahre 680 fl, an 12 Partien und 181 fl. 50 kr. auS dem ReseverfondS; im letzt abgelaufenen Jahre 897 fl. 50 kr., und zwar 802 fl. 50 an 43 Partien und 95 fl. aus dem ReservefoadS; int Ganzen also 2891 fl, 53 kr. an Pensionen und Unterstützungen verausgabt. Ein PenfionStheil betrug im Jahre 1869 51 fl., Die geringste Unterstützung also 51 fl.; die höchste, für eine Familie mit mehreren Kindern 101 fl. 50 kr.; im ersten Jahre betrug ein Unterstützuuztheil 48 fl. 25 z im zweiten 40; im dritten 43 fl. 3 kr.im vierten 46 fl. Wir sind jetzt im 6. Jahre de» vericktrS. Es hat demzufolge bis heute jedes Mitglied 10 Thaler Beiträge gezahlt und so viel haben demnach auch neue Mitglieder nachzuzahlen. Da die Summe der Zinsen nie mehr unter 360 fl., die Hälfte der Anträge der Mitglieder und Nichtmitglieder und die Hälfte der freiwilligen Jahresbeiträge von Nichtmitgliedern stets mindenstenS circa 500 betragen werden, so ist die BertheilungSsumme jährlich mindenstenS 860 fl.; wird aber einschließlich des Reservefonds wohl schon im nächsten Jahre die Summe von 1000 kl. übersteigen. Wir sehen: dir Verein ist Gottlob in Aufsteigen begriffen und wir! glauben diesem unserem Berichte Weiteres nicht hinzufügen zu sollen.; Die tatmudischen uttb die modernen Krzie- , hnngsprincipien i von Dr. Adler in Klmsborn.! n. Wenn aber der Talmud auch dem Principe der! Autorität folgt, so geschieht eS, weil die Autorität! Gott ist, dessen Gesetze keinen Widerspruch dulden, j weil er Gott ist, der Urquell alles Wahren und Guten. Aus diesem Grund« fehlen auch im Talmud Anhallspunkte für das zweite ErziehunzSprincip, für daS , anthropologische. Denn in der modernen Erziehung bekämpfen sich hier zvei Anschauungen, zwei Extreme, nämlich der Pelazianismus, der im Zögling nur Gutes nnd alle« Gute als schon vorhanden, als Anlage und Neigung voraussetzt,, und der Manichäismus, der im gefallenen Menschen nichts Gutes mehr übrig läßt. Beide Anschauungen sind im Geiste und der Tendenz des Talmuds nicht denkbar. Auch die Ansicht der neuern Pädagogen, welche im Zögling gar nichts, weder Böse» noch Guter als angeborene Neigung und Anlage vori aussetzt, sondern ihn erst durch Erziehung das werden läßt, waS er wird, theilt der Talmud nicht; vielmehr steht in ihm als Grundsatz fest, daß die Religion i nicht für den Menschen, sondern der Mensch für die j Religion da ist, weil dieselbe bei der Schöpfung dem! Menschen voranzing." (Rabba II Daher ist ihm > nur dasjenige Subjekt oder Objekt „gut", was Gotte»! Willen und den von Gott gesetzte Bestimmungen der Wesen entspricht; „böS" nur das, waS dementgegen ist. Nicht aber gut und bös, was ihn, den Menschen, an- oder ihm widerspricht, waS seinen Trieben zusagt oder fremd ist, oder w«S einem sich willkührlich, — nicht in Rücksicht auf Gottes Willen — gesetzten Ziel« gemäß oder nicht gemäß ist. — - III. Wir haben schon oben erwähnt, daß in Bezug des dritten PrincipS — der Didaktik — der Talmud