Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 16 (20.4.1870)
- Date
- 1870-04-20
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
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— 125 — land un» die Verfolgung der Juden in Rumänien. Aus rumänischem Boven, herrschen orientalische u. occidentalische Völkermischungen, Staatsinteresjen, ReligionSurd Eulturanschauungen, sociale Juten unv Bewegungen. Der Kampf aus diesem Boden ist daher ein natürlicher. Die Juden, überall Vermittler und Träger oer Bildung. Theilnehmer und Förderer jeder neuen und Lorrheil bringenden Bewegung, sinddeßhalb die Kegel, nach denen die Feinde dieser Bildung unv Bewegung ihre Kugeln werfen. Io erklärt sich diese ercextienelle Judenverfolgung aus europäischem Boden. Sie entspringt in der Thal nicht ans rein religiösen Motiven, obgleich sich den Juden gegenüber wie von selbst bei jeder auch aus, rein materiellen Motiven entspringenden Verfolgung religiöser Fanatismus und Haß mit untermischt. Iie ist vielmehr national-ökonomischer und socialer Natur. Und wenn man sich bierbei fragt, warum sich dennoch hierbei die Feindschaft ausschließlich >auf die Juden beschränkt und aufbörl, wenn sie getauft sine: so erklärt, sich eben Ersteres dadurch, daß die Juden hauptsächlich diese nationol-ökonomischen und socialen Fragen hcrvorgernfen. haben und Letzteres dadurch, oaß Judenverfolgultgen nie ftci von religiösen Begehungen bleiben. Um so anftälliger-ist es eben, daß die übrige civilir.rte Welt nicht energischer und thatkräftizer diesen Judeno.b. bilkungSfeindlichen Bestrebungen und Kämpfen entgegentrilt. Die Unthätigkcit der Mächte trotz alles diolomati'chen Notenwechsels erklärt sich nur dadurch, daß überall ein solcher Kamps gegen die überkommenen alten Vorrcchlc des Adels, gegen die geforderte Gleichberechtigung des durch Geilt und Fleiß an Macht oft überragenden Bürgerstandes, über da? bis;etzt unrertbänige und abhängige und jetzt nach Selbständigkeit strebende niedere Volk sich zeigt. Im Princip sind diese Bewegungen sich alle gleich. Vier.in Rumänien den Inten feindlich gegenüber steht, d. sind die auS ihren Vorrechten, ihrem Besitz und ihrer Herrschaft verdrängten Adeligen, § die Mäimer der Regierungspartei, bei uns die Funker. Das Volk in selbst in Rumänien für die Jaden, wenn eS nicht durch Branntwein, Geld und hohle Versprechungen gegen die Juden aufgereizt wird. Daß eS unter solchen Verhältnissen überall in oer aristokratischen wie plebejischen Hefe deS Volks derer gibt, welche immer und besonders gerne auf die Juden losschlagen, deren Habe plündern und von ihren Schulden sich befreien, ist bekannt. Die Dorginze in Rumänien sind zu neu, als daß wir sie alle zu recapiluliren nöthiz hätten. Einzelnes muß zum Verständniß aber doch dem Gedächtniß stets wieder einzeprägk werden. So gibt"es iu Rumänien Stimmen genug, welche erklärt haben: den Juden ihre Rechte verweigern, beißt die mit dem Menschen geborene Gleichberechtigung leugnen. Als Gegensatz dazu nimmt es sich eigenthümlich genug aus» wenn man Juden mit 10 10 —1500 Ducaten als besitzlose Vagabunden auS dem Lande treiben will. ES wird in der Brochüre mit Recht auf die eigenthümllche Haltung Preußen« resp. Lisnkdrck'S hinzewiesen, der Bratiano verleuznete und preisgab aber feinen Nachfolger und Bundesgenossen Eogalnitscheano unterstützte und mit Orden lohnte; alle« dem in den Donaufürstenthümern und gegen die Türkei, unter deren Suzerämtät diese stehen, wühlenden Rußland zu Liebe. Außerdem ist da« Treiben des rumänischen Adels dem der Preußischen Junker zu verwandt. Mit Recht beißt es: auf diese Leise erwirbt stch Deutschlani» und der Norvound nicht die Snmpathieen der Welt. Kämpfen! die Juden auch nicht mit Bajonetten, sie kämpfen mit | Gott für die Wahrheit und das Recht, und so ist der i Siez ihnen sicher. Alle Beschuldigungen, welche man! gegen die Juden in Bezug auf ihre religiösen oder! LebenSiitten, ihre Handelsthätizkrit. ihren schnell wachj senven Rcilsthum der Verarmung des Volkes gegenüber erhoben hat, die Vorwürfe, die man ihnen aus ihrer abgesonderten Kleidung, Ernährung, aus dem Schmuye ihres Leibes, ihrer Kleider und ihrer Wohnung macht, — Alles das ist gründlich und weitläufig in dieser Brochüre widerlegt. Und dennoch könnten wir noch mehr darüber sagen. Aber weil Alles dies nicht erschöpfend wäre, verweisen wir hierüber auf die Bro.büre selbst, obgleich es sich nicht für Deutschland lohnte, derartige Vertheidigungcn z» veröffentlichen, weil die Beschuldigungen immer noch von Jcit zu Jcit wieder austanchcn. Man sollte es daher demjenigen unter oem Volke, welcher die Juden vertheioigen will , leicht machen und ibm die Ge^engrü wo an die Hank gebe». Indes; sind die rumänischen doch' in vielfacher Beziehung anders gestaltet, und außerdem ist es raibsamer, die Vertheidiguug aus christlichem und rumänischem Munde zu vernehmen- Wir lassen dcßbalb hier die Rede des Advokaten Eostati-Exureano folgen, womit er 1867 die vor dem Appel-Hof angeklaztcn aber freigesprochenen Juden vertheidigte.f Diese Rede hat principiellen Wertb, schon dadurch, daß der Appelhof lie anerkannte. Der Redner ist eine bekannte Persönlichkeit, ist jetzt Deputirter und war früher Präsident der Eonstituante und Minister. (Fortsetzung folgt.) Griechenland Der griechische Patriarch Georg in Konstantinopel hat an die ihm unterstehenden Gemeinden in der Türkei einen bemerkenswcrthen Hirtenbri.es erlassen. Wie alljährlich um diese Jeit, so machen sich zur herannahenven O'terzeit Verfolgungen gegen die Juden bemerkbar sind hierauf . bezieht sich das nachfolgende Schriftstück, kaS wir als i einen mustergültigen Act der'relig'öien Trleran; anerkennen.