Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 15 (13.4.1870)
- Date
- 1870-04-13
- Page
- Seite 115 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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315 Wochenbericht 1 Ober-Ingelheim, 7. April. Nachfolgendes Schreiben aus Königsberg ist der erste Be-icht de» Gränzcomitös an das Eemral-Eomiiö in Paris. Wir veröffentlichen dasselbe im Voraus. Unser Allianeebericht wirb die aus diesen Brief gestützte Ansprache an alle jüdischen Gemeinden Europas und Amerikas nächsten» ebenfalls biingen: An das Lentral-Lomitü der Alliance universelle, Paris. Königsberg in Vr. beii ■. Mär;. 1S70. DaS oerebrliche Schreiben des Eentral-Evliuff ist in unserer Sitzung vom 24. Februar;u/Verlesung gelangt und mi: allseiffger Zustimmung begrüß! worden. Wir geben in folgendem einer Ueberstch: dessen, was bisher unsererseits geschehen ist. » Auswanderung. Wir haben in der iIeit vom 2l. Dezember 1869 dis zum 15. 'etriiar t. I. in ■’> Crpedilionen mehr als 100 Personen von hier nach New:9ork befördert; dieselben wurden, sofern dies nicht 'chon der Iall, von »ns mit anständigen Kleidern versehen, damit sie gegen die Jahreszeit arfchützt und au» dem Schiffe Aufnahme finden konnten. Sie nahmen, mit Reise- und Lehrgeld versehen, ihren Weg über Berlin, von wo ste vom dortigen Lckal- Eomitö der Alliance israelitr, dem ihre jedesmalige Ankunlt noriti^irt, nach Hamburg weiter beförden wurden. Ein dort wirkendes Eomitö, an besten Spitze Herr Ph. Simon stehr, ha: iickauf unfern Wunsch der nickt geringen Mühewaltung unterzogen, die Leute cm Bäbnhrse empfangen und in jüdischen Logirhäuiern unterbringen und verpflegen zu lassen, sie mit d,n nothwendigen Utensilien für die Reise: Matratze, Geschirr in V w. aiiSzmüsteii unh ihre Unterbringung auf dem Sckiffe zu bewerkstelligen. Jeder der Auswanderer erhielt ferner eine kleine Summe für die ersten nothwendigen Ausgaben in' der neuen Heimatb. Die Ueberfahrt geschah theils via Liverpool, theilS direkt auf Schiffen der Hamburger Pocket-DampsschifffabrtS-Geskllsckast, die uns beträchtliche Preisermäßigung bewilligte. Es sind Verhandlungen im Gange, um mit der Eröffnung der Segelschifffabri gleichfalls die Preisermäßigung zu erlangen, die die Dampfschiffe zugestanden, und werden wir daö Erntral-Cvmilö teinerzeit von dem Erfolge unterrichten. Außer obigen Expeditionen haben wir noch eine nicht geringe Anzahl von Personen, theils hier theils von Berlin aus e i n z e l n nach New- 2jork, nach London, nach Hüll befördert,, wohin dieselben zu ihren dorlweilendkn Angehörigen sich begaben. Die Auswanderer anlangenb, so sind wir leider neck nicht in den Stand gesetzt, dieselben an ein Local-Ermiö in New'/tork zu adrcsstren, da da» Central-Comir« uns bis jetzt hierüber keine Eröffnung hat zugeben kaffen; doch halten ivir die Einsetzung emeS solchen für unumgänglich nothwendig und bitten ergebenst, sobald rS geschehen, . unS o»c Adresse desselben enzugeben. — ,kn.'wiichrn i und bereits Nachrichten hierher gelangt in Betreff der 1?kn uns beförderte': Personen, die voll stöbe- Hoff- ' umig sür die ^utunf! sind. Nickt Wen'.ge haben bald »ack ihrer Anlunst sichere LebenSstestung gefunden, und und wir über das SLickial derirlben vollkommen beruhigt. l>. Beförderung s > r Bilrun g. Auch auf diesem Gebiete können w'r dere-ro erfreuliche Resultate un'tler <bät>gkeii auszrnren. Durch Vermittlung de» HaurrgrenzcomitöS. >ow'e der mit ibm in Beziehung stehend.» Subromiiös ist uiuer belonderer Berücksichtiannq von, Wa>sc»tindern eine beiräcvtljchi Anzahl sunaer'Leute, bei Hanidwertern in crr Led:r gegeben > worden und werden vvlii'rändia. von nns unirrhallru.! — Einige junge Leute, die 'ich zum Leb,rach .und; Lludiren qualistriren, sind in jüdiicke Seminanen zu Berun und Hanover kistaerrnen z viele .Kinder'besu-" Le» ani untere Veranlassung und Vermittlung die Sckule und der .streit unierer Vbätiokn: erweitert »ich von Lag zu Lag.s — Abel io er'reulich diiier Anfang ist, um so betrüj briidcr ist es lür :inS, daß wir schon 'enr vor einer > traurigen Aliernatire gestellt stnd, die wir dem Cent-rral-Eomitö offen -darleaen müisen, wei7daS'rIbe allein | im Stande ist, unsere Befürchtungen zu zerstreuen, , wie nnseien Verlegenbeilen abzuhekfen. ES fehlt unnämlich schon jetzt an Mitteln, den an uns gestellten Ansprüchen;n genügen. feit der letzten | AuSwand-rer - Erpedilion vom j:>. irebrncr und; gegen 200 Perionen hier eingerroffeu, welche befördert werden wollen. Wenn trotz der strengen Kälte , in fc kurzer ffeir eine solche Anzahl »ich hier anhäufeu könnte, welche isrsahrungen sieben uns mit dem Erwccht« des Frühlings bcror' — ^ur Beförderung der bereits anaemeldeten hier i» Königsberg ringriroffenrn Verfonrn ist allem eine j Summe eriotbkrliL. die unsere Kräfte übersteigt, . selbst wenn ee rätblich erschiene, die letzten Mittel zu verausgaben. — Inzwischen und diese bunaernden . und frierenden Gestalte» dem drückendsten Elend preisgegeben. Iu 20 bio '30 Jahren in einer elenden | Kammer oder aus einem Bodenraum eine InfluchtS- , stätte findend, von allen Mitteln rnllößi. bieten >ir daS . Bild eines Elends, da» selbst unsere Ersabrunqen; übersteigt Sie belagern von trüb bis spät unsere j Thüren, und wir sinh nickt im Stande, ab-ubrlfen, ‘ weil es un» heute schon an Mitteln fehlt, »no mor-! gen schon noch mehr fehlen wird, und wer', an die Steve eineü Beförderten stets zwei Anden treten.—