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Der israelitische Lehrer · 1870-03-05 · 14 (5.3.1870) · p. Seite 110

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
14 (5.3.1870)
Date
1870-03-05
Page
Seite 110 (sequence 6)
Language
German
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— 110 — welche weit entfernt, eine religiöse zu sein, vielmehr eine öconomisch-sociale ist. DieS ist unsre Dertheidigung. Man wird, hiernach unsere Gegner beurtbeilen können, welcke eingefleischte Feinde des Rumänen- Polks find, während dieses zu jeder Zeit Juden und alle Fremde wohlwollend und brüderlich ai.fgenommen hat. So weit der Abgeordnete I. I. Heliade Radulesc. Wir lassen die Vertheidigung Eremieur' in nächster Nummer' folgen. London. Tr. Emanml Deutsch, der früher eine vielgelrsene populäre Schrift über dm Talmud veröffentlicht bat, macht in gleicher Weise jetzt auch durch seine Schrift über den Islam von sich reden. Dr. Herrmann Adler, Sohn des OberralbinerS, hat eine gerühmte Schriit gegen das englische Missionswefen veröstmtlicht. Prediger Marx hat einen Bond Predigten veröffentlicht und dadurch Aussicht, an der neuen Synagoge angestcllt zu Werden. Der Profelyt Stern;u besten Befreiung tbeilweise die abyssinische Expedition unternommen wurde, predigt jetzt im Lande aber ohne Erfolg. Man siebt ihm noch äufierlich den polnischen Juden an, und seine Aussprache ist ebmso schwer, wie sein Dortrag schlecht. Sein- College Kuttndr predigte jüngst gegen die Sekten; er setzte sich dadurch thätlichen Angriffen aus und entrann nur mit Mühe der Todesgefahr. -kom. Marquis Consolini bat eine Flugschrift veröffentlicht, nach welcher Pabst Pius Nono, bekanntlich der Familie Maitai Ferethi entstammend, von jüdischem Geblütes«. Seine Abne, eine eingeborene Mafia,, chabe nämlich einen aus Siniaaglia gekommenen und getauften Juden gebeirathet, worauf dieser den Namen und Titel Graf Feretti erhalten habe. Jener Jude sei rin spanischer Marrane gewesen. Tie Schrift ist confiöcirt worden. Jerusalem. Don hier werden wieder sehr bange Klagen laut. Der Regen nämlich ist auSgeblieben.sund somit eine- Mißernte und Hungeronoib in siche'er Aussicht. Im Hinblck daraus hat die Thenerung jetzt schon begonnen. Bon England und Ameiika find bereits große Unlersrützungsfummen ringegangen, und vieler Orten wird bereits gesammelt. Rew-Bork. Herr I. M. Thüringer, Lehrer und Prediger der jüdischen Gemeinde ru Madison, WiSc., eröffnete e> ustieio die Sitzungen beider Häuser, der Wiseonsia-Gesetzgebung mit Gebet, wie die StaatS- Prvtokolle melden. Ein Artikel in der Deborah behandelt die sebr wichtige Frage: war es ein Wallfisch oder ein Haifisch, in dessen Bauck sich Jona 3 Tage ausgehalten? und kömmt zu der interestarnen Folgerung, daß —• gar nicht im Bauche eines > FisckeS, sondern im Rochen deS Wallfisches sich Jona so lange aufgehalten. Ist das nicht, eine sehr bedeutungsvolle Entdeckung von religions- und kulturhistorischer Bedeutung? Das Merkwürdigste dabei ist, daß der „wissenschaftlichen" Abhandlung nicht der Urtext, sondern die englische Uebersetzung zu Grunde zu liegen scheint. Sind doch rigenthümliche Menschen, diese Amerikaner! Meint man nicht, das wäre eine Frage von „orthodorer" Bedeutung und der Dersasser wäre reif für den „Mainzer Israelit"? Eigentbümlich ist rö auch, daß mau uns Deutschen zuzumulhen anfängt, „den Minbag Amerika" einzusühren! Sind eö wohl „natives". ringeborne Amerikanische Rabbiner, die den Minbag Amerika mochten? Minhag Amerika, was ist das? In New-?1crk find zwei große Reformtempel; in der einen beten sie hebräisch mit unbedecktem Haupte. in der anderen deutsch mit bedecktem Haupte. Ein Witzling sagte: „Dort sitzen sie wie die Gojim nnd deren wie die Iebudim, hier sitzen iic wie die Iehudim und beten wie Gojim." Leipzig. Tie sächsischen Lehrer hoben bei der Kammer eine Petition um Aushebung oder Modiffn» rung de« biblischen UuterricktS in der Schul? eingereichi. Schon im Jahre 1 b53 hat Direktor Bogel von hier eine Eingabe an den betreffenden Staalsminister gerichtet und die Rothwendigkeit einer Schulbibel betont. Buiffon in Nenfchatel hat über den biblischen Geschichtsunterricht kürzlich eine viel gelesene und besprochene Schrift reröffentiicht, worin er die Gefährlichkeit dieser Unterrichts-Materie und Methode darzuthun versucht. Wir kommen aus dieses Thema, insbesonders die zuletzt genannte Schrift in diesen Blättern zurück. Borläufig erwähnen wir nur, daß die Geist» l'cken der Tiöcrse Grimma ein Gutachten gegen jene Bestrebungen der sächsischen Lebrer veröffentlicht haben, worin sie mit den veralteten Waffen der Theologie gegen die bewährten der neuen Pädagogik kämpfen. Natürlich ohne Erfolg. Der Gegenstand berührt unsere jüdffchen Schulen zwar nickt in gleicher Weise, denn wenn auch der Untei richtsskoff derselbe ist, so ist dock die UnterrichtSmlthcde nicht die gleiche; die Auslegung ist rationeller, ist freier. Aber dennoch sind viele Berührungspunkte unleugbar vorhanden; deshalb darf die Socke von uns nick: übrr'-hen nnd vertusch' werden.

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