Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 14 (5.3.1870)
- Date
- 1870-03-05
- Page
- Seite 109 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 109 — <£cemieur erneuert stetseine heftigen Angriffe gegen National-Versammlung und Regierung. Wir beantworten heute nur den Brief E 'S im I. d. D. vom 3. Februar. C. legt folgende Worte dem Deputaten Heliade in den Mund bei der Gelegenheit, als die Judenfrage im gesetzgebenden Körper ^ur Discussion stand. DaS beste Mittel, soll H. gesagt haben, stch der Mücken zu entledigen, sei, den Honig zu verbergen. Lasset eS unS ebenso mit den Juden machen! Wir wollen -unS ihren Honig nehmen, nämlich Industrie, Handel, und wir wollen sehen, ob ste noch kommen. C. erläutert noch diese Worte nach seiner Weise und fügt hinzu, daß gegen diesen so hübschen BeraubungSvorfchlag auch nicht Gin Protest sich erhoben babe. Wir . geben hier die Worte HeliadeS genau wieder. |Sr sprach: Wenn in Jemandes Haus stch Tonnen HcnigS ergossen haben, so wird man mit noch jo vielen Wächtern nicht hindern, das; die Mücken darüber herfallen. Sammelt aber den Honig an', verdecket und verschließet ibn in die Hkpeicherkammer, so wird sich keine Mücke mehr teigen. In dieser patriotischen Ermahnung, unsre Industrie, unser» Handel und unser Vermögen gegen die eriolgreichen Eingriffe der Inden zu schützen, sieht C.. aber auch er nur allein, einen Aufruf zur Beraubung, und wenn stch gegen das Gleichnist H.'S kein Protest erboben, wenn man vielmehr ibn mit Beifallsrufen begrüßt bat, so liegt bierin der Beweis, Last man den wahren Sinn feiner Worte begriff, und man stch wobl hütete, durch Entstellung derselben aus einem der freistnnigstcn Männer Rumäniens einen Ausieizer z» Verfolgungen und Gewaltthätigkeiten zu macken Im Verfolg der Verhandlung soll nach C. ein andrer Abgeordneter anSgerufen haben: „Lasset uns die Inden in die Donau werfen." Wir befragen die Staatszeitung unseres Landes; danach lauten dessen Worten „Ist es nötbig, ste in die Donau zu werfen? Nein! Verschließen wir ihnen nur unser Land." ES ist immer dasselbe Softem des Angriffs, indem man Worte auSlästt und den Sinn entstellt. So auch ceff'en Anrufung'von ss. 46 der Verfassung von 1838, welcher allen nicht-christlichen Rumänen der Genuß aller bürgerlichen Reckte garantire. Er lautet aber sc: „Die Moldauer und Walachen vsn allen christlichen Riten sollen im Genuß politischer Rechte gleich gestellt sein. C., ein sc guter Jurist er sein mag, wird Mühe haben, aus diesem Artikel für die Juden, welche weder Ehristen noch Rumänen sind, eine ganz deutliche Zusage politischer oder gürgerlicher Reckte herzuleiten. Da eS von uns Abgeordneten abhänzt, den Juden diese Rechte zu bewilligen, wird er uns gar nicht daran erinnern dürfen, wie gefährlich es wäre, dies jetzt zu thun. Denn wenn im Jabr 1849 Rumänien nicht mehr als 60,000 Juden zählte, so bat eS derer: jetzt mehr als 400,000. Wer will nun gkaubm, daß Rumänien gerade daS einzige Land der Welt sei, wo die Jlden verfolgt werden? Frankreich hat unter 38 Millionen nur 168,000 Juden, England unter 29 Millionen nur 40,000. Erkläre Jemand im Anblick dieser Ziffern die ständige und erschreckliche Anhäufung der Juden in unser« kleinen Ländchen. Also 400,000 Juden auf 600,000 Rumänen. Da müssen sie doch bei uns alle Freiheiten finden und sich bei uns glücklicher fühlen, als anderSwo. Denn die Juden gehen nur dahin, wo sie ihre Vortheile zu finden wissen. ES ist also keine politische Reaction, wogegen die Juden protestiren, denn die betreffende Gesetze datiren aus den Zeiten der Regierung Stirbey'S und Sturza's, wo sie weniger zahlreich waren. In Europa gibt es mehr als einen Staat, wo inan für alle Fremde analoge Gesetze findet, wie bei uns, indem man den Juden verbietet, auf dem Lande sich niederzulassen, aber ihnen das Recht läßt, mit Leichtigkeit sich große Reichthümer in den Städten zu erwerben. Auf dem Lande, wo der Bauer einfach und natürlich ist, würde chie kostspielige Vermittelung der Juden zwischen Produzenten und Consumenten und der Handel, dem sie obliegen, die rumänische Bcvölkerung bald ruinirt haben durch Schaffung eines Proletarr iats, wie eS in Rumänien nie exiftirt hat. Da» für find die weisen Gesetz: vorhanden, welche den r. Bauer in seiner vertrauensvollen Leichtgläubigkeit schützen und eine Schranke ziehen zwischen ihm und seinen Händeln mit den Inden. Die Regierung beabsichtigt mit^ der Anwendung dieser Gesetze weder eine religiöse, noch positische Verfolgung. Sie achtet, wie sie immer gethan, die ehrlichen und achtbaren Juden unb verjagt nur eine Menge elender Vagabunden und Verbrecher. Diese Juden, wel.be überall teu AuSwurf der Gesellschaft bilden würden, find zu uns in <a unerhörter Anzahl gekommen und kommen noch immer auS Oesterreich und Rußland. Letztere besonders sind vollständig ungebildet und rob. Verbrecher der gefährlichsten Art kommen her, um im Interesse der benachbarten Mächte, deren geheime Agenten sie sind, bei uns die politische Spaltung zu nähren. Sie setzen sich als Schmarotzen überall fest, stehlen, rauben säen, Nnmoralität und sind so die Plage, welche die rum. Bevölkerung aufreibt. In der Moldau besonders ist ihre Anzahl so groß geworden, daß sie bereits den Ruin ganzer Dorf schaften herbeigeführt haben. Die Regierung hat die Gefahr begriffen und erfolgt jetzt sorgfältiger die Ausführung eines Schuhgesetzes, dessen rücksichtsvolle Vernachlässigung den Inden gestattet hat, den Rumänen gegenüber eine so bedrohliche Stellung einzunehmen. Diese Rare allein will sich nie assimiliren und bildet fortwährend eine besondere Elaste, während alle andere Fremden innerhalb .20—30 Jahren sich vollständig rumänisirt haben. So liegt diese wichtige Frage,