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Der israelitische Lehrer · 1870-03-30 · 13 (30.3.1870) · p. Seite 103

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
13 (30.3.1870)
Date
1870-03-30
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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State(i. ($ttvgien.) ^Mr hiesige Gemeinde chat sich ebenfalls an den Reisenden Tscherni gewandt, Am für sie die Hülfe der Alliance anzurufen, da sie noch fortwährend Unter der Beschuldigung seiden, Chrisrenblut für die Bereitung des BrodS zu bedürfen und den Wei« auf die Vorhäute der Beschnittenen zu setzen. Ilsbrigen» berichtet auch derselbe Reisend« von vielen Christ«, welche in dortiger Gegend sich zum Judenthum bekehren und nach streng-orthodoxem RituS leben. Sie führen d«n Namen Sobotniki. J (Hamagid.) Jerusalem. Don dem Vorstand der isr. Ge- | meinde dahier, erhielt 9ir Hose« ülonteLoro vor eini» > ger Zeit ein Schreiben, worin er gebeten wird, eine I Sammlung für die in Folge einer Mißernte dort , mothletdenden Israeliten zu veranstalten. bkontskoro veröffentlichte den Brief und erbot sich, Gaben für > seine Glaubensgenossen in Jerusalem entgegen zu neh-; men und abzusenden. In.diesen Tagen richtete der 1 Genannte einen Brief an dir Londoner Blätter, wo-; rin er sagt, daß ihm sofort nach seinem erste« Schreiben > Gelder zu gedachtem Zwecke behändigt worden, die er * nach Jerusalem übersandte. Gleichzeitig frug er aber ‘ an, ob denn nicht auch andere Religionsgenossen in! der heiligen Stadt sich gleichfalls in einem hilfsbe- I dürftigen Zustande befänden. Die per Telegraph empfangene Antwort lautete: „Aermere Classen aller Gemeinden leiden, Wasser knapp, Mißernte in Aussicht." Hierauf sandte ülontetior« 100 Pfv. Sterling an den Bischof von Je»u alem und dem dortigen britischen Consul Herrn Moor, um sie unter nvthleidend« Christen zu vertheilen, sowie ferner 100 L. St. an den Gouverneur der Stadt für bedürsttg« Mohamedaner. Für Juden hatte er bereits früh« eine Weiche Summe übermittelt. Da» an die Londoner Blätter geriastete Schreiben schließt mit den Worten: Ich wünsche nur mitzutheilen, daß es mir Freude machen wird. Gaben, die ich von nun an empfange, in Jerusalem in sol-, cheg-Weise und an solche Classen der Bevölkerung «ertheilen zu lassen, wie e« die Geber wömschnn — Feuilleton. Aer fetter. Novelle von I. Äl. (Fortsetzung.) Lassen Sie mich, verhrtcr Rabbi, über das, was letzt in unserem Hause vorging, mit kurzen Worten wegschrejten. Unglückliche Tage graben sich in unser Herz, wie ein Buchstabe in Erz, aber das Herz verhärtet nicht immer damit und bei leisester Berührung bluten die Wunden frisch.' Ich hatte einen schweren Kampf. Al» ich meiner Mutter sagte, daß ich nicht die Frau de« Rabbi Pinecha« werden könnte, staunte sie mich mit einer für mich entsetzlichen Verwunderung an, schwieg eine Weile und sagte dann leise aber bestimmt: »ich verstehe Dich und Drixie kindischen Possen nicht. Du willst nicht die Gattin eines Mannes werden, der Dich zu hohen Ehren bringen wird, der der gelehrteste und frömmste Mann der Gemeinde — und dabei noch so schön und liebenswürdig ist. Da» ist ein thörichter Gedanke? Dach ich will, und kann nicht streiten! Der Vater will, Du hast zu gehorch«. Der Vater hat Dich verlobt, er. wird sein Wort halten." Ja, meine Mutter verstand mich nicht — ich hatte von ihr keine Unterstützung zu erwarten. Zu den Ohren meines Paters drang keine meiner leisen Klagen; meine Brüder aber waren so schr für den „frommen und gelehrten Rabbi PinechaS" enrgeuommen, daß sie mit mir wegen meiner offen bewiesenen Abneigung; die ihnen kindische Empörung gegen den bestimmten Willen des Pater« dünkte, bflers haderten. L>o gingen Wochen, ja Monate hin. Rabbi Pinecha« war stets voll verstellter Zärtlichkeit für mich, ohne jedoch mir mehr näher treten zu wollen. Da« schien seine Frömmigkeit ihm zu verbieten.; Jakob ^og sich ebenfalls mehr und mehr von mir zurück. Er machte mich nicht zu seinem Vertrauten — aber ich bemerkte, wie er, wenn er mit Rabbi Pinecha» zusammentraf, diesen mit haßerfüllten und dabei höhnische» Blicken betrachtete. Ich hörte öfters, wie er, vom Hause abwesend, bir Wege und Thaten Rabbi Pinecha«' zu belauschen schien. Ick fühlte, daß ich an ihm die einzige Stütze batte, und doch sprachen wir jetzt weniger zusammen als je. Die Ausstattung lag bereit. Da kam eine« Abends Jakob spät nach Hause und brachte ein jmtge«, bildschöne« Christenmädchen mit, dem er freundlich den Weg zum Zimmer des Vaters zeigte uud sich dann unter die Hausthürc postirte. Ich war auf > meinem Zimmer — ich hörte nur die Thüre öffnen i.nnd sah Jakob, wie er unter der Thüre Wache hielt, .während seine Blicke mit einem gewissen Triumph! nach meinen Fenstern gerichtet waren. Einige Minuten später trat auch Rabbi Pinecha» ein uud ging, nichts ahnend und Jakob kaum eines Blickes würdigend, zum Zimmer des Paters. DaS Gesicht Jakobs veränderte sich; es ging von Triumph zu Hohn über. ES war Anfang», als wollte er ihm »acheilen — aber er besann sich. Nicht lange nachher horte ich Lärm im Zimmer des Vater». Mein Herz bebte. Ich hörte, wie Rabbi PinechaS und mein Vater mit lauter Stimme stritten 1 das junge bildschöne Mädchen eilte zur Thüre binau» mit vor Schmerz entstelltem Gesichte und gerungenen Händen. Nicht lange nachher ging auch Rabbi Pinecha«, zu dem Jakob unter der Thüre noch einige Worte sprach. Der fromme Gelehrte erhob drohend

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