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Der israelitische Lehrer · 1870-03-30 · 13 (30.3.1870) · p. Seite 100

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
13 (30.3.1870)
Date
1870-03-30
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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— 100 — „So war die Wohnung ein Ganze«." saß überall in irdischen Dingen nicht Einförmig- und Einseitigkeit, sondern Einheit in der Mannigfaltigkeit da« Schöne und Gut« in seinem Schooße berge und daher die gewaltsamen Gleichmacher aller Orren einen verderblichen, weil natur- und vernunftwidrigen ksurpa« begingen. ~ Der Toleranz nach Außen wie Janen ist damit wohl recht anschaulich das Wort geredet. Ja diesem Gedanken und zwar mit-der näheren Bestimmung, das, vor Allem Wahrheit, dies Siegel Gottes, unser Forsten und Handeln lenken und regieren müsse, hatte auck der am 1. d. M. über „die Zeiten der Neubildungen im Judenthum" von demselben Redner gehaltene Vortrag (die letzte diesjährige ter sogenannten Dienstags-Borlesungen» seine Pointe und wäre, um diese kener zu goutiren, nur zu wünschen gewesen, das? derselbe eineStheils nicht zn sehr in den dabin nicht gehörigen Predigerton verfallen wäre und anderntheilS nicht nicht durch eine auf ca. anderthalb Stunden ausgedehnte Dauer des Sermons wohl bei den meisten Zuhörern eine gewisse Abspannung erzeugt hätte. Doch „jung gewohnt, alt gethan", und die Breslauer, in deren Mitte G. am längsten gewirkt, wissen ein gar. erbauliches Lied von seinen oft bis zur Ermüdung! ausgezweiteten sowohl gewöhnlichen als insbesondere Eonfirmationsu. dgl. Reden zu singen: würde die Hauptstädtisch« Luft auf diese überströmende Eloquenz etwas dämpfend einwirken, für Subjekt und Objekt der Rede könnte es fürwahr nur von wohlthätigem Einfluß-fein. Und wird die Gegenpartei sonst nicht auch hinaus eine Waffe zu höhnischem Angriff schmieden k Ist ihr doch jede» Mittel hierzu äußerst willkommen und mißbraucht sie ein seit Neujahr cr. wöchentlich hier erscheinende» sog. „jüdisches DolkSblatt" das in seinem Programm strengste Nutralität, unparteiischeBertretung aller jüdischen Interessen ffchzur Norm setzte, mehr und mehr dazu, ein (gleich dem „Israeliten") unerquickliches Schmähblatt zu werden, das auf alles ihr Corsträre den Geifer meist recht abgeschmackten bin esprit wirst. So bringt es seit einigen Wochen eine Rubrik „fragen und Antworten", und mögen einige! derselben dm Leser dieses in Stand seyen, zu beurtheilen, ob ein (zumal ganz junger nnd obskurer Redaktmr, der schwerlich sich lange zu be- . haupten wissen wird), insolmter und impertinenter gegen Männer von Ansehm und ganze Körperschaften sich auszulassen vermöge, i) Warum wird Cremienr den Prinzen Peter Bonaparte vertheidigrn? Weil er als Ersatzmann de« ermordeten Victor Noir in die Xüliano« Jsr. unjv! (!) einzutreten wünscht. 2) Warum spielt bei der „jüd. Hochschule" Hwr L. Philippson, oer sich durch Ueberfluß an fehlenden rabbinis-cken Kenntnissen (sie!) bekanntlich auSzeicbnet, wiederum die Rolle des Führers? Wsil die Bäume den Dornbusch z uihrem Könige gewählt haben («io!) 3. Warum werden jetzt plötzlich jüdische Richter ernannt? Um über den Berliner Vorstand zu Gericht zu sitzm. 4. Woher entstaiiö der Brand mazoge? Au» de» zündenden Worten »n der ruunusrede Geiger'S. (Vgl. den Midrasch: Gott wollte nur Holz und Stein (vea Tempel) seinen Zorn fühlen lassen, um Israel selber zu schonen. (!) 5. Warum ließ der Vorstand Herrn Geiger auch in der alten Synagoge predigen? (Hierüber in derselben Nummer ein schmählicher Leitartikel mit dem Fulminantm «Schlußworte: Sollte auch dieser Appel vergeblich sein, so werden wir dm Kampf bis aus's Messer (!) zu führen bereit sein. Vielleicht auch mit Rwolvern, ü In Nr. 1?) Damit man nicht sagen sollte, daß ein Geiger nur für die Co ne er t- Svnagoge (!) engagirt sei: 6. Wie hätte der erste Antrag aus der Leipziger Synode lauten sollen? Da wir da» überlieferte Judenthum nicht anerkmnen, so erklären wir Rabbiner, Prediger, Synagogen und wa» drum und dran hängt, für überflüssig; da. wir aber den Gemeinden für immer diese kostspieligen Einrichtungen ersparen, so beanspruchen wir für einen Irren von uns 6000 Thaler als lebenslängliche JahreSpension. (!! ) 7. W arum will H. Meier MagnuS (Vorsteher) die Conservativen ans den Aussterbe-Etat fetzen uns dennoch von ihren reihe Stenern einkassteren? Weil er als Groß-Jnquisitor (!) der hiesigen Gemeinde sich das Recht vindicirt, die «strafe des Lebpudigbegrabenwerdens über die geduldigen Conservativen zu verhängen.*) Endlich 8. Was fehlt in dem Entwurf des neuen Strafgesetzbuches? Wenn jüdische Gemeindevorsteher an dem jüdischen Volke und seinen ererbten Jnstitutonen vorsätzlich und mit Ueberlegung einen Mord (!!) begehen, so werden sie mit winigstens fünf Jahren Einzelhaft bestraft. — Ob nicht dem Autors solcher Iions-mot« und seinm Helfershelfern eine derartige Kur noch weit dienlicher - wäre? Diese Frage bejaht zu sehen, würde wohl die beste Antwort auf alle solch' halb läppische, halb schnöde und arogzante Fragen und Ant «orten sein. vr. M. Stern. * Aus der Pfalz, 17. März Wiever'hat ein Lehrerherz zu schlagen aufgrhvrt. Wenn schon an und für sich diese Fälle insbesondere.für die Hinterbliebenen eines LehrcrS sehr schmerzlich sind, da un« Lehrer überhaupt da« Glück versagt ist, den Hinterbliebenen irdische Güter zu hinterlassen, so ist eS doch doppelt schmerzhaft.« enn ein Religionslehrer da» Zeitliche segnet, der auch gar Nicht« für die Seiaigm thuu konnte. *) SB« otntt hierbei nicht unmilltürtich an de» Dabelsatpleifergesellrn? Torr. I ‘

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