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Der israelitische Lehrer · 1870-03-30 · 13 (30.3.1870) · p. Seite 98

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
13 (30.3.1870)
Date
1870-03-30
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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sterthumS, pelches sich-von Mojes her o^n Volk« früh und tief" eingeDtägt Hatte, k8ze Empörung Kvrah'S gegen dce bevorzugt« Stellung Abaron's gab hiervon j Zeugiuß, Mj» wenn .auch dieser Aufstand unterdrückt »urve und ebne reelle folgen blieb, die Idee, welche ihm zu GrMdze lag. die Idee der Anstehnung gegen Prieftermacht und Herrschgft, hafte im .Volke Wurzel gefaxt. , Ideen sind stets mächtiger ab» Tbatsachen. Samuel n?>rkse der aufkeimenden PriesterLerrichaftchirekt entgegen durch Gründung von Propbetenichnlen. welche U«b?S anders bezweckten, als die Bildung allgemein da» gewöhnliche, ianoHHrie Volk »t-^tne Macht anmatzten oder doch Sonderinteresten pflegten, woher sie auch den Namen trugen: 2'en->v^Pharisäer) d. h. Abgesonderte, sich unter einander nzn ^vrrtder, Genoss«> nannten und diese Benennung als Mel beilegten. Pls in dem Maccabäerkampfe die Rettung der Religion und deS Staats.noch einmal von den Priestern auSglng, gelang es diesen «uch noch einmal auf kurze Zeit -Di« cköiüglicheimb Prisstonnacht in -sich zu vereinigen. Die saducäischen und pharisäischen stämyfe dauerten aber trotzdem fort, ja entbrannten noch hefzu machen und unter da» Volk zu tragen, um sie nicht ausschließliches Eigentbum und Vorrecht der Priester jwn irreren Hgpdzlim ar-hik-l g,istig»>- mm politischer Uebermachl werden zu lassen. Die von diese» Prophetrnschulen getragene Volksbildung rief sogar bald als Gegengewicht gegen die politische Priesterherrschaft hie Einsetzung eine» weltlichen KönigthumS hervor und vollzog in diesxr Weise faktisch-die Trennungder kirchlichen und staatlichen Gewalten. Dieser Zusammenhang. worin die Forderung eines KönigthumS mit den Prcpdeteafchulen siebt, wird un» noch in dem Anschlüsse an die Propbetenjünger angedeutet, welchen Saul auf Samuel'» Rath sofort erstrebt und in dem Sprichworle: „Ist auch Saul unter den Prophetenjüngern woraus bervorgebt, daß da» Volk'die politische Be- ' deutung diese« Anschluss«» sofort verstand. Weit e»t> j 4kkvt aber, das, mit de« Königthum di« hierarchischen Bestrebungen der Priester" zur Ruhe und;u Ende gelpugr wären, nahmen die Kämpfe zwischen den beiden .<Kewa!:.'u, der weltlichen nnd priesterlichen, von da «rst recht ihren Anfang. Die Könige bewährten sich zip der Lhat nicht als die weisen und berechtigten NolkSführer; sie führten Volk, Staat und Religion ihrem Untergang. entgegen.. Zm Exil ruhten beide Gewalten, die königliche und priesterliche. Da ging Rettung und Befreiung von da aus, wo überhaupt Li« Freiheit ihren Grund und Boden hat, in welchem allein sie gedeiht und sich erhält: von der Bildung. Dieft erstrebte das Volk in Babnlon. Das Institut dpr Schristgrlehrten nahm seinen Anfang, als Nachfolger hp» ehemaligen Propbeteninstiluts; Esra, der «chriftgelchbrte, ivurb« der Befreier, Restaurator und Reformator oes Volk-. Die Wiedereiuführung der Opfer nzgr nicht zu »»gehen und somit auch die Wiedereinsetzung des ehemalig n Priesterthuinö eine Rothwenhfgkcct. Dies war das Zeichen zu.neuem priesterlichen Streite, der sich i» den Kämpfen zwischen Zadokäen, (Saducäern», der Partei der Priester und, Pharisäern, derjenigen oer Schriftgelehrten, entwickelte. Jene erstrebte die hierarchische und polnische Herrschaft, diese, die gebuoere Polkspanei, war dieiem Streben entgegen, wcdar'er nicht zu leugne» isii dag sich auch die Phacnäer surch.das llebergewicht ihrer Bilvuiig über! tiger uud führten endlich noch einmal Volk Md Staat j dem Untergange entgegen. Die Religion wurde da , nicht durch die Priester, svndern die «chriftgelehrten, > Meistern der Gelehrteuschulen gegenüber ll'vpii 'i'2dr> „Schüler der Weisen* genannt, gerettet. Die Priester setzten selbst in ihrer jetzigen Scheinexistenz de« Kampf für ihre Sonderstellung noch fort und gewannen dadurch für sich die Zuerkennung einiger Bevorzugungen bei d-m Gottesdienste, welchden (O’jru) bis auf den ' heutigen. Tag geblieben sind. Der Talmud aber schon macht diese Znerkennung dadurch sofort wieder illusorisch, dass er das Anrecht daran dem ungebildeten Kohen abspricht. Hiernach erkennen wir, dag eine Priesterherrschaft im Iudentbum weder principiel noch faktisch je bestanden bat. Das geistliche Ruder ist st'tS von denjenigen gelenkt worden, welche auch das geistige Ruder in Händen batden. Die Rabbiner unserer Zeit sind die Nachfolger der alten Schriftgelehrten und al» Träger der Intelligenz und allgemeinen Volksbildung, damals wie jetzt, principielle Gegner der Priester und ihrer hierarchischen Bestrebungen. Die Rabbiner sind nichtweniger als Priester. Zu hierarchischen Machtbestrebungen fehlt ihnen zudem jede Möglichkeit, weil für oft Ausführung religiöser Entscheidungen, wo diese ausschließlich in ihren Händen liegt, die Erecutivn nicht ihnen, sondern der Administration der Vorstände gehört. Das Drängen nach confesstonslosen Schulen hat deßhalb vom Standpunkte des JudenthumS weder Sinn noch Bedeutung. Die Rabbiner, wenn wir sie -einmal zur Vervollständigung der Parallele di« Vertreter der Geistlichkeit nennen «ollen, besitzen keine geistliche Macht oder gar Uebermacht. Von einer überwuchernden Pflege der religiösen Wissenschaft im ' Gegensatz zu der weltlichen, von einer grundsätzlichen! Hintenansetzung und stiefmütterlichen Behandlung dieser,! wie in den confessionellen christlichen Schulen, kann : selbst in den jüdischen Religionsschulen nicht die Rede j sein. Faktisch nnden vielmehr die ReligionSwissen» schäften bei dem heutigen Israel eine nur sehr küm- 1 merliche Pflege. Aber auch principiel spricht sich da» Iuvmtbum von jeher dahin äuS, daß keine religiöse

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