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Der israelitische Lehrer · 1870-03-23 · 12 (23.3.1870) · p. Seite 95

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
12 (23.3.1870)
Date
1870-03-23
Page
Seite 95 (sequence 7)
Language
German
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95 Die Aufgabe der badischen Israeliten ist vielmehr diese: unter Mäßigung mancher, zum Theil einander widersprechender Wünsche und Bestrebungen die LandeSsynagoge auS den Gefahren der Gegenwart unversehrt in eine Zukunft überzureiten, in der sie eine ihreAngelegenheitenfrei ordnende, selbstständige, ebendarum aber vom Staate gelöste Kirche sein wird. Mit der Erhaltung des Ganzen ist aber keineswegs unverträglich die Besserung im Einzelnen, und es wird daher unsere volle Aufmerksamkeit dahin gerichtet hleiben, ob nicht — nach völligem Abschluß der Socialgesetzgebung unseres Landes — einzelne der jetzt geltenden Bestimmungen namentlich über di« Besteuerung außerhalb ihrer'Heimathsgemeinde wohnender Israeliten, einer Durchsicht zu unterziehen und im VrrordoungSweg^ zu ändern seien. Wie das Judenthum selbst keine Gewalt anthut dem Geiste seiner Bekenner, so genießen wir Israeliten in Baden auch nach Außen volle Gewissens- und Glaubensfreiheit. Diesem großen Grundsätze des modernen Rechtsstaates verdanke» wir unsere heutige Stellung in Staat und Gesellschaft. Soll uns nun Freiheit entwinden, waS Jahrtausende lange Bedrückung unseren glaubensstarken und opfermuthigen Vätern nicht rauben könnt-: die_Einheit der Religion, dieEinigkeit des Gemeindelebens? An alle durch Amt und Gesinnung berufenen Israeliten des Landes, insbesondere an die Herren- Mabbiner, Bezirkeältesten, Gemeindevorsteher und Lehrer richten wir die Aufforderung, dazu mitzuivirken, daß unsere im Ganzen sowohl geordnete Landes synagoge auch aus der gegenwärtigen KristS ungeschädigt und neu gestärkt hervorgehe. Aus Baden. Der Bad. LnndeSztg. wird aus Freiburg, 27. Febr. geschrieben/ In Folge eines von Gr. Obberrath-e in jü igster Zeit ergangenen UrtbeilS, welches sogar die vom Gr. VerwaltungSgerichtShofe erfolgte En scheidung tbeilweise in Frage stellt, haben dl^ hier wohnenden Israeliten in einer Versammlung die schriftliche Erklärung abzug ben, daß sie, wenn bis Ende bi.fcö Jahres die längst als unzeitgemäß anerkannte Ministerialvcrordnung vom 31. Dezember 1849 nicht aufgehoben, oder eine der Neuzeit angemessene Kirchenvrrfaffung uicht »ins Leben getreten ist, äuS dem Verbände der badischen Israeliten austreten würden. Gleichzeitig wurde der Synagogrnrath beauftragt, diesen Beschluß mit Beweggründen zur Kenntniß aller iSr. Gemeinden des Landes zu.bringen, mit der Aufforderung, sich den hiesigen Israeliten anzuschließen. BreSlau, 6. März. Die Petition des hiesigen jüdischen theologischen Vereins um Einführung des mosaischen Religionsunterrichts in den Schulen hat eine Abfertigung Seitens des Ministers erhalten. Die Bittsteller sind dahin beschieden, daß der Gegenstand ihrer Eingabe nicht im administrativen sondern im Wege der Gesetzgebung zu erledigen sei. Von der Lippe, 4 März.*) Die |in neuerer Zeit zu hohen Ehren gelangte Statistik, baut ihre untrüglichen Resultate auf Zahlen und gibt uns über Cultur und Charakter der Menschen unzweideutige Urtheile. Da nun Herr Dr. Engel in Berlin in seinen statistischen Heften einen die jüdische Lehrerwrlt interessirenden Zweig nicht angeführt hat, so wollen wir zu Nutz und Frommen der Lehrer und Gemeinden hiemit auf denselben aufmerksam machen und daraus nufere Schlüffe ziehen. Wir m-inen nämlich: den Lehr er-Consum verschiedener jüdische nGemeinden. ES gibt viele dieser Gemeinden, die fast alljährlig einen Lehrer verkonfumiren, und wenn man diesem Consum von einige» Dezennien addiren wollte man würde eine ähnliche Liste erlangen, wie die von Leporello über die von Don Juan verlassenen Geliebte». Zugegeben, daß auch manchmal Lehrer durch ihr Verhalten rc. sich eine dauernde Existenz in einer Gemeinde nicht;u sichern wissen, so glauben wir doch «ich vieljähriger Erfahrung behaupten zu dürfen, daß in den allermeisten Fällen der Grund des häufigen Lehrerwechsels in den Gemeinden zu suchen ist, weshalb wir mit voller Ueberzeugung den Ausspruch wagen: ' Je stärker in einem kleinen Zeiträume der Lehrer Consum in einer Gemeinde, desto schwächer deren Cultur. - Wir könnten auch die Mitt.l beleuchten, welche von den maßgebenden M.tgliedern solcher Gemeinde» zur Beseitigung ihres Lehrers oft angewendet w rden, rmd würoen hie, durch Schlaglichter auf Charaktere werfen, die mit dem bekannten Spruche: EO'3 D’Jcm im dirrkesten Widerspruche ständeu; doch wir wollen nur Thaisachen ansühren und erlauben mW zur Beherzigung für Lehrer und Gemeinden dann und wann die Lehrer-Consumsliste derjenigen Gemeinden zn veröffentlichen, 4>>< in.dem Lehrer-Perbrauch etwas Erkleckliche« zu leisten verstehen: Angeregt durch einen Artikel in Nr. 5 dieses Blattes beginnen wir mit der Stadt Neuß in der Rheinprovinz. Seit einigen Dezennien haben folgende Lehrer dort gewirkt: 1) der spätere Wattfabrikant Horwitz, 2) der spätere Fellhändler Bambera, 3) RieS, 4) R. Wolfsdorf, 5) Cohn, 6) Kahn, 7) S. Wolfsdorf, 8) Weinzweig, 9) Israel, 10) Wiener, ll) Walter, 12) *) Don einem andern, Correjpondente-. Wir bringen diesen Sirtilel «um Beweise, dah der Artikel in Nr. 5 ewig- Begründung zu Hab«! lcheint. Hiermit ist die Angelegenheit von dieser Seite als beendigt anzufehen. Red.

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