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Der israelitische Lehrer · 1870-03-16 · 11 (16.3.1870) · p. Seite 87

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
11 (16.3.1870)
Date
1870-03-16
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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— 87 viertel in Tunis immer einen Vorzug, denn Mordthaten nnd offene Raufereien gehören zu den außerordentlichen Seltenheiten. Die sanfte GemüthSart der hiesigen Israeliten läßt keinen Gedanken an Handgreiflichkeiten Und Gewaltthaten aufkommen. Hinterlistige Diebstähle sollen wohl stattfinden, aber doch verhältnißmäßig selten sein. Im Kleinhandel fand ich hier nicht die hyperbolische Ueberforderung, wie sie in Algier Mode ist; auch zeigte sich die Maare, um die eS sich handelt«, meistens gut und preiswürdig. Die Verhältniffe in Großhandel sind freilich anders, hier erreicht der Betrug in Betreff der Qualität der Maaren oft wirklich fabelhafte Verhältnisse, und inj allen solchen Fällen Hilst keine Reklamation, denn die Errichtung eines Handelsgerichts gehört in TnnjS noch zu den frommen Wünschen." (Wir glaubten, diese Darstellung hier abdrucken zu müffen trotz oder gerade um ihres offenbar feindseligen, jedenfalls nicht sehr wohlwollenden Charakters Willen, um vielleicht auf diese Weise Jrrthümern begegnen zu können. Red.) Feuilleton. DerZletter. Novelle, von Z. Kl. (Fortsetzung.) Obwohl ich daS längst vorausgesehen und erwartet hatte, stand ich doch wie betäubt, und wußte kein Wort zu erwidern. Meine Mutter glaubte wohl, eS sei diese Betäubung blos ein Zeichen der freudigsten lleberraschung und' jungfräulicher Scham nnd.stand lächelnd und beglückt neben mir. Meine Brüder und die anwesenden Bachurim umkreisten Rabbi PinechaS,wie diePlaneten die Sonne; — nur Jakob, der arme Jakob stand in der Ecke, unbeachtet und vereinsamt nnd sein Gesicht war bleich und schmerzbewegt. Die Beglückwünschung der Anwesenden war' kurz, sie riefen mir Alle ein „Maseltob'' *) zu, ohne mich ferner zu beachten; nur Rabbi Pinechaü wollte näher treten und mir die Hand reichen; da erst wich meine Betäubung einem scheuen Entsetzen — ich trat einen «chritt zurück und. statt ihm die Hand zu geben, hielt ich sie wie abwehrend hin. Rabbi PinechaS bemerkte dies, denn über das freundlich grinsende Angesicht flog «in finsterer Schatten, ein durchbohrender Blitz. traf mich, den ich in gleicher Weise erwiderte. In diesem Augenblicke war meine jungfräuliche Verzagtheit verschwunden und hatte einer männlichen Entschiedenheit Platz gemacht. Ich gelobte mir Kampf gegen die Zumuthung, diesem Mann mich zum Weibe zu *) Gut Glückt Gratulationsruf der Juden.! ergeben, diesem Manne, deffen niederträchtigen Charakter nur ich allein ahnte. Das war die Losung meines Herzens in diesem Momente, wo Alle mir Glück wünschten. Einen Augenblick nur schauten wir uns an — wir wußten, was wir von einander zu gewärtigen hatten. Aber Rabbi PinechaS trat dennoch auf mich zu, berührte leise meine Hand, als hätte er nichts bemerkt und sagte : „Masseltob" und Niemand der Anwesenden zweifelte, ich sei eine glückliche Braut, so glücklich, wie es je eine gegeben. Denn welches Mädchen sollte den so schönen und liebenswürdige sich benehmenden Bachur, den großen Gelehrten, den einstigen berühmten Rabbi nicht lieben? Welches Mädchen sollte sich nicht glücklich schätzen, Rabhi- Pinechas' Frcul zu heißen? Wie idaö so schnell, so ohne eigentliche Vorbereitung geworden, wußte ich nicht, sollte eS auch nie erfahren. ES war nun geschehen — und ich hatte nichts mehr dabei zu thunr Die Männer rüsteten sich, ein frohes Knasmahl *) zu halten, ich ging mit meiner Mutter in die Küche, denn das war so Sitte und anders geschah es nirgends. Meine arme Mutter — sie hatte keine Ahnung von den Schmerzen meiner Seele; sie war ja ebenso verlobt worden, hatte ihren Bräutigam am HochzeikSmorgen zum erstenmale gesehen und lebte jetzt noch zufrieden; ob je glücklich, ist freilich unentschieden'. Meine Mutter hat von jeher keinen eigenen Willen gehabt; zuerst kannte sie nnr den ihrer Eltern, dann den meines Vaters. — Als ich vor die Thüre trat, stand Jakob außen. Er trat leise"ai>f mich zu und sagte „Masseltvb!" Ich erwiderte nicht! — er sprach weiter: Du bist glücklich? „Glücklich" rief ich, und der lang verhaltene Schmerz machte sich irt lauten Thrän^n Luft; „glücklich? Ich werde nie die Frau des Rabbi Pinechaü werden." (Forts, folgt.) Verzeichnis der neuen Mitglieder der Alliance. Aus Leobfchütz in Oberschlesien, durch Herrn-B. .Holländer pro 1V70: die Herren Kaufleute Karl Färber, S. ProSkauer, Siegfried Schlesinger, Moritz Treumann, Philipp Deutsch aus Neustadt a. S. Benno BielschowSky Ober-Gröditz. Chebra Kadischa, von Ingelheim- Algesheim und Umkreis; JSr. WohlthätigkeitSkaffr zu Ingelheim. *) Verlobungsfest.

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