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Der israelitische Lehrer · 1870-03-16 · 11 (16.3.1870) · p. Seite 85

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
11 (16.3.1870)
Date
1870-03-16
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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einige nicht so gewöhnliche Strafen kommen, die Höberle in Nothfällen aus dem Stegreif erfunden hatte."-- Das „Roman-Magazin" bringt folgende interessante Quittung: „Endes Unter zogener Bekenndt, daß ich von dem Verordneten Bürgermeister, Mattheis Rehsen, Eine Viertel Jahres Be Soldung Zu recht empfangen habe, Nämlich: Ein Gulden fünfzehn Kreuzer. Actum Eploß haiinb; den 10 Novembris 1862. Schulmeister alda. Theobald Zeghr." Die tunistjchen Juden. Nach Ausland v. 12 Februar c. v. Iva v. Düringsfeld. Die Inden im Tunis, deren Zahl sich auf 30,000 städtische Mitglieder beläuft, werden in die "gewöhnlichen und die Grana oder Orana getheilt, mit welchem Namen man alle später eingewanderten Juden bezeichnet, hauptsächlich die Nachkommen derjenigen, die unter Ferdinand und Jsabella aus Spanien vertrieben wurden. Sie warenweniger zahlreich als die eingeborenen Israeliten, hatten aber sonderbarer Weise vor diesen mehrere Privilegien voraus, wie z. B. eigene Oberhäupter, so daß sie nicht direct unter der Willkürherrschaft der Deys und Beys standen. Dann trugen-sie auch noch im Jahr 1852 eine besondere, allerdings sehr bäßliche Kopfbedeckung, nämlich eine Art weißer baumwollener Nabtmützen, während ihre unprivilegirten Glaubensgenossen im schwarzen Fes und schwarzem Turban einhergingen. Diese Unterscheidung hat aufgehört, seit di« tuniser Juden gleich den orientalischen Raja die Erlaubniß erhalten haben, den Kopfschmuck der Moslim, da« roihe FeS, zu tragen. Dagegen hatten die Grana fast durchgängig trotz der langen Verjährung ihr Abstammungsrecht als Europäer wieder geltend zu machet? gewußt, und sich unter den Schutz der verschiedenen Consuln gestellt. Sie genießen dadurch alle Rechte der Europäer, namentlich den auönahmsweisen Gerichtsstand. Ihnen kann die Justiz des Bezirks nichts anhaben; um so schutzloser befinden sich die übrigen Juden, welche derselben noch unterworfen sind. „ES scheint unglaublich", sagt Freiherr von Maltzan, „ist aber wahr und durch rin in münein Besitz brsindliches consularischeS Aktenstück erhärtet, daß im Jahre 1868 allein 27 tunisische Juden ungestraft ermordet werden konnten. Vielleicht ist es, um sich für dieses System gesetzloser Bedrückung zu rächen, daß did Juden die Regierung bei allen Lieferungen und hauptsächlich bei der Finanzverwaltung so ungeheuer betrügen. Sie weiß es, muß aber doch immer wieder zu ihnen greifen, denn die Araber zeigen sich im administrativen Fache von einer völligen Unfähigkeit. Europäer will der Bey zu solchen Aemtern nicht nehmen, weil sie nicht uziter seiner Gerichtsbarkeit stehen, und so war denn, trotz aller schlimmen Erfahrungen der Regierung, bei Maltzans Anwesenheit i der Posten des Finanzverwalters abermals von einem Juden, Qäyid Man», besetzt. Diese« Amt gewährt nämlich den Titel Qäyid, welcher in keinem andern arabischen Lande von einem Israeliten geführt wird. - Di jenigen, welche die Finanzen verwaltet oder vielmehr zerwaltet haben, müssen sich in einem gewissen Augenblick immer der Jurisdiction des Bey's entziehen, so daß ihre erworbenen Reichthümer keinen Glanz auf die tuniser Judenschaft werfen können; diejenigen hingegen, welche mit den Stämmen im Innern großartige Wuchergeschäfte treiben, dürfen an Ort und Stelle reich weroen. Auch nimmt ihr Woblstanb in dem Maße zu, wie die Araber ärmer werden. Während Maltzan 1852 als Verkäufer in den Lasars fast noch lauter Moslim sah, fand er sie jetzt durch die Juden auö ganzen Basars und Straßen verdrängt. Seit die Regierung die Judennicht mehr zwingt, sich auf ihr eigenes schmutziges Stadtviertel, die Hära, zu beschränken, haben sie alle anderen Stadttheile gleichsam überschwemmt. Auch an Zahl nehmen sie zu, während die Araber abnehmen, und dürsten sie allmählich das arabische Element überwachsen. In den Basars wenigstens möchte man, fahren die Judsn so fort, wie sie angefangen haben,- bald vergebens nach dem letzten Araber suchen könen. Die Wahrheit ist. daß die Juden-sich civilisationSfähiger zeigen als die Araber. Was sie sich von Wissen anzueignen vermögen, das lassen sie gewiß nicht unbenutzt. Der deutlichste Beweis dafür ist der zahlreiche Besuch der Schule, welche der anglikanische Juvenmissiomär in Tunis gegründet bat. Ueber zweihundert arme Judenkinder, sowohl Knaben wie Mädchen, werden hier unentgeltlich, und zwar nicht nur in der Religion, sondern auch in allen möglichen Elementarwissenschasten unterrichtet. Was sie von diesen begriffen haben, behalten rite; was sie tjon Katechismus und neuteftamentarischen Sprüchen lernen mußten, vergessen sie. Bekehrt ist noch kein Kind aus dieser Schule gegangen. In den religiösen Ceremonien folgen die Grana so gut wie die stbrigen Juden dem spanischen oder portugisischen Ritus, und sprechen auch das hebräische diesem gemäß aus. „Ich ließ mir," erzählt Maltzan, „von einem Rabbiner Stücke aus der Bibel vorlesen und fand die Aussprache derjenigen sehr ähnlich, wie l sie auf unfern Universitäten üblich ist, und sehr ver-! schieden von derjenigen der deutschen und polnischen! Rabbiner. Namentlich vermeiden sie die Aussprache

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