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Der israelitische Lehrer · 1870-03-16 · 11 (16.3.1870) · p. Seite 83

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
11 (16.3.1870)
Date
1870-03-16
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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fallen selbstredend zu Gunsten deS freisinnigen und toleranten Judenthums aus, indem dieses über unsittliche Handlungen, jene aber über freie und tolerante Gesinnungen den Fluch aussprechen. WaS aber bisher von allen Blättern, auch denjenigen, welche den oben genannten nachschreiben, übersehen wurde, ist, daß nicht daS Judrnthum verflucht, wie der KatholicismuS, sondern daS Volk veranlaßt, denjenigen unter sich zu verfluchen, welcher sich gewisier unsittlicher Handlungen schuldig macht. DaS Volk schließt also damit.solche' Handlungen und ihre li^häter don sich ans, verpönt jene und verbannt diese seiner Mitte, weist beide von sich. Aus Mecklenburg Schwerin wird berichtet, daß durch großherzogliche' Verordnung, diejenige Bestimmung des außerordentlichen ContributionS-EdictS, welche die jüd. HandlungScoinmi« einer exeptionellen Best-uerung unterwarf, aufgeboben worden ist. Norddeutschland. Nach dem Berichte des Gouverneurs des Staates New-Aork sind mebr als 6 Millionen Dollars für Lehrergehalte, und beinahe 2>/, Mill. Dollars für Schulhäu'er, Reparaturen und Einrichtung verwendet worden. Im Staate befinden sich circa 1'/* Millionen Kinder im schulpflichtigen Alter, von denen die Mehrheit die öffentlichen Schulen einen Theil des Jahres hindurch besuchen, während 126,000 in Privatschulen gehen. Auch sind 6 Noruml'chulen gut besucht, welche durchschnittlich von 4,200 Zöglingen benützt werden. Die Gesammtzahl der öffentlichen Schuthäuser ist 11,698, und der Schäyungswerth derselben und ihrer Baugründe beläuft sich auf mehr als 18 Millionen Dollars. — Der Landesschulrath in Pxag hat die Klosterschulen beaujtragt, sich als öffentliche Anstalten derart zu organisiren, daß Lehrer und Schüler anderer Glaubensbekenntnisse daran theilnehmen können. — Einem öffentlichen Berichte zufolge zählt man in Hamburg 3/8 Schulen; darunter befinden .sich 20 Armenschulen und 2l Stistoschulen. Die Anzahl der Schulenvoisteher beträgt 266, die der Vorsteherinnen 2li, die der männlichen Fach- und GehülfSlehrer 101, und die Zahl der Lehrerinnen dieser Art 667, im Ganzen also 1845 Arsonen. Im Durchschnitt mögen nach diesen Angaben 22 Schüler auf eine Lehrkraft kommen. Außer den 378 Schulen gibt es nun noch eine, beträchtliche Anzahl von Kursen, Kindergärten u. s. w. Als eine Eigenthümlichkeit wird auch die Strafschule aufgeführt; in dieselbe werden Schüler wegen schlechten Schulbesuchs u. s. w. aitf 8—14 Tagen und längere Zeit geschickt, während welcher sie wir in gewöhnlichen Schulen unterrichtet werden. Norddeutschland. Der Verein für Freiheit der Schule in Berlin bezweckt nach seinem Statut die Reform der Schule und ihre vollständige Befreiung von kirchlicher Aufsicht und bureaukratischer Bevormundung. Im Einklang mit diesen Priycipien erstrebt er zunächst die Errichtung konfessionsloser Schulen, bei welchen der Religionsunterricht im Lehrplan ausgeschlossen sein soll. In Erörterung dieser Frage glaubt er folgendes Preisausschreiben veranlassen zu müssen: „Ist der Religionsunterricht in her Volksschule eine pädagogische Rothwendigkeit?" Der Verein! ist bereit, die beste der eingehenden Schriften für ein | Honorar von 50 Thlrn. zn erwerben und! außerdem! dem Verfasser noch die Hälfte des durch den Vertrieb! der Broschüre etwa zu erzielenden Reingewinnes zu! gewähren, Die betreffenden Schriften sind zu Händen! des Vorsitzenden (Franz Duncker, Potsdamer Straße | 20, Berlin) bis zum 1. Mai einzusenden. j. j Paris. Auch die Mohlim haben Stricke ge-! macht. Weil das Cvnsisiorinm dir Ausübung der f Mezizah untersagt hat, haben die Mohlim die fernere! Ausübung ihres Amts verweigert. Auch die Regle- I ments früherer Consistorien Allmann sind erneuert worden. Alles geschah aber mit Zusicherniig und unter Beirathung gewissenhafter und anerkannter Aerzte. Wir erfahren gleichzeitig, daß vielen Mohlim die theoretische und technische Befähigung zu fehlen scheint. ES wird auch betont, daß nirgends die alten Gesetze verletzt, sondern nur bei den neuen Anordnungen die Fortschritte der Wissenschaft und Chirurgie benutzt seien. Bekanntlich ist die Mezizah von £almub| selbst auf Grund früherer medicinischer Anschauung aus GesundbeitSrücknchten angeordnet worden. Da die neue Medicin diese Ansicht verwirft, bat schon Mosche Sopher die Mezizah beseitigt. Aber alle diese Autoritäten der Orthodoxie kämpfen vergeblich gegen ein-" gewurzelte Mißbräuche. Das Judenthum ruht aber nicht aus dem Autoritätsglauben. Wir rühmen dies; dann aber sollte auch die jüdische Wissenschaft allgemein gemacht und nicht blos von Einzelnen getragen worden. Eine so unmotivirte Anhänglichkeit an dem überkommenen Minhag, eine so principlose Auflehnung gegen vernünst'ge Verbesserung ist dummes Widerstreben unzurecknungSfäbigen Pöbels. So kommen wir nicht weiter; wir bleiben auch nicht stehen, — wir gehen zurück. Ein solcher ConservätiSmus erhält daS Judenthum nicht, er zerstört eS, mehr als Reformsucbt. Paris. Wie man vernimmt, ist die Wiederanstellung Renan's als Professor der hebräischen Sprache im College äs b'rano« eine fest beschlossene Sache. Formell ist Derenburg, der bekannte israelitische Gelehrte, als zweiter Candidat vorgeschlagen worden. ES ist dies die Proffeffur des verewigten Munk. Petersburg. Der hier weilende bekannte Tscherkessen-Führer Schamül trägt diesen Namen nicht ur-

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