Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 11 (16.3.1870)
- Date
- 1870-03-16
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 82 — Kunst und erinnerte dabei an Goethe'- Wort, daß die Kunst wenig auf die Moralität wirken kann, und daß die-Philosophie und Religion thun müsse. Der höchst interessante Vortrag fand am Schluffe allseititigen Beifall. Wochenbericht. Würzbnrn, im Februar 1870. Mit Aufmerksamkeit. laS ich' die in diesen geschätzten Blättern aus der Feder des Herrn Leeser in Lübbecke geflossene Korrespondenz. Sv nutzbringend »nd erwünscht ein solches Unternehmen an und für sich einerseits wäre, so überflüssig und unzweckmäßig scheint es mir doch anderseits in dem Umfange, wie es in Jh.er Correspondenz angedeutet 'ist. Der ganze Zweck soll doch sein, dem Schüler ein Buch in - die Hand zu geben, durch welches er sich aus den Unterricht vorbereitet, damit der Lehrer — wegen Mangel der dafür bestimmten Zeit — beim Unterricht desto schneller mit ihm fortschreiten kann. Betrachten wir nun den Schüler, wann ihm eine solche Vorbereitung ans den Pentateuch-Unterricht zugemuthet werden darf, und besehen dann die projektirte Uebersetzung einiger Pentateuck-Kapitel und zwar der ersten, so wird Herr Leeser gewiß einsehen, in wie weit ein solches Büchlein ausreicken wird. Bis sick der Schüler allein vorbereiten kann, wird er wohl volle zwei Jahre im Uebersetzen unterrichtet sein müssen. In diesen zwei Jahren werden selbstverständlich die ersten Kapitel des Pentateuchs vorgenommen. Zu waS sollen demnach jene Kapitel nützen, die der Schüler bereits gelernt hat? Meine Ansicht ift: Entweder sollte der ganze Pentateuch, oder wenn diese-'nicht möglich sein sollte, doch wenigstens ein großer Theil so übersetzt werden! — einige Kapitel und besonders die ersteren sind überflüssig und ganz zwecklos. L. F. Wien. Der bekannte und verdienstvolle Taubstummenlehrer Deutsch nahm kürzlich iür seine Anstalt einen Unterlehrer auö Lemberg auf, den er bald wegen seiner Unfähigkeit und besonders wegen seines Mangels an Geduld und feines an den armen und taubstummen Zöglingen auSgelaflenen Jähzorns wieder entlassen mußte. Der Unmensch rächte siä^, indem er ein Messer zog und Deutsch durch einen zwei Mal geführten Messerstich in Arm und Brust, wenn auch zum Glück nicht gefährlich, verwundete. Stettin. Die hier erscheinende Wochenschrift berichtete kürzlich witzelnd über einen Cantor^ der hoch „sang" aber tief „sank." Als der Rabbiner auf desien Entfernung antrug, nannte ihn der Vorstand ein Juwel und behielt ihn'. Als er aber endlich' mit der Gemeindekasie durchging und steckbrieflich verfolgt wurde, glaubte der Rabbiner zu seinem Rechte zu gelangen. Der Vorsteher nannte ihn aber noch immer einen Juwel, deflen Fortgang er bedaure. Der Rabbiner' erwiderte: Wohl ein Juwel, der aber gefaßt und eingesetzt werden muß! Dem frommen Blatte ist an dieser Erzählung der Witz die Hauptsache; rS hat aber kein Wort der Entrüstung darüber, daß sittlich verkommene Subjekte als Cultusbeamte noch geduldet und sogar geschätzt werden. Beuthen. Der hier zum Richter ernannte Jeremias Mai ist in der That nicht Jude, war eS, aber ist es nicht mehr: das Tauswasser hat ihn zum Christen gemacht. Dagegen sollen die in Breslau zu Richtern ernannten Lunge und Salomon seien. Also doä>! Wir wissen, Themis, die Schuhgöttin, der Justiz, wird mit verbundenen Augen dargestellt. Ob diese Ernennung ein Fehlgriff, oder aus Unpartheilichkeit geschehen ist, wird sich zeigen. Berlin. Die Stadt ist ruhig, schreibt der Correspondent de« Hamazgid; sie war nämlich in Aufregung wegen der Ankunft Geigers. Man erkennt aber nun, daß dieser Mann nicht sofort die ganze Gemeinde zu seiner Fahne herüber zieht, und vertraut wohl auch dabei der bewährten Kraft seines Gegners: Hildesbeimer: Wie schwach muß es um die Ueberzeugungsstärke jener Partei bestellt sein, welche so lächerliche Furcht hegt! Aber man-begreift derartiges, wenn man aus einer andern Gemeinde erfährt, daß hier sich eine religiöse Sondergemeinde gebildet hat, weil der Vorsteher einem begüterten und einflußreichen Mitgliede das laute Gespräch während des Gottesdienstes untersagte. Der Beleidigte sammelte sich einen Anhang und baut jetzt diesem auö eigenen Mitteln eine Sonder-Synagoge. Berlin. Der in jüngster Zeit viel genannte und vielseitig dementirte Gesandte Bär Cohn aus Saphet veröffentlicht im Volksblatt Schreiben des ConsulS für den Rorddentschen Bund Hrn. Weber in Beirut und des Bundeskanzlers BiSmark. Letzterer bevollmächtigt den Ersteren die von Cohn für wohlthätige Zwecke gesammelten Gelder entgegenzunebmen und aufzubewahren und demnächst unter Beihülfe eines ComiteS für Gründung eines Kranken- und SchulhauseS in Sephat zn verwenden. Alles auf Verlangen Cohn's. Die Beanstandungen des Cohn dauern andererseits immer noch fort. In der That liegt in den jetzt veröffentlichten Schreiben christlicher und fremder Behörden kein vollgütiger Beweis für deren Nichtbegründunq. Berlin. Wie die Wiener N. fr. Pr., so bespricht auch die hiesige VvlkSzeitung die im römischen Concil beantragten 21 Canones, welche sämmtlich mit einem Anathema sit d. h. „verflucht sei" beginnen. Beide Zeitungen stellen Vergleichungen an mit den ähnlichen Aussprüchen im Pentateuch Deut. 27). Die Vergleiche