Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 11 (16.3.1870)
- Date
- 1870-03-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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er (Israelitiüdu’ Aelirer Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andeö. Organ für den Verein „Achawa." Jß 11. Den 16. März 1870. 7 10. Zahlgang. Wöchentlich 1 Nummer vierteljährlicher Sbonnementöprcir 40 kr. — 111/2 Egr. Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeile. Bestellungen ' nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. WM" Wegen Mangel an Nauru wird der Leitartikel „Unsere Zukunft" erst nächstens fortgesetzt. Ar. Kotdschmidt's Vorlesungen. IV. Leipzig, 2. Februar. Gestern hielt Kr. Goldsckmidt seinen letzten Vortrag im Saale der Buchhändlerbörse. Er leitete denselben ein durch einen Rückblick auf die früheren Vorträge, in welchen er über den GotteSgedanken und di« Anschauung de« Menschen gesprochen hatte, und deutete dabei an, daß man dem Heidenthum, welches er' nie als dunklen Hintergrund für das Judenthum hingestellt habe, feine Bedeutung nicht absprechen könne, und daß dasjenige, waS die Menschheit dem Heidenthum verdankt, nicht gering sei. Don einem Nachweis dieser Behauptung mußte, er in seinem Vorträge natürlich absehen und ging sofort zu dem eigentlichen Gegenstände desselben über, nämlich zu der Naturanschauung des Judenthums. Nachdem er die Menningen widerlegt hatte, welche dem Judenthum ela« gef .ide .Naturanschauung absprachen (Deisten in England rc), zeigte er, wie die Naturanschauung dezt^, Menschen überhaupt innig mit dem Gottesgedankest ^usammenhängt. Die astatischen Religionen mit thdeuu DuaSliSmyS zeigen auf eine mit Finsterniß behaftetoksichtbare Schöpfung hin; der Hellenismus vergötterte die ganze Natur und übte damit einen besonderen Zimber ans. Doch kann der griechische Genius nur-tnitHem Maaßstabe der Schönheit gemessen werden; Wahrheit, Sittlichkeit treten bei ihm wemger hervor. Der jüdische GotteSgedanke führt dagegen zu der Ansicht, daß die Natur ein Werk von Gott ist, daß sie keine Entzweiung oder einen Kampf gegen Gott in sich trägt, daß sie, von dem Urquell de« Guten herstammend, auch gut ist. Mit Recht betonte der Redner den Satz Ist die Naturdie Schöpfung des Allheiligen, so ist sie selbst ein Heiligt h.uml ES wurden nun die Gesetze, welche aus dieser Naturan-- schauung hervorgeaangen sind, betrachtet, und der Vortragende zeigte namentlich, wie alle Verstümmlung, aller Frevel an der Natur im Zudenthum schwer verboten sei, und wie daher Schonung und Pflege der Thiere dringend empfohlen werde z. B. in den Aussprüchen: Du sollst dem Ochsen, der da drischt rc., Der Gerechte erbarmet ftch rc. Gemäß seiner Naturanschauung hat daö Judenthum auch keine Sympathie für unnätürli^e Lebensart, wie z. B. für die Askese deS' Mittelalter-, ebenso wenig für den Müßiggang, der bei den alten Vollem (alten Deutschen) vielfach vertreten war. Das Judenthum stellt die Arbeit nicht als Fluch, als Folge der Sünde hin, sondern als einen Segen; es verlangt dieselbe in vielen Aussprüchen (Du Fauler, gehe hin zur Ameise rc.) nnd betont namentlich ihre ethische Sette. Hierbei nannte der Redner eine große Anzahl jüdischer Gelehrter. die sich durch Liebe zur Arbeit auSzeichnetcn, und dir neben der geistigen Beschäftigung attch eine körperliche trieben, wie z. B. Spinoza, der Philv'oph und Glasschleifer war. Zum Schickst des Vortrages wurde die Kunst im Zusammenhänge mit der Naturunv Gottanschauung betrachtet. Obgleich der Einfluß d-eS Judenthums auf die Kunst im Allgemeinen nicht zu hoch angeschlagen, werden darf, so zeigt es doch im Speciellen bewundernswürdige Offenbarungen der Kunst, und zwar grißtentheils auf den Gebieten, welche den Ausdruck des GotteSgedankenS in sich verwirklichen lassen. Von den Kunstgebilden dcS Steines, der Statuen rc., die weder im Judenthum noch im Christenthum besonder» Ausdruck fanden , ging der Redner zu den Kunstgrbilden der Malerei und des Wortes über. Mit Recht wurden kabei die Psalmen als erhabene Kunstwerke hingestellt, deren Bedeutung schon Humboldt gewürdigt habe. Schließlich gedachte der Redner de« Einflusses der .j- J