Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 10 (9.3.1870)
- Date
- 1870-03-09
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 79 — befindet sich eine eigenthümliche des Rabbiner Borchardt, welcher zur HaltungeineS Oberrabb. von Preußen (?)*) und dessen Collegium 30.000 Thlr. jährlich bewilligt zu haben wünscht. — Die serbische Regierung debattirte die Verpflichtung der Inden zum Militärdienst in Armee- und Nationalgarde. — Der Dichter, Pro- - fessor Hertz in Kopenhagen ist, nach kurzem Krankenlager, den 26. c. gestorben. Er ist am 25. August j798 daselbst geboren, studirte Iura, gab aber daneb n, ohne sich zu nenne», seit 1826 Lustspiele heraus, die überall die beste Aufnahme fanden. 1832 trat er zum protestantischen Christentbnm über. Durch sein bereits mehrfach übersetztes Lustspiel, „König Rönö's Töchterlein" ist er in Deutschland zur Popularität gelangt. Letztere Heit bezog er eine Ehrenpension von 40: mi Thaler. _._ 1 Literarisches. Das Studium der hebräischen Sprache in Deutschland von Ende des XV. bis zur Mitte des XVI. Jahrhunderts. Von Ludwig Geiger, Breslau 1870. Schletter'sche Buchhandlung (H. Skutsch.) Wir haben hier eine abgebrochene Studie vor uns, welche wahrscheinlich ihre Fortsetzung erhalten wird, denn die in der Folge zu behandelnde Periode beginnt mit Burlos und ist die bedeutendere. Das Studium der hebräischen Sprache bei den Christen ist auch ein Stück jüdischer Geschichte. Es beginnt mit den Vorläufern I der Reformation: Aber so. wenig wie diese als solche und in ihren Trägern sich den Fuden günstig erwiesen 'bat, ebensowenig slosj das Studium der bebräiichen Sprache aus dem Princip und Gefühle des Humanismus gegen sie. Wider Willen hat die Religion der Christen deren Studium der Bibel in der Ursprache wie die Humanität im Allgemeinen, so auch gegen die Juden gefördert, weil dadurch Wissenschaft und Bildung auch in die allgemeinen, nicht theologischen Menschenkreise gedrungen ist. Das Studium der hebräischen Sprache bei den Christen beginnt erst vom Wiener Concil 1312, wo man es bedauert, daß die Mönche dasselbe bisher vernachlässigt hatten. Man pflegte dasselbe aber nur, um einerseits in der Bibel die Wahrheiten»des Christenthums auszuftnden, andrerseits in deren Auslegung die rabinischen Jrrthümcr zu entdecken. Der Hast gegen die Juden dauerte fort, ja mehrte sich in dem Maße, als man ihn wissenschaftlich unterstützen und rechtfertigen zu können vermeinte. Man ist des Lobes üher die Sprache voll, hält sie für die Grundlage aller Sprachen, gibt ihr den Vorzug vor der lateinischen und griechischen, rühmt die Gelehrsamkeit der Juden und kann ihren Unterricht nicht entbehren — und haßt und versolgt dennoch die ~*) Entweder muß es „Haus der Abgeordneten" oder „Rordocutschland" heiße». Red. Juden. Lheologie, Philosophie (Avicebron) nnd Philologie, Alle« führt die Christen auf Juden und Judenthum zurück — und dennoch nehmen Haß und Verfolgungen kein Ende. Wundere man sich nicht, daß damals jüdische Sprache und Lehre' eine derartige Geringschätzung erfuhren; man ignorirt und bespöttelt sie auch heute noch vielfach. Man kennt und studirt Talniud und Rabbiner christlicherseitS in unserer Zeit weniger als in der Vorzeit und in gleicher Weise ignorirt man nuck die moderne jüdische Wissenschaft, weil man sie nicht versteht und aus gelehrtem Hochmuth oder consessioneller Beschränktheit nicht verstehen will. Wie ehemals wird auch heute noch das Hebräische Sprach- und Schriflsludium nur von Einzelnen gepflegt, ist aber noch immer nicht gleich dem Lateinischen uns Griechischen ein obligater UnterrichtSgsgenstand der Gelebrtenschulen. DaS vorliegende Buch behandelt die Entwickelung des hebräischen »Sprachstudiums, führt uns die betreficnden Männer und die einschlägige Literatur vor, bespricht dir Universitäten uud Schulen, auf denen die bebräische Sprache besonders Pflege fand, — Alles mit historischer Genauigkeit. Es ist ein Spiegelbild der Vergangenheit, unserer Zeit vorgehalten. um sich der ererbten Fehler bewußt zu werden und sie abzulcgen. - Diesen Zweck verfolgt die Wissen s'daft nebenbei; wir halten ihn für den Hauptzweck und vorzüglichsten Gewinn. Selbstredend ist sich die Wissenscdast aber auch in erster Reihe Selbstzweck. Rach beiden Seiten hat uns diese Schrift des jungen Verfassers vollständig befriedigt._R. T c u i l 1 e t o tt. Aer Kelter. Aovcllc von J.^zrl. (Fortsetzung.) Rabbi PincheS kam also in unser Haus, Anfang» sehr selten und nur nach ausdrücklicher Einladung vom Vater, etwa an Festtagen; später öfter und öfter und endlich alle Tage. Zuerst schien er mich kaum zu bemerken; dann fing er an, mir mehr Aufmerksamkeit zu schenken und schließlich, durch Eltern und Geschwister veranlaßt, war ich-der Gegenstand seiner steten Aufmerlsamkrit und schenkte er mir seine ganz Huld. Run möge mich der Rabbi entschuldigen, wenn ich ihm Dinge erzähle, die für eine Fra» meines Alters und einem würdigen Rabbi gegenüber kindisch und albern erscheinen. Von dem Tage an, wo der Bachur Zutrit in unser Haus erhielt, graute mir vor ihm wie vor einem Ungeziefer. Wenn er kam, suchte ich zu entfliehen; wurde ich von den Meinigen mit Gewalt zurückgehalten, schlug ich während seines Gespräches die Augen unter und erhob sie nur zuweilen, wenn ich fühlte, wie seine brennmden Augensterne mich gleichsam zn durchbohren schienen.