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Der israelitische Lehrer · 1870-03-09 · 10 (9.3.1870) · p. Seite 80

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
10 (9.3.1870)
Date
1870-03-09
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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80 — -Seine Anwesenheit und seine stete unzarte Aufmerk» samkeit erregte inunr die-furchtbarste Pein und wenn er gar zuweilen die täppischen Hände nach mir ausftreckte, so war es mir,,als züngele eine Schlange nach wir und suchte mich durch ihre Umschlingungen zu erdrosseln. Warum solche Furcht? Ich mag und kann dem Rabbi nicht verhehlen, daß neben der Ahnung in meinem Herzen, daß von diesem Manne wein Unglück kommen würde, auch ein anderes Gefübl mich be- . herrschte. — In unserem Hause lebte seit vielen Zehren der Sohn einer armen Verwandten. Sein Vater und seine Mutter waren todt, und so war der arme Zarob als 14jähriger Knabe in unser Haud gekrmmen — als ein Gedufteter. Von meinem Vater fast unbeachtet, von meiner Mutter aus Mitleid gm behandelt — wurde er, wie man so sagt, der Sündenkrck meiner Brüder. Für mich war Jakob stets ein lieber Spielgencffe, ein Schutz gegen die Angriffe stärkerer Kinder, die mit mir die Schule kesucbten oder aus den Straßen spielten. Jacob war immer bei mir; die ihm von meinem Vater und Brüdern übertragenen Geschäfte waren so einfach, daß er sich nie sehr weit von der Stadt oder auch nur rem Hause entfernte. So waren wir stets beisammen. Wir sprachen wenig zusammen, wir hatten keine Geheimnisse vor einander; weder zu verbergen roch zu enthüllen, unsere Gemüther gehörten längst einander an und wir wußten es nicht. Ich warschon 19 Jahre alt und doch dachte ich nichts wesier dabei, daß ich fröhlich und muhig wär nur m Jacobs Nähe, traurig und verzagt wenn er sich aus. dem Hause entfernte. Gott verzeihe mir, wenn ich meine Eltern und Geschwister jetzt anklage. Aber-die jüdische Familie, so sittlich streng, sc iwnig und klar in den Beziehungen der einzelnen Glieder hat bis zu dieser Stunde leider noch nicht das Verständniß für derartige Herzenszustände, noch nicht die nöthige Rücksicht gefunden Kür das Gemüthsleben seiner Kinder, insbesondere eines Mädchens. Auch das unschuldige Verhältniß wird als eine sittliche Verirrung betrachtet, inan behandelt die frei sich gestaltend« Liebe zweier Menschen zu einander als Tborheit und der Wille des ^Vaters und der-Mutted, das Familieninteresie, und'im besten Falle das, was man das Glück des Kindes nennt, beherrschen unuachsichtlich daS wahre Lebensglück desselben, und sind Verhängniß. Hätten mein Vater und meine Mutter auch eine Ahnung von meinen Gefühlen für Jakob haben könn-n, sie würden sie doch nicht beachtet, vielleicht als Kinderspiel betrachtet, darüber ._ , Leranlrvortlichr Redact io» und L erlag von I FSr de» L»chh«nidrl in L«»«iifio» bei OSIar Lei»rr gelacht haben. So wußte also Niemand, was in uns vorging, — wir selbst nicht. Rabbi Pinchas ging aber mittlerweilen von der stillen Bewerbung zur offenen über. Es war am achten Abend des Chanuckafestes; die Lichter brannten so freundlich, in unserem Familienzimmer herrschte ein reges, buntes Leben. Ter Vater batte mehrere Bachurim zum Spiele eingeladen — vor Allen Rabbi Pinchas. An diesen festlichen Abenden spielten Alle, die Lust am Spiele schien selbst den ernsten Rabbi Pinechas stärker als gewöbnlich aufzuregen. Ick war mit meiner Mutter sin der Küche beschäftigt, um Erfrischungen rorzube reiten. Ta wurde , ich auf einmal atgerufen; ich sollte ins Zimmer, zum Vater. Es war eine außergewöhnliche Zumutlung, da ick diese Szube für gewöhnlich während des Spiels nickt betrilen sollte. Ich ging — zitternden Herzens. Als id> hinkam, lag eine zerbrochene Taffe auf dem Fußboden. „Tu bist Braut", sagte mein Vater. „HikH, Rabbi Pinchas, dein Brärnigam." (Forts, folgt.) Anzeigen. esetzung der isr. Schulverweierstelle zu Gommersheim, Bezirksamt Landau, Pfalz. Zur Bewerbung um die dahier neuerrichtete iSr. Cchulverweserstelle, mit welcher auch der Dcrbeterdienst verbunden ist, wird hiermit zum wiederholten Male e)n Meltungstermin von 14 Tagen von heute an eröffnet. Der Gehalt beträgt' 300 fl. nebst 50 fl. an Eafulaien. Für Wohnung u. Beheizung sorgt die Gemeinde. Biwerber wollen ihre Gesuche persönlich einreicken, Gommersheim, den 20. Febr. 1870. "öt» ovsUviv^. Aron Slayer. 3n Älteull in Wcstphalen wird die Israelitische Lehrer- und Cantor-Stelle mit einem jährlichen Salair von 300 Thalern am 1. Sept. dieses Jahres vacant. Reflektanten wollen sich unter Beibringung ihrer Zeugnisse bei dem Unterzeichneten Vorstand melden. Ferdinand Heidelberg. seph 1kli»gr»stei», Lehrer zu Ingelheim. i» Leipzig. — I SottSleben'i Bxchdruckerei in Mainz.

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