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Der israelitische Lehrer · 1870-03-09 · 10 (9.3.1870) · p. Seite 75

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
10 (9.3.1870)
Date
1870-03-09
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 — dieser Stand sich selbst und seine heiligsten Rechte aufgegeben. Nein, der Lehrerst and will sich erheben und frei machen urb Ihr sollt ihn nickt zu einer Klasse indolenter und charakterloser Schlucker erniedrigen. Die Gemeinde ist berufen, mitzuwirkcn; cs ist eine .heilige Pflicht, zu der wir sie stets ausgesordert haben; aber wir, die Lehrer selbst, müssen vor Allem thun, was wir sollen und können, wenn wli r nur wollen. In der Ackawa ist Raum für alle Lehrer! Wollen nicht alle kommen, nun denn, so lasse man diejenigen,, welchen eben das Bewußtsein von der Bedeutung'eines solchen Vereins fehlt. Diesen wird auch der Gemeintebur.d nicbthelfen. Es kann n'cht die Aufgabe dieser angestrehten Bereinigung sein» das selbstbewußte Aufstreben ei »eS gebildeten L ehrer st andeSunterdrücken zu wollen. (Forts, folgt.) Ar. Koldschmilts Porträge. iv. Leipzig, 12. Icnuar. War eS der Gotlcsgedanke des Zudenthums, den Dr. Gcldfchmidt in seinem vorletzten Bcrlrage im Gegensatz zu den hednischcn Anschcuungen als den über die Sinnenwclt erhabenen, wie geistigen, alleinigen und einzigen entwickelte, so war es in dcm. jüngstcn Bcrtrage die Erschaffung des Mensckknpaares, sowie die sich daraus ergcbenden Begriffe über das Beibältnist der Menschen zu einander, was den Redner belästigt. Eigentlich wäre in der Anschaüug vom Wesen Gottcs anckr die Anschauung vom Wesen des Menschen gegeben. Goethe drückt des in den Worten deS Geistes dem Faust gegenüber tiefsinnig auS-: „Du gleichst dem Geist, den Du begreifst". So ist in den Worten, „Gott schni den Menschen zu seinem Ebenbilde" die hole Stellung bezeichnet, die der Mcn'ch nach biblischer Aufiassuna, cinnimmt. Hier sehe» wir wiederum einen Unterschied zwischen heirnischer und jüdischer Aufsassung, nicht dcm Grade, sondern dem Wesen nack. Während selbst im Geiechcntbum die Erschaffung deS Menschen als etwas von den Göttern nicht Gewolltes, nur mit Neid angesehen wird, jo baß Prometheus diesen Frevel hart büßen muß, war es hier die freie Thal Gottes, die den Menschen schuf und ihm Geist von seinem Geiste mittheilte. Zum Herrn über die Natur setzte er ihn, „daß die Erde ihm unterthan sei." Tiessinnig sei eS auch, daß, während bei den Naturwesen Gott einfach als Schöpfer genannt wird, es bei der.Erschaffung des Menschen heißt: „Gott bildete den Menschen." Ebenso tiessinnig sei es, daß es nach Erschaffung von Mann und Frau heißt: Gott nannte ihre Namen „M en sch" nicht ,Menschen", da Beide zusammen'erst den Begriff deS MenfchenthumS erschöpfen. So nennt die Bibel die Frau das „Gegenüber" des Mannes,> gs-nch'am sein anderes Selbst, in dem er sich anschane. Die Frau nach biblischer Anschauung lei keine ^Pandora, die zur Strafe der Menschen auf die Er?e gesandt sei.! i So l hängt auch die Arbeit des Menschen nicht mit dem vom Weibe veranlaßten Äündcnsall zusammen, da diese ron Adam bereits gefordert wurde» als er in das Paradies kam, den es heißt: „Gott gab ihm den Garten Eren, daß er ihn bearbeitete und büte.." Naturgemäß ergiebt sich nun csus diesen Gtundzügen daS Berbältniß der Menschen zu einander — zunächst das Berhältniß der Ebe u. > Familie und auch das Berhältniß zu den Dienendcjn, die im ganzcn Alterthum „Sklaven" hießen. In der Bibel kennt man das Wort „Sklave" nicht; „Knecht" wird'der Dienende genanns „Ebed." Das ist derselbe Name, den auch MoseS erhält. Es heißt von ibm, dem Propheten, dem Lefrffer seines Volkes, „MoseS der Knecht Gottes " Äcmgemäß war auch daS Berhältniß des Herrn selbst zu dem heidnischen Sklaven oder Knechte durch Gesetze geregelt und der letztere nicht der Willkür des ersteren preiSgegtben. So müßte der Herr den Sklaven entlasten, wenn er diesen an einem Kdrpertheil verletzte — so durste er ihn nicht einsangen lassen, wen» er sich durch Flucht der Knechtschail entzog, so mußte er ihn an den Festmahlzeiten,' an den religiös gebotenen Ruhetagen Tbeil nehmen lassen. ■ Das Herhältniß des israelitischen Sklaven zum Herrn mar ein solches, daß es den Namen „Sklaverei" gar nidfctj verdient. Nach 0 Jahren mußte der Sklave überhaupt entlassen werden und eigenthümlich genug: wenn k^r Sklave von der Freilassung keinen Gebrauch machen wollte, so wurde er, der Sklave, am Ohre verletzt.; Die Erklärer sagen: „Das Ohr, welches die Wortes vernommen Hai: „Ich, der Ewige, Euer Goit, habe Euck aus der Knechtschaft geführt; meine Knccktc seid Ihr, nicht .die Knechte der Knechte." und sich doch zur Knechtschaft bestimmt, verdient, die Strafe, gekennzeichnet zu werden. Sc wird aus der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Goit seine Würde, aus der Abstammung aller Menschen von emmi- Menschenpaare düs gleiche, brüderliche Berhältniß der Menschen sich von selbst er-- geben. Aus solchem" Grunde erwächst die Menschenliebe, deren Verkündigung: ,.Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst," „auch den Fremden sollst du lieben, wie dich selbst," im dritten Buche MoseS zu lesen ist. ' Trotzdessen hat man dem Iudenthum die Lehre der Liebe streitig gemacht, und mit scheinbarem Recht, da allerdings die Liebe nicht Prinzip, sondern Eon-

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