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Der israelitische Lehrer · 1870-03-09 · 10 (9.3.1870) · p. Seite 74

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
10 (9.3.1870)
Date
1870-03-09
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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— 74 — Zweck. Zn der Wahl Geigers schien ein entschiedenes Vorgehen prädestinirt. Im Laufe der Verhandlungen ' machte sich ein Schwanken, ein Rückschritt ans längst überwundene Standpunkte süblbar. Was die Mab- , binerversammlung vor 2ö Jabren anorenete, wurde ignockirt, und hinter den. Beschlüssen jener zurückge- . gangen. Wenn eine Versammlung, die ibrem Ursprünge nach dieselbe Ricktung hat. immer^wieder die s Beschlüsse der vorigen ignorirt, so ist keine Entwickelung denkbar. - Darum leben wir in der Zeit der Eapitulationen, der Vertuschung unv Verkleisterung, der Rückstwten. Uns ist. solche Uueulschiedenbeit in der Seele verbaßt. Entschiedenheit und Klarheit ist , bei uns gleichbedeutend mit Offenheit und Wahrheit. Wer ein ehrlicher Manu ist, der schreibt, spricht und | handelt, wie er denkt und fühlt. Wir bleiben bei ' dieser Ansicht. Dann dürfen wir uns j e tz t nickt mebrvcrheblen.daß das theologische Element in Leipzig sich noch mcht reckt in den Begrkfs „Syuoee" hineindenken konnte, und daS Laienelement ein wenig von oben herab behandelte. Es'war dies eine naturgemäße Folge des Ursprungs der Synode, da die Radaction des tonangebenden Blattes von Anfang her ja bekanntlich entschieden gegen die Synode agilirte. Doch — wir wollen über das, was vorüber, den Schleier decken. Wir tragen in uns die Hoffnung, daß die Synode eine dauernde Institution sein werde — appeliren wir also von der ersten an die zweite und so fort! Tie Ansichten werden und -müssen stch klären; Tie Furcht vor der Orthodoxie ist eine unberechtigte; die Geualtschrilte der „Frommen" müssen enblidas Volk über seine falschen Propheten anfklären. 'Der Gemeindetag? Wir haben auch in dieser Richtung unsere Ansicht .bereits ausgesprochen. Leider scheinen fick unsere Befürchtungen zu bewahren; der Gcmeindebunr ist ein 'todtgebarenes Kind. Schade uiN den warmen Eifer seiner Gründer. Der Ausschuß war auf den l. und 2. Januar nach Leipzig berufen; es ist jedoch eigentlich nicht ein einziges Mitglied desselben erschienen.. Rur der Vorsitzende (Herr M. Kabner. in Leipzig, selbst) und ter Secretär, Herr Emil Lehxnann aus Dresden waren erschienen. Zu diesen gesellte stch noch-Herr Professor Dr. Lazarus und Herr Dr. Ludwig Philippson, ob zufällig oder als Ehrenmitglieder berufen, wissen wir nicht. Wenn Herr Tr. Ludwig Philippson in der Zeitung de« Zudenthums weit ausgedehnte Berichte über jene iVerhandlungen gibt, so wissen wir nun. was wir dapon zu Hallen haben. Der Gemeindetag hätte | eine große Zukunft Haben können, wenn er die praktischen Ziele im Auge gehabt hätte, über die wir uns früherauSgej sprechen, und auf die wir am Schluffe dieses Artikels [ zurückkcmmen werden. 9tur Eines können wir uns; nicht versagen, hier beiläufig anzudeuten. In dem oben bezeichneten Berichte über die Verhandlungen zu Leipzig am 1. und 2. Januar hat H rr Dr. Ludwig Philippson auch davon gesprochen, > daß dem Gemeindebunde „das UnterstützungS- und-Pensionswesen für die jütischen Eultusbeamten, Rabbiner, Lehrer, Dorbeter s. f. zugewiesen werden soll." Er sagt darin: „Bekannt sind die mehrfachen Versuche, Vereinskassen dafür zu bilden, die aber nach dem MaSstabe oes Bedürfnisses einen geringen Erfolg gehabt; >o ist die Rabbiner-Wittwenkafse wieder eingegangen, der gut organisirle Unterstütznngverein für Westphalen und Rbcinxrovmz ist noch nicht zu activen Leistungen herangewachse», und f. Sicher ist es, daß die Beamten aus eigenen Mitteln solche Kassen nicht erhalten können unv eigentbümlicher Weise hat sich die Wodllhällgkeit dieser doch so dringlichen Angelegenheit uoch nicht zugewandt." Wir freuen unS, hier die Befürchtungen entkräften und dem einstigen Gemcindebunde eine Aufgabe abnehmen, ja seine Intervention gänzlich ablehnen zu können. Der soeben erschienene st. Jahresbericht unserer Achawa, b« dessen Gründung Herr Dr. Ludwig Philippson in so ferne mitwirkte, als er bei der Generalversammlung zugegen war und sich an den Debatten lebhaft bctheiligte, beweist zur Genüge, daß allerdings eine Anstalt vorhanden ist, die der Aufgabe der Unterstützung und Pensionirung der Lehrer und ihrer Relikten durchaus genügt, und jetzt schon, nach kaum fünfjährigem Bestände daS leistet, waü kaum irgend eine zu Viesern Zwecke gegründete Staatsanstalt leistet. Wir werdrn auf diesen Bericht der Achawa zurückkommen, sobald wir dessen Versendung zu Ende geführt haben. Wir werden auch Herrn Dr. Philippsohn ein Exemplar zusenden. Vielleicht erinnert dann er sich doch an die Worte, die er beim Schluffe der l. Gen ralversammlnng unseres Vereins gesprochen und die wir wörtlich dem Protocoll entnehmen: „Wir haben ein Werk begründet, daß einem ernsten Bedürfnisse Rechnung trägt, und eine große Zukunft hat; ick werde dasselbe stets unterstützen, soweit eS mir möglich ist!" . . . Herr Dr. Philippson erignert stch wohl sicher dieser Worte, wenn er auch in dem cbenzenannlen Berichte die „Achawa" übergangen. Vielleicht geschah dies, weil wir unsrerseits stets für einen Verein einstehen, der in seiner Grundlage ein Werk der. Selb st hülfe des Lehrer st an des ist. Von dem Tage an, wo der jüdisch: Lehrerstand vergessen sollte, was er sich und seiner Standes-Ehre schuldig ist, wo er sich auf eine U nterstü tz u ngS - ka.sfe verlassen und stützen wollte, die nicht sein Werk ist; von dem Tage an, wo irgend eine außerhalb des Lehrerstandes stehenden Vereinigung eine Unterstützungskasse leitet, einseitig, ohne dessen Mitwirkung zn beanspruchen oder auch nur zuzugeben, hätte

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