Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 9 (2.3.1870)
- Date
- 1870-03-02
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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in Frage gestellt, sondern der Boden buchstäblich unter den Füßen wankt? Da schwindet die Sorge um die Gegenwart und um Aussuchen von Mitteln sür die finanzielle Ausbesserung der Lehrerstellen. — da tritt die Frage sür die trostlose Zukunft dcS Lehrers und seiner Familie brennend in den Vordergrund. Wo solche Elemente mit ihren zerstörenden Wirkungen wie ein corrosiveS Gift die bestehenden Verhältnisse der Auflösung entgefen führen, da stehet der Verstand stille, da wird man vergeblich nach einem Remedium suchen, um diesen elementaren Störungen einen Damm entgegen zu stellen. Bittere Enttäuschung und dumpfe Wehmuth eriüllen daö Herz des Lehrers; denn die gesetzgebenden Faktoren werden diese Frage nie und nimmer vor ihr Forum bringen, und auf die Frage tc '-,rp wird vcn keiner Seite eine Antwort ertönen. Das find in der Thal höchst trostlose Zustände; und wenn auch in Bayern, wo unsere gegenwärtig versammelten Kammern die bestehenden Beziehungen zwischen Staat und Kirche nicht geändert missen wollen, daher auch derartige Störungen nicht so leicht zu befürchten wären; so ist dennock die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß auch bei uns, wenn diese Frage in andern Staaten zum Durchbruche kommen sollte, früh oder spät dieselbe Krisis eintreren könnte. Mögen . wenigstens die jüngeren strebsamen Lehrer die Augen j öffnen, damit man ihnen nicht das fürchterliche „trox! tard“ zurufen müßte. Ergreifet einen andern Beruf,! bildet euch für andere Branchen >auS;*) es fehlt in unseren Tagen nicht an Gelegenheit. Zum Schluß möge hier ein Fingerzeig in dieser Richtung gegeben meiden. Am Sitze Ihres Berichterstatters hatte ein junger Mann ein Speccrei- und Schnittwaarengeschäft und zwar schon seil mehreren Jahren. . Derselbe machte vor einigen Monaten seine Prüfung in München für das Handelsjach, und wurde pun dieser Tage an die Gewerbschule nach N. als Handelslehrer berufen. Der Lehrer soll, so lange nock eine Hoffnung gegeben ist, nicht vom Mitleid unsrer Glaubensgenossen leben; er öffne darum die Augen und helfe sich selber. Aeltere Lehrer, die ihre Körper- und Geisteskräfte für den Dienst der Schule und der Gemeinde aufgerieben haben, wird man wohl nicht gefühllos verstoßen. Für diese Lehrerklaffe und deren Relikten wird wohk jede Gemeinde, gerne das Möglichste >hun, wenn es überhaupt soweit kommen sollte; gebe Gott, daß diese Befürchtung«» nie Thatsachen werden. ^An meine unterfränktsche College» möchte ich bei dieser Gelegenheit die Frage richten, ob wir denn nicht mit einer gemeinsamen Petition wegtn unserer Derhältniffe uns an den Landtag wenden wollen? Eine Zusammenkunft in Schweinfurt wäre zu diesem *i Nicht unsrtr persönliche Anschauung, wie bekannt. Red. Zwecke dringend geboten. Darum rasch a»'s Werk und nicht die Hände müßig gelassen. . Aus der bayr. Pfalz, 15. Februar. In Gr ü n stabt wurde am d.^Febr. die Eommunalschule er öffnet. Dem seitherigenjüdiscken Lehre Ztrauß wurde in dieser Schule eine höhere Märcbenllasse übertragenem welcher unter 70 Schülerinnen nur 6 Jüdinnen sind. Das ist eine so erfreuliche Thatsache, daß viele traurige Erfahrungen der jüngsten Feit dagegen schwinden. Wer hätte noch vor wenigen Jahren derartiges für möglich gehalten? Gott gebe, daß bald viele Gemeinden Nachfolgen. Das ist die einzige Hoffnung, die unS mit einiger Ruhe dem felbstzerfleischenten Wüthen glanbenStrruer Sonderbündler und ähnlicher Barbaren und Feinde des JudenthumS entgegen sehen läßt. Stockholm, 16. Februar. Der Reichstag nahm die Vorlage des verfassungö-Ausschusses, wonach christlichen Dissidentern unv Israeliten die Wählbarkeit zum Reichstage und das Recht zur Bekleidung alle StaatSämter, ausgenommen der Ministerposten, verliehen wird,, mit bedeutender Majorität (Oberkammer 93 gegen 18, Unterkammer 116 gegen 58),an. Die königl. Sanktion ist zweifellos^ Warschau. Rabbiner Meisels, dessen Lebensschicksale zur Zeit der polnischen Revolution so außerordentliches Aufsehen erregten, ist gestorben und wurde mit hohen Ehren, die ihm die jüdische wie christliche Bevölkerung zollten, begraben. Oesterreich. (Curiosum./Wie es scheint, hat das Bürgerministerium in Oesterreich auch ein scharfes Auge für die Mißstände im Unterrichts-Wesen und sucht deshalb vor Allein bie- Volksschule zu heben. Als Beweis mag dienen, daß von Innsbruck aus Schul- , inspektoren in die Voralbcrzischen Lande gesandt! wurden, um den Stand der dortigen Schulen zu prü- ' fcn. Lassen Sie sich nun erzählen, wie es Einem derselben in dem freundlichen Dorfe Alberschwendi (im Bregenzer-Wald) ergina. Nachdem die Dorjjugend den^richt gerade werthvollen Schatz ihrer Kenntnisse vor dem Inspektor und der Ortsschulbehörde auSgekramt Halle, äußerte sich ersterer dahin, daß die gegenwärtige Zeit mehr als die nothdürsti^e Ausbildung durch den Elementar-Unterricht verlange und daß in den Volksschulen auch Geschichte und Geographie gelehrt werden solle. In Bezug aus letzteres Fach sei ein neuer Globus anzuschaffen. Was! a nuier G l o b e! (Glauben) schrie'n die intelligenten Schulräthe— nehmet en und keiet en nuse!*) Trotz der Intervention der Orts-Geistlichen sah sich der vermeintliche ^Freimaurer" genöthigt, Fersengeld zu geben und es dem Gerichte, bei welchem er sofort *) Nehmet ihn und prügelt ihn hinaus.