Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1870-03-02 · 9 (2.3.1870) · p. Seite 67

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
9 (2.3.1870)
Date
1870-03-02
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4896751-5428708-5432099--2816-4899129
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Judenthum ben Gedanken von Gottes Macht in seiner wahren Tiefe aufgestellt habe. Nach jüdischer Lehre ist Gott ein unendlicher Geist, der neben^ seiner Macht auch die Weisheit, Allgegenwart, Ewigkeit, Alleinigkeit besitzt. Aber muß nicht der Gedanke an die unendliche Macht Gottes die Furcht erwecken und bis zu einer traurigen Höbe steigern? In der Tbat hat das Judenthum es oft hören muffen, daß sein Gott nur ein mächtiger, strenger Richter fei, der strafen könne bis ins dritte und vierte Glied: aber das landläufige Uriheil fällt sofort in Nichts zusammen, wenn man bedenkt, daß dieselbe Urkunde, die von Gott als mächtigem und strengem Richter spricht, ihn auch als die Liebe und Gnade hinstellt, die ins tausende Glied Gutes verheißt. Die viel genannte Stelle von den Strafen bis ins dritte und vierte Glied soll weiter nichts andeuten als den erhabenen Gedanken, daß der unbegrenzten Macht des Guten nur die Ohnmacht deS Bösen gegenübersteht. Das Gute ist unvergängsich, daS Böse hält sich nur eine Zeit lang. Die Geschichte hat d>eö klar bestätigt. Die NeroS und EaracallaS, was haben sie erlangt? Abscheu und Verachtung; während ein Plato, Aristoteles noch nach Jahrtausenden fort wirken. Nachdem der Redner noch auf das pädagogische Element in jener Stelle hingewiesen und den Eltern ein ernstes Wort ans Herz gelegt hatte, entwickelte er den Begriff der Gottesfurcht deS Judenthums näher, und zeigte, wie dieselbe auch die Liebe und das Vertrauen zu Gctt in sich schließe und den Menschen von jeder kleinlichen, falschen Furcht befreie. Daß dieses erhabene, in der Allmacht Gottes wurzelnde Gefühl der Gottesfurcht, welches keine Sophistik verkümmern könne, im Judenthum immer gewohnt habe, dazu gebe die Geschichte die schlagendste Beweise. Während andere Völker ihre Götter mit den Ländern wechselten, blieben die Juden ihrem Gott auch im fremden Lande treu; sie hingen an ihm in der Gefangenschaft und im Elend z,also ganz das Gegentheil von den Völkern, die Klotze Furcht mit den Göttern verband und die ihre Götter wegwarfen, wenn sie,nicht halfen,) sieblieben auch zum Theil bei der Rückkehr in der Fremde, aber ne wichen nicht, von ihrem Gott. Sie lernten ihr neues Land lieben, sie sorgten mit für das Wohl desselben; sie bekleideten die höchsten Aemter — aber sie blieben Juden. Eins nur wiesen sie zurück, die Theilnahme am Götzendienst, und so verweigerten sie z. B. dem Alexander da» Helfen am Bau des BeluStempelS. So oft sie auch ihre Herren später gewechselt haben, nie haben sie ihren Gott gewechselt. Und war es nicht ein jüdischer Sohn, welche die Altäre der Heiden stürzte und ringsum Licht*) schuf? der Gott des Judenlhums *) Sin biSchrn sehr stark! Redaktion. ist kein bloßer National- oder LandeSgott, kein Gott des ZornS, wie ihn die oberflächliche Gelehrtheit hinstellt; er ist ein Gott der Liebe, der .Vertrauen in dem Herzen seiner Bekenner in bösen und gutm Tage« erweckt. Alle- Leid habe dieses Vertrauen nicht erstickt. „Jerusalem ist verloren", habe eS geheißen; aber es sei nicht verloren gegangen; aus einer politischen Hauptstandt habe eS sich umgcwandelk in eine Hauptstadt, an welche sich Großes und Erhabenes für die Menschheit knüft. Zum Schlüße wies er Redner auf die Religionen hin, die gleichsam Töchter der jüdischen seien. Sie würden es ücher erkennen, avaS sie der Mutter zu verdanken hätten; die Mutter lebe noch und berge noch Schätze, die ihren Töchtern von Werth seien; der Mutter Leben sei wegen de» Lebens der Töchter nothwendig.*) Dieselben hätten in ihrer Kindheit Manches angenommen, was wieder abzulegen sei, was zu ihrer Mündigkeit nicht paffe. Mit einem Hinweis auf die fortschreitende Aufklärung der Menschheit hinsichtlich deS GotteSgedanken» schloß der Redner seinen höchst anregenden Vortrag. Literarisches. njn nw» erstes hebräisches no und Lesebuch für die iSrael. Jugend von Isaak Rosenmayer unter Mitwirkung von Joseph A'oai, Pest 1870. Verlag von M. E. Löwig's Sohn. Mit dem Büchlein sind ungarische Andeutungen und Uebersetzungen verbunden. Die Fibel ist gut, geht den Weg vom Einfachen zum Zusammengesetzten in strenger Folge; nur bedauern wir, daß hier abermals die Bocale s ä mmili ck den Consonanten vorausgehen. Die angehenden Uebungen sind gut und lehrreich; natürlich — da in ungarischer Sprache übersetzt auch nur für uagarische Schulen zu gebrauchen. 1. Der Elementar-Gesangunterricht Mit besonderer Berücksichtigung der 1, 2 und mehrklassigen Volksschule, verfaßt von Fr.- Wilh. Sering, Königlicher Musikdirektor und Lebrer der Musik am Seminar ' zu Barby. 3. vermehrte und verbesserte Auflage. Druck und Verlag von C. BertelSman 1868. Das Werk enthält eine vollständige Anleitung zum Ertheilen deS Gesangsunterrichtes in der Volksschule. ES ist etwas breit angelegt, und dürfte eS wohl schwer halten, dem Gesang in den meisten Volksschulen so viel Rücksicht zu schenken, als hier verlangt wird. Um das in dem Werk vorgezeichnete Zel zu erreichen, dürsten übrigens' nach unserer Aussicht drei Stunden wöchentlich, die der *) Die Auffassung deS christlichen Referenten ist hier wohl nicht ganz korrekt. Redaktion.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.