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Der israelitische Lehrer · 1870-03-02 · 9 (2.3.1870) · p. Seite 66

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
9 (2.3.1870)
Date
1870-03-02
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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— befind. Die' Tora verkäugnet nirgends dies« Grundsatz der Nächstenliebe, er spricht fich in ihren Gesetzen durchweg au». Dem Bruder und Freunde gegenüber Nächstenliebe zu gebieten, ist ohnedies überflüssig. Hier, «v Haß und Rache gegen den Feind verboten und Drrföynnng geboten ist, heißt eS: „denn lieben sollst du den Nächsten, wie Dich selbst." Da fußt daS Gebot der Feindesliebe sogar auf dem Grundsatz« b«c Nächstenliebe; da ist »Sklar, daß der F>ind sogar noch immer als der Nächste gilt. Der Zusammenhang schfießt also geradezu die Folgerung auS: den Nächsten sollst Du lieben, den Feind aber hassen, sondern den Feind sollst Du lieben, «eil auch er, nicht bin» der Freund, dein Nächster ist. Auch auf de» Viehstand deS Feindes dehnt die Tora die Feindesliebe aus (Ex, 23, 3): Wenn Du den Esel Deines Feindes unter seiner Last erliegen siehst, u. s. w. Auch die. Worte PauluS (Römer 12, 19 und 20); „Rächet euch selber nicht . * . vielmehr: wenn Dein Feind hungert u. ,s. w., find Prov. 25, 20 und 21 buchstäblich entnommen. Auch Jbri Esra faßt ronsn im gegebenen Zusammenhang richtig als Gegensatz zum Feindeshaß als Gebot der Feindesliebe auf (turn «d ■jcn P2rw.) Daß aber auch die Bruder» und Nächstenliebe nicht bloS auf den Stammes-, und Religionsgenosien sich bezieht, beweist uns die zweite Stelle, wo die Unterdrückung des Fremden — nach Abstammung und Religion verboten, das Princip der Rechtsgleichheit zwischen Eingeborenen und Fremden ausgestellt und dieS durch denselben Grundsatz der Nächstenliebe (raruvi) motivirt wird. Auch der Fremde ist Dein Nächster. Eine so universelle Anerkennung der Menschenrechte kennt daS Christenthum weder der Lehre, noch der Praxis nach. Alzey. Dr. R. Ki« Stitenüück zur jüngsten Kr Klärung des Ausdrucks liebet den Ursprung d Wortes „l'äbich“. Dieses Wort ist nicht nur bei den deutschen Israeliten, sondern fast in der ganzen zerstreuten Judenheit gang und gebe und kann schon auS diesem Grunde seinen Ursprung nicht im Deutschen haben; abgesehen davon, daß eine vulgäre Zusammenziehung von „Nie bei Guch" in „Näbich" ganz außergewöhnlich erscheint. Ich möchte vielmehr dessen Ursprung auS dem Ebräischen ableiten. Da» unregelmäßige Zeitwort (,i"v ru) .122 „weinen" oderf „trauern" wird nämlich bei der mahnenden Redeweise (Cohortativ) für die erste Person der. Mehrzahl in ->22 abgekürzt, gleichwie solche» geschieht, wenn ihm die Vorsilbe i für die Jüngstrergaigenheit (Vav «onserrativaia imperfecti) vorangeht, z. B.;bji V. Mo». 2, 1 (von .us;) indem hier dieAbkürzung in beiden Fällen meistens dieselbe ist, «eil bekanntlick die sonst durch. - die Nachsilbe n verlängerte Form wegen Zusammenfioßens zweier ruhenden EndUe nicht Platz greifen kann. Das Wörtchen Rödöcd, welches in der vulgären Aussprache — weil sein Accent auf der obern Silbe (ponnltima) steht — leichthin NfbTch lautet, bedeutet demnach: „Laßt (dies) uns beweinen" oder "betrauern* (vgl. Hz. I. Ll. 23,2.) oder „bemitleiden"; wa» dem hiermit auszudrückenden Sinn wohl entsprechen- , der ist, al»: „Nie bei Euch! vr. Hochstädter. (Verfasser dieses Artikels in der vormaligen „Laubhütte.") Dr. Koldschrnitts Sorlräge. *) in. Leipzig. In seinem 3. Vortrag ging der Redner von dem EotteSgedanken des JudenthumS aus, der in seiner Erhabenheit unaussprechlich sei, wie da» Göttliche überhaupt. Theoretische Untersuchungen über denselben hätten daher jüdische Lehrer in der Regel ausgeschlossen und sich mehr an daS Praktische deS Gottesgedankens gehalten. Auch er wolle die metaphysische Seite der Gottesidee nur vorübergehend berühren und den Schwerpunkt seiner Betrachtungen in das Ethische legen, oder in Verwendung der Attribute Gottes zu sittlichen Zwecken. Nun sei eS zwar erfreulich, daß auch andere ReligionSgenosienschaften die Attribute der Allmacht, Weisheit rc. Gottes von dem Judenthum ausgenommen hätten, aber daS Judenthum könne trotzdem seine Mission so lange nicht für gelöst betrachten, als in anderen Religionssystemen noch Elemente vorhanden wären, die mit dem reinen Gottesgedanken nicht harmoniren. Nach einem kurzem Hinweis auf die Wichtigkeit einer Untersuchung der Attribute Gottes ging der Redner zur Betrachtung der Allmacht über und zeigte zuerst, wie die Völker auf niederen Stufen trostlose Begriffe von der Macht Gottes gehabt hätten (auch die Römer und Griechen kannten ja nur Götter, die selbst unter einem Fatum standen,) und wie erst da» ,) Vergl. Nr. bl vor^.Iahrg. und Nr. 1 d. I. Wir glauben, unsere Leser werden<mit uns die Bedeutung solcher 8«rlesungen in unserer Hei« erkennen, und eS angemessen finden, wenn wir über diese in «rer Art ausgezeichnete Vorträge ganz ' ausführlich rrserire». Di« Referate sind selbst Vorlesungen» bieten Stoff zu weiteren Discusfionen und Bearbeitungen und dürstm fich selbst zu Vorlesungen in den Ehebra» eigne«. Zu «em Zwecke empfehlen «ir^tza wir nach derartig« Schriften t gefragt «erden, insbesondere in rrformgeneigtrn Gemeinden zur LufvSrung Dr. Rothschilds neueste Schrift, „der Syno- 'igalcultutwarn der wir hoffentlich bald «in« ausführliche lrernfion bringen. Red-

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