Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 8 (23.2.1870)
- Date
- 1870-02-23
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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h. die hebräischen Worte und ihre deutsche Uebersetzung, nach der Ordnung der Gebetstücke. ganz wie sie im Gebetbuche stehen. Also zuerst: Matobu, dann Jigdal, Adon Olam, Ascher Jozar, wehaarevno Jevorechcho u. s. w. Es gibt die Stammworte, setzt also voraus daß die Kinder vor dem Unterrichte! im Gebetübersetzen Grammatik treiben, »der doch die Vorsilben kennen. Ob hierzu das hebr. Lese und Sprachbuch deS geehrten Verfassers die Anleitung und , Vorbereitung bietet, wissen wir nicht. Jedenfalls ' dünkt es uns zuviel: verlangt, von einem Anfänger im Gebetübersetzen zu verlangen, daß er aus der; Wurzel nnr (sich beugen) daS Wort ja aus; pro — i'riavro sich erklären soll. Die Gebetstücke > stehen nach der Reihenfolge, wie wir bereits angedeuitt: wie ist also der Ausdruck „nach methodischer ' Stufenfolge" zu verstehn? Das Büchlein mag in einzelnen Fällen eine zweckdienliche Aushülse bieten. Au' methodische, das ist, pädagogische Anordnung hat eS keinen Anspruch zu machen. Feuilleton. Der Retter. Novelle von I. Kl. (Fortsetzung.) Ehe wir jetzt in der Erzählung der nun folzenden Ereignisse zortfahren, müssen wir auf früher Geschehenes zurückkommen, daS zu dem, was folgt, eigentlich die kaum erkennbare, doch leicht erklärliche Beranlastung bot. Mittelburg ist ein kleines Slädchen, das, ein Bild des tiefsten Friedens, in einem herrlichen, von mehreren mit Laubwäldern bedeckten hohen Bergen rinzeschlostenen Thälchen wie hingezaubert liegt.' Es ist ein prächtiges Stückchen Erde, so heimlich und ruhig, so scheinbar abgeschlossen von der ganzen übrigen Welt, daß es fast an das traute Studirzimmer eines Gelehrten erinnert, der von dem Gewühl der Welt abgeschlossen, nur der Ralur und seinen Studien leden will. So erschien auch damals diese Stadt abgeschlossen von der Welt, und so war sie auch; schön, aber eintönig, verschlossen, zurückgeblieben in der Kultur, nicht berührt von dem Lärm und dem rührigen Auisch vunz des Lebens. Rur einige Trümmer auf de» Spitzen der drei Berge scheinen zu dieser Abgeschiedenheit und Ruhe nicht ganz zu passen uod zeugen von entichwundener Pracht. Aus der Spitze des einen Berges thronte lange vor vec Zeit, von der wir sprechen, bas Kloster der Paters. Als im dreißigjährigen Kriege das Kloster von den Schweden verheert wurde, zogen sich die Paters eine Weile in andere Gegenden, kamen aber später wieder zurück und sieoelten sich im Thale an, — die Gegend mochte ihnen zu schön und ein zu ergiebiger Boden gewesen sein, um sie ganz zu verlassen. Sie wußten die schönen und — einträzlichen^Punkte zu finden, die frommen Herren. Auf der Spitze des andern benachbarten Berges war ehedem ein Nonnenkloster gewesen; es isi ja bekannt: fvo die Mönche hausen, da waren die Nonnen auch nicht ferne. Ob einzelne Bruchstücke unterirdischer Gewölbe, welche man in neuerer Zeit fand, wirklich Ueberreste eines Verbindungsweges zwischen Mönch- und Nonnenkloster waren, müssen wir natürlich ununtersucht lasten, weil wir nicht die böswilligen G wühle, welche die christlichen Glaubensgenossen über ihre der Keuschheit und Frömmigkeit sich weihenden Brsider und Schwestern verbreiten, in weitere Kreisen bringen wollest. Es soll übrigens mit den Klosterschwestern ein klägliches Ende genommen haben. Denn als die schweben in daS Kloster kamen und dort so manches fanden, waS sich nicht fromm klösterlich ausnahm da erzählten sie es unten im Thale und im Schlosse des gegenüber auf der andern Berg'pine hausenden Röter« wieder; der gelüstete nach den Gütern der frommen . Schwestern, obwohl er selbst ein gnter Katholik war. Der Ritter soll nun die übrigen Frommen gereizt und diese die argen Nonnen in Fässer mit durchgeschlagenen Nägeln gesteckt und den Berg herun^ers gerollt haben. Das ist eine allgemein bekannte, überall verbreitele Sage, Sie man sich heute noch erzählt. Solcher Art sind die mit der herrlicken Lage durchaus nicht harmonirenden Geschickten über dies Städllcheir und seine Umgehung. ES gibt überall Merkwürdiges und BemerkenSwertheS zu finden. Das war damals, zur Zeit, in der unsere Geschichle sich ereignete, Alles längst vorüber; denn piese siel vor — zur Zeit, wo Judenverfolgungen Nicht mehr so gewöhnlich waren, wie jetzt die Erdbeben und die Gewitter, sondern im Geaentheil fc^on: zu den Seltenheiten und Ausnahmen gehörten: wo i ba« Licht cer verfluchten Aufklärung bereits in v eien Geistern an jenen zarten Sitten der guten alten Zeit zu rütteln begann. Man durfte nicht mehr bannen, foltern, ersäufen und oerbrennen nach Herzenslust, zur größern Ehre Gottes; einzelne auserwählte Geister sprachen sogar schon von Gewissensfreiheit, Gleichheit der Menschen jvor Gott und dergleichen unsinnigen Dingen mehr, die jetzt leider so wohlfeil sind! wie Ziegel auf den Dächern. Aber eS waren dock! nur eben noch lehr wenige; und in dem kleinen Städtchen — in einem Bergwinkel Süddeutschlando — hätte man von dem Lufrhauch, der in andern Gegenden bereits stark fühlbar war, noch gar nichts vernehmen können, — die Berge hielten ihn ab; wenn nicht eiy Mann - uno zwar der »rste unv elnilußreichste — die vorbereitenden Zündstoffe vost feinen fernen Reiten mick gebracht hätte. Dieser eine Mann. — -- das war der