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Der israelitische Lehrer · 1870-02-23 · 8 (23.2.1870) · p. Seite 59

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
8 (23.2.1870)
Date
1870-02-23
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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— 59 — die die Beschwerden des Berufe« der Lehrer kennen, ' die ihnen gern die Sorge abnehmen möchten, die den Werth und den heilsamen Einfluß, den treue und gewissenhafte Lehrer auf die Kinder de« Volkes üben, anerkennen und ehren. Aber es sind auch immer nur noch Einzelne, die da« thun. Während zahlreiche andere Stimmen sich jetzt zu Gunsten der Lehrer erheben, finden wir dort, wo die Entscheidung liegt, nur zu oft und im günstigen Falle Theilnahmlosigkeit, ebenso oft aber noch Geringschätzung und gar Hohn. Der Grund ist: man hat Furcht! Die Schule könnte wachsen und Einfluß gewinnen, und die, welche die Zeit nicht verstehen, welche dem Volk nicht zur freien En Wickelung Raum geben wollen, weil sie fürchten, dann selbst keinen Raum mehr zu finden, haben und bewilligen Geld für Alles, nur nicht für die Sckule. Sie hemmen mit Zwang und Regeln, die in ihrer Willkür, ihrer Selbstsucht oder Beschränktheit den Ursprung haben, das gekunde Leben in der Schule und damit auch in den Familien: sie rauben den Lehren! den Aufschwung, die ideale Auffassung ihres Berufes; sie tragen die Schuld, wenn noch immer so manche Lehrer nicht von der Würde und dem Werthe ihrer Wirksamkeit ergriffen sind und den Gegnern Gelegenheit geben, in einzelnen beklagenSwerthen Ereignissen Grund zu finden znr Verunglimpfung des ganzen Standes. ' j Da ist es wieder die G:duld allein, die den Lehj rer auf der erkämpften Höhe erhält, das glaubenS- \ volle Hoffen» daß feine Arbeit doch ihren Segen habe, > wenn auck Mißachtung und Vergeffcn sein Lohn ist. Schon sicht er die Vcrzeicken einer besseren Zeit. Ueberall kommt das Volk selbst zur Besinnung über seine höchsten Interessen, und die schmachvoll vergessene Schule und auch insbesondere die Volksschule und mit ihr alles, was das Leben veredeln kann, wird in den Bcrathungen der Nation von Jahr zu Jahr mehr vorantrrten, und auch dem Lehrer wird seine Stellung in der Gesellschaft nicht mehr, wie jetzt so oft, die Begeisterung seiner Jugend rauben. Er wird nicht mit der Geduld des . stumpfen Sclaven sein Werk treiben, sondern aus klarer Erkenntniß und vollem : Verständniß seiner Aufgabe täglich neue Kraft und , Freude an seiner Arbeit schöpfen und sich daS kostbare Gut unversehrt bewahren, die ideale Auffas- > ung seines Berufes, die der Schmuck des jungen Lehrers ist und dem grauen Haupte noch in Wort und Thot die jugendliche Frische erhält. Harre aus! das fei fortan der Gruß des Lebrecks an betL-, Lehrer. » | (Hamb. Schlb., -Th. H.) j Wochenberickt. Norddeutfcbland. In vielen Blättzrn wurde in alarmirender Weife die Nachricht verbreitet, neuer» Bestimmungen zufolge sollten in Rußland die Juden bis zu ihrem 31. Lebensjahre recrutirungSpfl-cktig sein. Die Meldung erweist sich, wie jetzt ofsiciöse Blälter melden, als eine (Erfindung. Tbatsächlich werden ins Betreff der Militärpflicht den Juden in Rußland größere Begünstigungen gewährt, al« den Christen. Sie sind zum Zweck der Recrutirung in Gemeinden von je 1000 Seelen gerbeilt. Jeder Bruchtbcil einer Recrutenstellung, welcher auf eine Gemeind« fällt, kann mit Geld abgelöst werden. Die in einem Bezirk bis zu 100 Werst von der östercickifchen und preußischen Grenze wohnhaften Juden haben - as Recht, > falls sie nicht mit ihren Abgaben im Rückstano sind, sich von der Recrutirung loszukaufen. Derjenige, welchen daS LooS trifft, kann einen Ersatzmann stellen, , der im stehenden Heere mit 200, der in der Reservemit 10O Rubeln jährlich zu bezahlen ist. Gewinnt er in seiner Gemeinde selbst einen Ersatzmann, so i bleibt es ihm überlassen, sich mit demselben privatim>■ über die Entschädigungssumme zu verständigen. Außerdem sind alle Ackerbau treibenden Juden für eine Reihe von Jahren gänzlich von der Recrutirung befreit. Ueberhaupt thut da« Gouvernement sehr viel» um die Läge der Juden zu verbessern. Diejenigen, weiche Gymnasien und Universitäten besucht haben, können in den Staatsdienst eintreten, rsp. sich als Aerzte oder Apvthecker etabliren. Von Staatswegen sind schon längere Zeit 24,000 Rubeln jährlich zu Freitischen für jüd. Studenten auSgesetzt. Der vollen Emancipationder Juden widersetzen sich am meisten Fanatiker au« ihrer eigenen Milte. (Die Berichte anderer Blätter über die obige Maßnahmen sind aber dock zu bestimmt. Wir müssen Näheres abwarren, das uns wohl die Leitungen nächstens bringen werden. Red.) Lübbecke (Westphalen,) 10. Februar—In der jüdischen Religions-Elementarschule daS Verständniß des Pentateuchs, wenigstens der wesentlichsten Thrile desselben in der Urspracke zu vermitteln, ist eine unabweiSliche Forderung, welcher aber, bei den wenigen Stunden, die in der Regel diesem Unterricktsgegenstande zugemessen sind, nur unvollständig genügt wird. Man fängt herkömmlicher Weise mit der Uebersetzung des Pentateuchs gewöhnlich sckon bei dem 7 bis 8jährigen Kinde an, was nach nnferm Dafürhaltenauch keineswegs zu tadeln ist. Es ist überhaupt naturgemäß, daß dem Kinde der Sprachschatz nicht vorherrschend in einzelnen Vokabeln, sondern in zusammenhängendem Gedankenausdruck, also in Sätzen zu-

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