Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 7 (16.2.1870)
- Date
- 1870-02-16
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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deutschen Pädagogen, dem edelsten Freunde der Lehrer und des Volkes, dem Märtyrer seiner Ueberzeugungen, wiederherftellen zu lassen. Wenn diese Sammlung eine öffentliche werden sollte, so werden wir unsererseits eine Betheiligung in diesen Blättern in Anregung bringen, obwohl wir ursprünglich, jüdischer Denkungsart entsprechend, gegen ein solches Denkmal waren. Worms» 10, Febr. Das Eomitc zur Unterstützung der nothleidenden Israeliten in Westrnßland ' hat eben seinen Rechenschaf^bericht beendig!, über die Sammlungen, welche in Fökge der beiden im vorigen Jahre erlassenen Aufrufe erfolg! sine. Hiernach beziffern sich die Einnahmen im Ganzen aus fl. 2ff78. 7 kr., von dieser Summe käme» ans Worms selvft über 800 fl., das Uebrige von verschiedenen kleineren Gemeinden. Der noch bestehende Nestbetrag von sl. 88. der Sammlung ist.der Alliance isr. universelle überwiesen worden, welche sich neben ihren sonstigen rübmlichen Bestrebungen auch die dankenSwerthe Aufgabe gesetzt, dem Rotbstande ihrer Brüder dauernd abzuhelfen. DaS hilfScomite mahnt schließlich zum Beitritt zur Alliance, dessen Zweigverein " in Worms bereits über 100 Mitglieder zählt. Mannheim. Das 11. und 12. Heft von Stein's „Schritt des Lebens" ist versandt worden. Sie sprechen von Unsterblichkeit der Seele und Auferstehung des Leibes. Tauber-BifchofSheim im Rov. Wen» man aus den wenigen Berichten, die Zhr geschätztes Blart a»S unferm liberalen Baden über jüdische Verhältnisse bringt, schließen würde, bei uns sei alles in schönster Weise geordnet, so dürfte cm solcher Schluß von der Wirklichkeit leider nur zu sehr Lügen gestraft werden. Das neue Schulgesetz, die vollständige Trennung der Kirch: vom Staate, in Folge eesirn der Mangel staatstcher Unterstützung, die Frei -ügigleir, welche die Auflösung vieler Hauptshule», die Auslösung alter Gemeinden und die Neubildung anderer hervorgebracht, Mangel an geeigneten Lehrkräften, das find die unfertigen Zustände der basischen Foraeliten, Zustände, in welche Ordnung, und Harmonie zu bringe», eine schwierige Ausgabe bleibt. Zu diesen mehr äußern, durch die Macht der L-erhältnisse hcroorgerufenen Zuständen, kommen noch Ibeils durch sie, theilS durch tieferliezcude Ursachen nrrhwendig resnlrirende Folge,!, wir Gleichgültigkeit und erkalteter Sinn für das Religiöse einerseits, Gewobnheitssrömmigkeit, ohne höheren geistigen Gcvankrninhalt, vertrocknete Aenßerlichkeit ohne innern Gerast, verknöcherte Formbeobachtnng ohne jeglichen Herzensanrbeit andrerseits, als Ausdruck der Gesinnung unserer Generarion, wenigstens eines sehr großen TbeilS derselben. Wo ist Heilung? Wo der Mann, der diesem siechenden Körper frisches Leben , einhauchte? Wo die Mittel, um die für Religion Gleichgültigen oder Erkalteten, oder die der gedankenlosen Gewohnheit angehörende Masse in Fluß zü' bringen? DaS religiöse Leben, zumal auf dem Lande, muß durch Mangel an religiöser Belehrung, durch die Unmöglichkeit, Religionslehrer anzustellen, immer mehr und mehr schwinden. DaS, was das lebendige Wort ersetzen könnte, die Lectüre religiöser Schriften, ist ein unbekanntes Etwas. Niemand fühlt das Bedürfnis, auf diese Weise sich über seinen Glauben, über den Lchrinbalt des Judenthums Aufklärung zu verschaffe». Wer lieft Werke religiösen Inhalts? Wer iübl! ficb gedrungen, jüdische ErbauungSbücher sich zu verschaffen? Wie soll Begeisterung herrschen, für ein? Lehre, die man nicht kennt? Gibt es ja Bczirksälteste bei uns, die zwei oder drei Rabbinate zusammenschmelzen möchten, und zwar aus pekuniären Rücksichten, Bezirksälteste, die sich orthodox nennen und als solche gelten wollen; das Merkwürdigste und man darf sagen daS Unsinnigste dabei ist, daß nach unserem rationellen WahlmodnS diese Herren das Privilegium haben lebenslängliche Auserkorene des Bezirks z» '.'in, und so in ibrem Amt weiter : verbleiben, setost wenn ste nicht mehr das Vertrauen * ihrer Wähler besitzen! Sie, die berufen und, der! Religion eine Stütze zu sein, arbeiten aui diese Weise dem JnkisserentismuS in die Hände? Wahrlich, cs : scheint, als ob bisse Herren nur darin ihre Aufgabe! suchen, den Räthen Rechabeains gleich, nur in umgekehrter Absicht, dem Volke die Abgabrnlast zu erleichtern. Ein eclataincs Zestpiel dieser löblichen Absicht haben manche dieser Bezirksältesten bei der, vom Oberrath anSgegnnge'nen, Anregung hinsichtlich der Gebalrserböhung oer Religionslehrer gegeben, indem ' sie in ibrem dagegen sich aussprechenden Berichte die U-bectailnng der Gemeinden vorschützten, um ihre böswilligen Gesinnungen gegen die Lebrer nicht allzu grell hcrvorlreten z.i lassen. Unter diesen daS religiöse Leben gefährden"en Verhältnisse': bleibt de:': Oberrath kein anderer Ausweg, als eine LandeS- Zynooe zn berufen, auf welcher dieser irostlosc Zustand zur Sprache gebracht, die Schäden aufgedeckt : und Wege gefunden werden müssen, um dem immer j größer werdenden Verderbniß entzezenziurcten. Das > Gehenlassen hilft nichts; es gilt dem immer mebr um > sich greifenden Beinfraß mit den geeigneten Mitteln! zu begegnen. Vielleicht, — denn ein leiser Zweifel am! Gelingen ist nur zu sehr berechtigt - vielleichl wird dieser Zusammentritt der bedeutendsten Männer wieder die Masse ausrütteln: vielleicht wird dadurch das i Volk ans feiner Lethargie gerissen; vielleicht einige Theilnahme an der heiligen Sache wachgerufen; Kämpfe werden, da die Schattirunzen religiöser Mei-