Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 7 (16.2.1870)
- Date
- 1870-02-16
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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50 — Lehrform oder Lehrmethode beeinträchtigt und erschüttert werden. Ueberall fordert-die Religion Israels das Nachdenken heraus. Orthodoxe ebensowohl als Männer des Fortschritts stimmen in der Ansicht überein, daß die naturgemäßeste Unterrichtsmethode in jeder DiSciplin, also auch in der Rcl'gicnSlehre, die beste fei, und daß dmch allen und jeden Unterricht die vernünftige Erkenntniß gefördert werden müsse. Wir wären somit an den Schluß der «ätze angelaagt, die wix besprechen wollten. Was stellt sich für uns als Resultat heraus? Welchen Zweck hatten wir bei der Besprechung im Auge? Wir beabsichtigten, zu ecnstatiren, daß es 1. ebenso vergebliche Mühe ist, daS Christenlhum. wie es jetzt besieht, wie eS vom großen Theile feiner treuen Bekenner verstanden sind gelehrt wird, und wie es endlich von den staatlich bestellten Religirnobebörden befohlen wird — mit den Grundsätzen der Kultur, der Humanität,' Vernunft und Wissenschaft unserer Zeit z» vereinigen, oder gar zu idrntificiren als es 2, ein erhabener Vorzug des JudenthumS ist, eine unleugbare historische Entwicklung seiner Grundsätze, Lehren und Gebete Nachweisen zu ckönnen. Wie der Mosaitmus bei seiner Entstehurg schon die höchsten Lehren der Weisheit und Tugend auSsprach — wenn auch in einem Gepeande, das der damaligen Zeit angepaßt war und 'naturgemäß jener Zeit und jener Generation, ihrem Denken und Fühlen entsprechen mußte, — so hat das Judcnthum mit der Geschichte stets gleichen Ccbritt gehalten. Wenn auch in dieser bistorischen Entwicklung einzelne, aus den äußeren Verhältnissen erklärliche dunkle Punkte, Perioden deS Stillstands und des Rückschritts unebleugbar sind, so hat dasselbe dock iij anderen großenZeiten, Zeiten des Lichts und des Fortschritts, mit großen Schritten die Cnkiur der Zeit wieder eingeholt und ist zu allen Zeiten besonders in der allgemeinen religiösen Kultur weit voraus gewesen gegen die Kulturvölker, unter denen «S wohnte, die an seinen Geisteserrungenschaften zehrten und sich durch die Bibel und die jüdischen ReligicnSquellen, durch die mosaischen Lehren der Sittlichkeit und Humanität empcrhoben. Heute, wo, wie nie vorher, die Cultur der Menschheit fortgeschritten ist, wo die Wisienschast frei und die religiösen Fragen wie alle anderen von allen Seiten beleuchtet werden, wo, was nicht geleugnet werden kann, vielfach Kampf zwischen Wissenschaft und Religion herrsch^ ist es Pflicht der Juden, ebensowohl diese Wahrheiten im Judenthum selbst nachzuweisen, als zu constatiren, daß den Juden weder Gesetz noch Lehre zurückhält, .an allen Errungenschaften unserer Zeit, an allen unleugbaren Resultaten der wissenschaftlichen Erkenntniß innigen Antheil zu nehmen, ohne dem Iudrnthume untreu zu werden. ES erscheint aber auch als Pflicht, gegenüber den Verunstaltungen, welche des Zudenthum in der christlichen Literatur zu erdulden hat, und welche eine andere Form deS uralten Judenhasses — vulgo Rischus — sind, was insbesondere in unserem gesegneten Deutschland stet» in üppiger Blüthe stand, die Reinheit und Lauterkeit deS JudentbnmS und seiner Lehre immer wieder ans Licht zu stellen Wir wollten Nachweises und müssen ste:S wiederholen, daß nicht, wie vielfach behauptet wird, das Unnatürliche und Unvernünslige, Eulrurwidrige und der Wissenschaft widersprechende in den Lehren und Satzungen des Cbristenthums, was von den Männern der Zeit vielfach angescchren und bekämpft wird, Erbschaft des Mosaismus ist, während alles Schön» und Edle, das die Gegenwart anerkennt, erst durch das Christenlhum entstanden oder dem griechischen Humanismus entstammend mir dem Christenlhum sich identifirirt bat, sondern, daß im Gegentheil alles Große und Erhabene, was die Religion erzeugt und entwickelt bat im Menschen, die Lehren der Sittlich keil und Menschenliebe, dem MosaiSmuS von jeher eigc n waren, und aus diesem ins Christenthum übergingen; daß die Auswüchse deS Ehristenthums Folgen seiner historischen Entwicklung sind, welche sich daraus mit Naturnothwendigkeit ergeh, » haben, daß sich das Christenthum dem Heidenthum anbequemte, dies oft mit Feuer und Schwert für sich zu erobern strebte und darum bei seinen neuen Bekennern nicht auf Durchdringung seines geistigen. Inhalts, nickt auf Befolgung seiner äußerlich nicht erkennbaren Gebote der Sittlichkeit und Humanität, sondern auf bloS äußerliche Annahme drang — ein Mißstand, der demselben heute noch anhängt und wohl noch lange anhängen wird. Das Judenthum, ferne allem Prvselitismus, will erkannt und nicht blcs durch einige äu ß erliche Satzungen angenommen sein; eS muß geübt, erforscht, verstanden werden von allen seinen Bekennern — nicht bloS von auserwählten Priestern, — durchs ganze Leben hindurch. DaS Judenthum ist die Religion der Gegenwart, - die von den Errungenschäften der Wissenschaft nichts zu fürchten hat, mit allen auf Wahrheiten und sittlicher Grundlage sich entwickelnden Eroberungen dcr Cultur gleichen Schritt halten und diese sich identisiciren kann. Wochenbericht. tvber-Ingelheim» 9. Febr. Die Cslossalbüste DiesterwegS auf feinem Grabe ist von Frevlcrhänden zerstört worden! Man sollte eine solche cannibalische Handlung kaum für möglich halten! — Die Freunde deS Verstorbenen haben eine Sammlung veranstaltet, um dieses Denkmal für den größten