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Der israelitische Lehrer · 1870-02-09 · 6 (9.2.1870) · p. Seite 46

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
6 (9.2.1870)
Date
1870-02-09
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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Ly«k. Ter Verein „Mekize Nirdamim" veröffentlicht durch seinen Geschäftsführer, Herrn Rabbiner Silbermann und dessen Zeitschrift „Hamagid" den letzten, drittjährigen Rechenschaftsbericht, welcher mit einer Cinnabme von 2939 Thlr. 4 Sgr. und einer Ausgabe von 2968 Thlr. 14 Sgr. 6 Pfg., also mit einem Deficit von 29 Thlr. "IO Sgr. 6 Pfg. abschließt. Zn eisernen' Fonds ruhen nur 423 Thlr. 15 Sgr. Es sind dies 'schlechte Resultate, welche die Abnahme von Pflegern, freunden undFörderern der jüdischen Wissenschaft immerdeutlicher ins Licht stellen mit immer fühlbarer macken. Und doch sind diese Resultate noch erfreulich im 'Vergleich zu denen-des Philippson'schen Instituts, welches nur Werke in deutscher Sprache und meist Werke populären Inhalts edirt, während die Werke des Vereins M. N. rein wissenschaftlich und in hebräischer Sprache abgesagt und. Man erkennt bieran, daß die Gelehrten auch vorzüglich die Förderer der Wissenschaft find, nicht aber das sogegenannre reiche und gebildete Publikum. Ieugniß dafür ist auch die Geringfügigkeit des eisernen,Fonds Für den nächsten Jahrgang find in Aussicht genommen I. Pachav Jizckak, Forts. von Lit. Alepb und ferner Lit. Phe. vollständig 2. Imre Schefer von H. Weßelv, Forts. 3. Dialog des R. Iehuda del Medigo Sohnes von Ton Isaak -Abravanel. Die Herausgabe noch anderer Werke' hängt von der Gunst der Verhältnisse ab. Wir empfehlen den Anschluß an den Verein und die Unterstützung desselben, insbesondere auch die Mrbruna des eisernen Fonds auf's Angelegentlichste. Die Mitgliedschaft wie das Anrechl auf 1 Eremplar der edinen Werke wird iür jeden Jahrgang mir 2 Tblr-. Preuß. oder 3 Gulden 30 Kreuzer rheinisch erworben. Breslau. Dr. H. Grän ist vom Königvon Preußen zum Professor rer vbilosopbischen Farultät in Breslau soeben ernannt worden. Es ist dies nun der dritte jüdische Professor an der Universität zu Breslau, während das dortige großartige Bürqerschulgebäudenoch immer nicht eröffnet werden kann, weil die Regierung . aus die Forderung des Magistrats und cer Bürgerschaft, eiuc conseifionolose Schule zu errichten, oder doch Lehrer aller Eoniejiicnen anzustel- , len, nicht eingebt. Bemerkrnswertb dürste allerdings noch sein, daß drei der jüdischen Professoren Preußen'» i - Dr. LazaruS, tflrätz und LernanS auch zum! Iudenthume ausgeprägte' entschiedene Stellungen ein-! nehmen und fromm-r Juden im vollen Sinne des [ Wortes genannt werden wollen und können. Berliu, 24. Januar Geiger bar also-seine : Antrittsrede in Berlin gehalten. Wir sprechen nicht! über die Bl urtheilstng dieser Rede; aber über Anderes werden Sie mir wobl zu sprechen erlauben: darüber, 1 daß leider in Bezug am den Ebarakterder Männer, I die zu den hervorragensten Stellungen im Judenthum berufen sind, die Grundsätze etwas laxer Natur find auf der einen wie auf der anderen Seite. Daß Geiger mit dem Vorstände der israelitischen Religionsgemeinde zu Frankfurt wegen Ueberuabme des dortigen Rabbinats unterhandelte, während er seinen alten Freund abmahnrnde und irreleitende Briese zusendete, ist unbestreitbar,- daß er sogar Stein noch schrieb, als er sein Jawort schon gegeben barte, ist ebenso weltbekannt. W'e ein solches Thun mit den seiten Grundsätzen und der strengen Sittlichkeit, eie wir von einen, Rabbiner fordern müssen, der aus dem freireligiösen Skandtvunkt steht, harniouirt, vermögen mir nickt zu entscheide!.. Es mag einem orlhodcren Räbbink. begehen : er findet sich mit seine.» Gewissen am anderer Weise ab: aber ein Geiger, nack dessen Ueberzeuguna Religic'ität eben nur vorzüglich moralischer und ftr'ich goltcSfnrchliger Wandel ist — und Bruch der Freundestreue, wenn nicht iiock mehr? — Al» man Geiger »ach seinem Einzuge in Frankfurt - ein Festesten gab, sprach er : er habe; sich immer nack seiner Vaterstadt zurückgesehnt — mm habe er dies sein Iiel erreicht. Und jeyt wandert er sckon wieder? Haben fich die Berliner nicht gefragt, ob es eines sollen Mannes würdig ist, so oft zu wandern, da doch seine Stellung wohl in Breslau wie in Frankfurt einträglich, achtungS- und ehrenvoll war; und ob nicht auch liefere Motive zu wandern nöthigen. Die Wahrheit ist, daß Geiger'S Stellung in Frankfurt eine sehr unangenehme war, weil er als Prediger, als Leiser des Gottesdienstes nicht das ist, was Stein war, der auck deute noch das Synagcgenpublikum iür sich bat, dessen von wahrhaft religiösem Gefühle zeugende Predigten von einem Geiger eben nickt erreicht werken konnten. Als in Leipzig bei der Synode Geiger in seiner Antrittsrede als 2. Präfidenk sagte: „man hat mich wohl gewählt, weil ick ein iebr ehrlicher, redlicher Mann bin, und daß ich dies bin, wird mir wohl ein Jeder bezeugen:^ da mockre Manchem oaS Thun gegen Stein eingefallen fein, und mit einem Fragezeichen mochte man fich geantwortet haben: „Wer's ist, wer ein un-, beanstandeter redlicher Charakter ist, hat der's nöibig, fick selbst als solchen zu declarrren?" — Stein in.Frankfurt, diese vorzügliche rednerische Kraft, wie wir vielleicht keine zweite in Deutschland haben, steht bei allem diesem wie ein Fels im Meere, wie ein unantastbarer Charakter da; Ein solcher Charakter mag jetzt vielleicht Vielen unklug erscheinen; aber sein Ruhm als der edelste und klarste Reformjünger der Gegenwart wird desto Heller in der Nachwelt erglänzen. Und was er den Frankfurtern trotz seiner mancherlei aus feinem Charakter entstammenden Irrungen mit dem Vorstand war. wird diesen kein nachfolgender Rabbiner

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