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Der israelitische Lehrer · 1870-02-09 · 6 (9.2.1870) · p. Seite 47

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
6 (9.2.1870)
Date
1870-02-09
Page
Seite 47 (sequence 7)
Language
German
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47 — »ttcär., wenn auch jetzt eie Probepredigten öett stark im Zuge sind, und jetzt — die Sacklache bat sich leider natürlich geändert, —; mitunter unsere denen Rabbiner sich dört Kören lassen. Nachrmf. (Unlieb verspätet). Am Sonntag den f*. Januar letztbin wurde;u Tewedbeim in. der bavr.-Rbeinpial; ein Mann zu Htrabe getragen, welcher wegen der Lauterkeit seiner tiseiinnung. der Gediegenbeit seines Charakters, und seine» biedern Wesen» im geselligen Umgänge, daselbst in sedr boker Achtung stand und dessen Namen auch in weitern Kreisen genannt zu werden verdiente. Dem i»r Lebrer David »t o h n wurde da» letzte Ebrengeteii gegeben. Cinenbera-i» zahlreiche Menge au» allen Ständen batten sich — dem Iuge anschliesrend — aus dem Friedbore eingesunden. Der Herr Bezirksrabbiner Kvd die Verdienste de» Verblichenen, der fast ,'V Iabre in erwähnter t^ameindc segensreich gewirkt, in geeigneter Weise Kervvr. Eine Sckaar treuer Berussgenosien gab durch den würdigen Bortrag erhebender Trauergrsänge am Hauie wie am t^rabe — der ernsten Stimmung einen feierlicke» Ausdruck. Der Entschlafene — ged. zu Main Bernbeim in Unterfranken — zählte 72 Iabre. Cr hinterläszt eine Gattin und eine Tockter, welche von dem Kerben Verluste nm io schmerzlicher ergrissen sind, als dtirch den Heimgang de» Verewigten ein sehr schöne» Bant des innigsten und reinsten .Familienleben» Kienieden für inimer gelöst ivaroe. Die Lebrer verlieren in ihm einen treuen College». einen warmen Freund tind einen erfahrenen Rathgeber. Sett einem Jahre kaum in den zeitlichen Ruhestand gesetzt, genießt-der Selige nun schon der ewigen Rübe. Möge die Erbe ihm leicht unk sein Andenken gesegnet sein! (Auch wir bedauern den Hinganz de» biederen Mannes, der an allem lauten — er war beispielweise ein eitriges Mitglied der Achawa — den regsten Antbeil nahm. Redaktion). Feuilleton. Per Reiter. Novelle von I. Äi. , ssortsettung.t „Ich faß noch lange bei der Freundin," erzählte Sara weiter, „wir sprachen von den vergangenen glücklichen Tagen, - von der heiteren Jugendzeit, wo die Sonne stets warm und unumwölkt erscheint, wo sas Herz stet« froh und nicht» weiß von den Unterschieden rmd Zwangsanstalten, die da» Leben errichtet, um den Menschen vom Menschen zu kennen. Alle;ene kleinen Freuden, die da» Beisammenleben in einer Straße un» gebracht: alle jene Züge der Tbe-lnabme, wie wir unsere. Feundschast uns gegenseitig ostcnbarren und erstaunten und un» um so mebr ewige Freundschaft schwuren, , als uns zum erstenmale das Berständniß für da» ' ausging, was uns trennte. Aber je länger wir saßen, desto schwerer wurde es mir uin das Herz und endlich, als Louise kam, fand ich keine Rübe mebr Ich mußte fort, sbinaus unterm'- ireien Himmel, heim zu Dir, um Dir Nachricht zu geben von den Gefahren, die Dir und unserer Gemeinde und mir bevorftebn. Ich nahm Abschied von der kranten^reundin ' ack, ne ist io sebr krank, oer Tod scheint ibr so nahe zu sein nnt ist doch voller Liebe für m'ck und ging gedankenvoll meiner Wege durch dieselben Straßen, die ich immer gebe. Ich vergaß die Gefabr. der ich mich auasetzte — denn ich mußte so vor der Kirche vorüber, durch den dichten Menschmbaufcn, der sich mitten in der Kircheuslraße angcsammelt batte und die ganze Breite derselben Straße erfüllte. Aus einmal ständ ich mitten in einem Haufen, Todesstille herrschte, man körte vo» der Kirche her een Pater Anton — er sprach aufreizende Worte gegen uns, untere Glaubensgenossen, uuier^Esemeinde, er forderte zur Rache auf. Rach ibm kam ein anderer, junger Priester, der mir unbekannt ist und sprach in derselben Weise den fürchterlichsten Verdacht aus . gegen die Juden; feine Worte schienen die Einbildungskraft' der Anwesenden noch zu erhitzen — dann aus einmal wurde eine Stimme laut; ich bab nicht gekört, kväs gesprochen wurde, eö schien mir, als schrie eines Mutter nach ihrem Kinde — aber im gleichen Augenblicke wurde e» auch neben mir laut; eine Stimme rief: eine Jüdin, eine Jüdin unter uns! — diese Stimme, ne war mir so bekannt, nnd ich kann mich dock nicht mebr erinnern, wie so; es schien mir, als sei's eine Stimme, die' ich täglich fair stündlich vernehme — doch ich kann mich nicht entsinnen. Es enstano ein fürchterliches Gedränge in meiner Näbe, Fäuste ballten sich. Wo, wo, schrie es. Im gleichen Augenblicke aber zog eine der geballten Fäuste, i statt mich zu treffen, die Kapuye über mein Gesicht, > ergriff mich mit fast üb'rmensch sicher Kraft und entriß mich aus dem umgebenden Gedränge — der Knäuel : öffnete und schloß sich wieder, inan suchte nach mir, man schrie noch „eine Jüdin"; während die starke Hand mich schon bis in die nächste Straße gebracht batte. Es war ein Pater — das sab rck und ich erkannte in ibm ein Gesicht, das mir wohlbekannt schien, «bwol ick es noch nie gesehen zu haben inich erinnere. Er trug mich mehr als er mich fübrte vurck einige j Seitenstraßen, ohne baß ich auch nur Kraft fand,! ihm zu wiederstehen oder ein Wort zu sprechen; erst! nach einiger Zeit fragte er mich nach unserer Woh» *

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