Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 4 (26.1.1870)
- Date
- 1870-01-26
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4896751-5428708-5432089--2774-4899092- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 30 fanden seine journalistischen Erzeugnisse den größten Beifall. In,den 60er Jahren war Ormody eifriger Mitarbeiter des Magyar Jsraelite und lieferte ganz besondeS Gedichte religiösen Inhaltes. Möge beiden Edlen die Erde leicht sein! Oberlehrer I. I. Rosenmeyer. Berlin, im Januar. „Nicht erhebliche", wie Herr v. Müller meint „sondern bei Weiten, nicht genügende Zugeständnisse sind tem Selbstverwollungsrecht der Communen in dessen neuen Unterrichtsgesttzeni- .wurf gemacht", äußerte ick in meiner jüngsten Eerresspondenz (über „die Frotnmen in Lande," Nr. fiO v Jhrg.) und schon jetzt bin ick im Stande, für diesen meinen Ausspruch eine mehr'als genügende,, da jenen noch weit überbietende Bestätigung, von höchst kompetenter Seite bezubringrn Nach einer Mittheilung der „Posen er Zeitung" baben mämljch Magistrat und Stadkverordnete daselbst, eine'.Petition in Sache:: des Nnterrichtsgesetzes verfaßt/ dieselbe mit einem moüvirenden Anschreiben auch au. andere Communen versandt, und heißt es in letzterem: „Pie vielen und großen Bedenken, zu welchen der dem Hause der Abgeordneten : zur Beratbung vorliegende Entwurf eines Unterrichtsgesetzes Veranlassung gibt, die Nachkbeile und Gefahren, welche bei einer nicht wesentlich veränderten 'Annahme des Entwurfs dem Schulwesen,.namentlich der Städte und besonders der größer.en Städte drohen, die völlige Jgnorirung der Wünsche, welche im Einverständniß mit uns von einer großen Anzahl Städten der Monarchie im vorigen Jahre durch Petitionen an den Landtag Ausdruk gegeben word«n * > haben uns die Pflicht auferlegt, jetzt wiederum unsere Gesichtspunkte und Anträge in einer Petition zusammen zu fassen und dem Haute der Abgeorcneten zur Erwägung vorzulegen." Die Petiriou selbst schildert sehr eingehend die Grundfehler des Entwurfs. welche in den durch und durch unrschiigen, 'dem Wesen und der Wirklichkeit wide, sprechenden Vorstellungen lägen, die der Gesetzentwurf sich von der Volksschule mache.**) Daraus entstehe ein Zustand der Dinge, in welchem die Kirche nur Rechte aber keine Pflichten, der Staat Rechte und wenige unhedeurende, last nur subsidiäre Pflichten, die Gemeinde dagegen nur Pflichten und Lasten und keine oder nur ganz unwesentliche Rechte zugeiheilt erhalte. „Aus diesem Chaos", fübrt die Petition weiter aus, „gibt es nur Ei..en Ausweg, der Gesetzgeber muß den Muth haben, das Schulwesen, soweit es nicht Universitäten und höhere Ttaaisschulen *) Im Ar. 8 und 9 vorigem Jahrgangs des Isral. Lehrers theilte Einsender die von Posen, Naumburg und Duisburg ausgegangenen diesbezüglichen Petitionen mir. **) Sollte man glauben, daß dies mit Recht von einem Minister des Unterrichts, und zwar des die Hegemonie! in Deutschland rührenden Staates gesagt werden könne? , | betrifft, ganz und voll in den Boden zu setzen, welchem; es ganz und voll angehört, und welchem es nur hierachische und büreaukratiscke Prätensioncn künstlich; und nicht verfassungsmäßig bisher entrückt baben. * Die Volksschule nennt sich nur, was sie ist: die Schule . tes Volks, die Schule der bürgerlichen Gemcmde; sie muß daher auch ein Theil, einFweig dcr Verwa'iung dieser bürgerlichen Gemeind-' sein, sie muß eine Anstalt der Gemeinde sein, muß von den Organen oer- . selben genau, umfaßend nur selbständig geleitet und ■ verwalte' lrrr'rcn, wie alle üb '.re:. Tbeile des gem :ne- > lichen Verw.rltungökrciseS. Mit einem Wort: Di»- j. bürgerliche (Gemeinde ist die l'-igethümerin der VoikS- > schule: man gebe ihr die Neckte und die Pflichten d->? Eigenkbümers an seinem Egentbum, man weise die Volksschule in die Selbstverwa'tungsiphäre der bür- : gerlicken Gemeinde, und man wird ein einheitliches, in fick und durch sich gesickertes und gefestigtes Werk geschasst» haben." — Daß dieser Petition eine große Anzahl vrn BeilrittSerklärnngen Seitens der Stadtbebörden andrer Communen nicht fehlen werde, dafür bürgt die allgemein verbreitete Stimmung des Volkes im Preußenlande, wovon eine (ebenfalls von Osten kommende) Mittheilung' einen eclatanten Erweis liefert. Aus rem Marsinwerder- Stubmer Wahlkreise wird nämlich gemeldet, dort werde eine Petition an's 'Abgeordnetenhaus colportirt, dahingehend, daß dies in einer an den König zu richtenden Adresse die dringende Bitte um Entlassung des CultuSministers aussprechen möge. Obwohl nur ganz unabhängige und intelligente Personen (also «ine doppelte Einschränkung!) zur Unterzeichnung veranlaßt würden, sei die Zahl der Unterschriften doch eine erhebliche und in stetem Wachsen begriffene. Ob daS Abgeordnetenhaus dieser Petition, die von dessen rechter Seite jedenfalls als ein Eingriff in' die Prärogative der Krone perhorrescirt werden wird, zu entsprechen 'für angemessen erachten und ob, wenn dieö auch der Fall, an höchster Stelle derselben Gewährung zu Theil werden würde, müssen wir freilich dahingestellt sein lassen; Eins steht aber zwe'ffellos fest — unsere Nachbarstaaten in Ost und West liefern gegenwärtig die schlagendsten Beweise dafür, — daß die Verhältnisse stärker sind als die Menschen. selbst die höckstgestellten, und wie jenen, da ihre Zeit gekommen, zwei seiner Collegen plötzlich zum Opfer fielen, so schlägt vielleicht auch des CultuSministers Stunde eines TagS unverhofft und fällt dann mit seinem Träger auch das von ihm mit unerbittlicher Consequenz vertheidigte Princip unbedingter Abhängigkeit der Schule von der Kirche und Confession zu Boden. Wie. geringe Erfolge für das Beste von Regierung und Volk bicfe Theorie sowohl geistlicher als weltlicher Bevormundung zu erzielen vermöge, macht ein Correspondent der National-Zeiiung in