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Der israelitische Lehrer · 1870-01-26 · 4 (26.1.1870) · p. Seite 29

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
4 (26.1.1870)
Date
1870-01-26
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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— 29 — Auch die Stadt Ofen zählt 10 Procent, Prag 11, Preßburg 15, Großwarein, Pest 17 Procent Israeliten unter ihren Bewohnern. In Czernowitz wächst die Ziffer auf 22, in Krakau auf 38, in.Lemberg auf über 40 Procent, so daß in den letzteren Orten Industrie 'und Verkehr fast gan; in den Händen iSiaelitttcher Einwohner sind. Im Allgemeinen treten auch in Ungarn die Israeliten mit ähnlichen Procentualziffern auf, wie in rer böhmisch-mährischen Länvergruppe. Besonders zahlreich sind sie in oen Comitaten, welche an Mähren uns an dm ruthenischen Theil Galiziens angrenzen, nämlich in den Comitaten Preßburg und Neutra mit 6 uns 8 Procmt, so wie in Saros. Zemplin, Ungh, Marmaros, Beregh wo ne von 6-41 Procent aufsteigen. Wie rasch hier die jüdische Bevölkerung zunahm, sieht man daraus, daß im Jahre 1785 die Anzahl. der Israeliten in Ungarn, Kroatien nnd SlaVonien 75,089 Köpfe betrug, 1805 aber sich ans 127,810 vermehrt halte, und 18H bereits 292,000-stark war. In Pesth lebten 1840 nur 7771 Juden, schon 1848 war ihre Anzahl ani 18,512 gestiegen. Kascha»», im Iäüner Vor kurzem erschienen vom Oberlehrer Rottenberg die Broschüre: Der hebräische Unterricht in der jüdischen Volksschule, Pesth: Äignes Buchhandlung. Das Bach ist mit seltenem Takle gearbeitet und v.rdient die weiteste Verbreitung. In der Thal bedarf der hebräisch- Unter, richt einrr Reform, wenn anders die jüdische Schule nicht ganz verfallen soll. Schade, daß der Verfasser seine Orthodoxie mit Ostentation zur Schau trägt und bei jedem Satz seine Frömmigkeit dnrchblicken läßt. Ebenso begmßen wir mit Freud?: der kleine Hebräer von David Rottenberg. Der Verfasser verräth, den wackern Pädagogen Möchte es .ihm bald gelingen, d.» zweiten Theil zu veröffentlichen. Auch in Fünfkirchen erschien von Goldberger nach der Ahn'schen Methode eine bebräische Sprachlehre mit ungarischem Texte mit vielem Takte gearbeitet. Oberlehrer I. I. Rosen meyer. Amsterdam. In deur Staatsbudget sür Holland sind 38,064 fl. sür die jüdische Confessio,, ausgenommen. dabei 10,250 fl. sür Rabbiner-Besoldungen und 20,080 fl. sür Schulwesen. Ungarn, im Januar, Ein Jahr ist vorüber, seitdem der Kongreß in Pesth getagt hat. Jedermann versprach sich große Reformen auf dem Gebiet: der Schule, im Synagogen- und Gemeindew-sen. Wohl sind die Coirgreßstatuten längst huplicirr, auch ist bereits in einzelnen Distrikten die Maschine im Ing, aber in den orthodoxen Bezirken ist alles todt. Ich weiß nicht, welche Iasi-uktionen die Herren königl. Diftriktöxommissäre von Oben erhielten; auffallend bleibt es immerhin, daß selbige auch nicht das geringste thun und nicht einmal digesetzlichen Versammlungen halten. Unsere Frommen erwarten ihr Heil^ von dem neuen RelizionSgesetz, welches im Entwurf vor dem Hause liegt. Die Herren machen aber die Rechnung ohne den Wirthen, da die Congreßbeichlüsse' im Ganzen und Großen.durchgeführt werden müssen; und obwohl nicht begeistert für alle Punkte derselben, sind wir doch zu gut constitution^ll, als das wir uns nur einen Augenblick für Anarchie begeistern könnten. In Kaschau, der Hauptstadt Oberungarns, erhebt die Hyperorlhodoxie kühn ihr Haupt, deßgieichen in Süros, Und werden wir es in Bälde erleben, daß in mancher kleinen Gemeinde zwei Rabbinen einziehen werten. Da in Oberungarn fast eine jede Gemeinde eine, chafsivische Gemeinde bat, so werden diese sich gewiß auch nach Publicirung des ReligionSzesetzes einen Rebben bringen lassen, damit dieser die Prozessionen persönlichleite. Im Geiste sehen wir die heillose Verwirrung in Magyarenlau>e. wo sich Gemeinde nach Gemeinde bildet, Sekte an Sekce entsteht. Dag die Hyperorthodoxie in Oberungarn in vielen Gegenden die Herrschaft Erringen werde, ist selbstverstäuv'ich. Wie diese aber ihr Regim; auffassen, beweißt der Umstand, daß sie auch schon heute tie Schule 'ohne Holz und Bedienung lassen. Leider' entfaltet die hohe Regierung nicht die nölstige Energie und scheint denn in der Thal die confessionelle Schule das Stiefkind der Regierung zu se n. Rach dem neuen Schulgesetz hat die Regierung bei den conf-isiouellen ' Zchu.en kein Recht, sich in Schulplan, Metbode u. s. w. zu inischen; genug, wenn di- Kinder vie Schule besuchen und die gesetzlichen Schulgegenstände in der Schul: gelehrt werden. Die Regierung fand sich zu diesem Verfahren veranlaßt, um das Simultanichulwesen zu heben; leider aber wird durch dieses Verfahren die jüdische Schule Ungarns am meisten leiden. Unsere Vorst:her werben sich der Schule bemächtigen und M-tyoke u. s. w. dem L-Hrer vorschreib-n. Vor Kurzem verloren. wir zwei Capacikäten hinter einander durch de» Toe. Dr. Zipser, Oberabbi in Rechnitz^ ist nicht mehr, ein kurzes Krankenlager machte seinem Leben ein Ende. Gerade mit der Herausgabe des Iojefus beschäftigt, sollte es ihm nicht vergönnt sein, difCorrectur seines vorzüglichen Werkes zu vollenden. Dr. Zipfer gehörte zu den vorzüglichsten Rabbinen deS Landes, war grundgelehrt, thalmuvifch und magyarisch gleich arbildet und stand im hohen Ansehen, bei allen Parteien. Ebniso überrascht kam der Tod des Ormodv Bertalan in Pesth. gleich groß als Israelit und Patriot. An seinem Grabe standen Landkagsdeputirle. I.urnalisten, Mitglieder des bestandenen ung. israelitischer Vereins. Ocmody war insbesondere a!s magyarischer Dichter beliebt und

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