Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 4 (26.1.1870)
- Date
- 1870-01-26
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 31 — Brüssel auf sehr beachtungswerthe Weise bemerklich, der' von der Vorliebe der Clericalen in Belgien für die Armee, als, nächst der kirchlichen DiSciplin, vermeinte beste Schutzw.hr gegen anarchische Ausschreitungen des Proletarierstandes, und zugleich von einem überaus strengen Urtheilsspruche des Gerichts gegen einen Agenten der „Internationalen Arbeiter-Association" berichtet und dann bedeutsam hinzufügt : „Indessen möchte ich doch den „Freunden der Ordnung" zu bedenken geben, dast Priester, Soldaten und Richter allein nicht genügen, um die Gefahren abzuwenden, welche der Gesellschaft drohen. Erzieht die Vernachlässigten. bekämpfet die Verführung durch eine weise und humane Führung, machet aus den Barbaren und Heloten Bürger, das wird mehr für die Sicherheit der Gesellichaft thun als Bajonette, Weihwedel und Gefängnisse." — Geben wir einen Schritt we'ter zurück, um für die nothwendige Emancipation der Schule von der, Kirche eine gewichtige Autorität zu citircn, so stosten wir unwillkührlich auf den Altmeister der Päsagogik unseres Zeitalters, d.r wie in seinen „Rheinischen Blättern" so in seinen „Jahrbüchern" fort und fort mit unwiderleglichen Gründen für diesselbe plaidirte. Hören wir aus seiner Abhandlung über „den confesfionellen Religionsunterricht in der Volksschule" ^Pädagog. Jahrb. 56) nur einige Kernsätze in Bezug hieraus. „Die Pädagogik ver Volksschule behält immer und überall den Mens che n, den werdenden und zu bildenden Menschen im Auge, und hat darum nicht allein alle wesentlichen Mittel welche den Menschen bilden, an ihn heranzubringen, sondern auch keine anderen Rücksichten dabei zu befolgen, als in dein Schüler den Menschen zu bilden. — Die pädagogische Schule hat es. wie ich das zum Oefteren in den Rheiniscken Blättern ausgesprochen, weder-mit der Constitution, noch mik der Eonfession, noch mit der Prosession zu thun. Es darf daher eben sowenig eine Confessonswie eine PeofessionS- und eine SlanoeSschule gehe». Der kirchliche Unterribt mug desthalb von dem Schulunt.'rricht ganz getrennt werden. Wie es die Confejsionen mit jenem halten, geht die allgemeine Bildungsschule gar nichts an. — D;r Zweck der religiösen Entwikelung oder. Bildung ist die Einigung des Menschen mit Gott und der Menschheit . . . Die Einigung mit der Menschheit kann bestehen bei aller Verschiedenheit der Erkenntniststufen und der Standpunkte. Aut sie ist darum überall oas entscheidende Gewicht zu legen . . . Die beisammen wohnende Jugend darf daher nickt nach den verschiedenen Eonsessionen der Eltern von einander getrennt, sondern sie must gemeinschaftlich in derselben Anitalt gebildet werden. — Auster der allgemeinen Menjchenbildung nimmt die Volksschule Rückstcht auf die nationale Bildung, Patriotismus und VolkSkrast. Da nun die Kraft und Blüthe einer Nation wesentlich von äusterer wie von innerer Einigung der VaterlandSgenohen in Gesinnung und Leben abhängt, so fordert das vaterländische Interesse die Erziehung der Jugend in Gemeinsamkeit und Eintracht, verwirft also auch die trennende ConsessionSschule." Und doch — wiewohl, jener Heros der Pädagogik nicht nur selbst nach seiner gewohnten Weise diese Thesen gründlich darlegte sondern für sie auch zahlreiche Zeugni e der bedeutendsten wissenschaftlichen Celcbritäten, unter Andern eines Jakob Grimm, Rost nästler., ausruft, und obgleich seitdem zwei neue Aeren (A. 53 und 66) Preuhen und Deutschland mächtig umgestaltet lautet die Devise unseres Kultusministers nach wie vor: ConfeffionaliSmuS der Schule (nicht allein der Volkssondern auch der höheren Schule!) nebst kirchlicher und staatlicher Maaßregelung derselben und der fast allein sie unterhaltenden Communen. Ob ein solcher Stand der Dinge noch lange sich halten kann? Kaum glaublich. Dr. M. Stern. P- 8. Oben gedachte Petition aus Marienwerder ist hier bereits anzelangt. Sie motivirt die Bitte um Demission des CultuSministerS in Kürze durch den Hinweis darauf, dast es Preustens Aufgabe fei, durch Freiheit des Denkens und Ver Energie des W llens mächtige Anziehung auf Deutschland zu üben, die Herrschaft der Principien des Herrn von Mübler dagegen Deutschland vielmehr entfremdet, indem es den freien Gedankenfiug und das energische Wollen der prenstischen Jugend uns deren Lehrer unterdrücke. Feuilleton. Der Hielter. Novelle von I. Kl. (Fortsetzung.) WaS hatte der Kapuziner mit der Steniorftimme so Aufregendes gesprochen? Er hatte ben Gefühlen des Hasses und des Fanatismus. dii l oen letzten Tagen von ihm und seinen Helfershelfern in Stillen geschürt worden, lauten Ausdruck gegeben. Indem er von dem Auferstandenen sprach, zeugte er gegen die. die ihn geopfert, und „wie sie ihn fürt und fort und täglich opfern, durch ihre verfluchten und siuchwürvigen Redensarten." Er sprach all die Verdächtigungen aus, die je gegen die Juden geschleudert und mahnte das Volk, endlich feine Pflicht zu thun und diesen verfluchten Stamm mit Stumpf und Stiel auszurotten. Was nur das fanatische, finstere, boshafte Gemüth eines Kloftergeistlichen an Schauermärchen -und fanatischen Redensarten in finsterer Zelle erdichtet, was der Hzast erfänden