Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 4 (26.1.1870)
- Date
- 1870-01-26
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
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— 28 — Rabbiners und des Lehrers findet, als der beiden,! und einzigen Faktoren dieser Schule. Wo diese mit! einander in Harmonie wirken, kann und wird Ersprieß-; liches geleistet werden, wo sie sich aber wie bekannte j Pole einander abftcnen, ist jede Wirksamkeit gehemmt : und — gelähmt. Der Mafistab hätte billiger Weise ' dahin reksific rt werden kennen, dafi Religionslehrer, welch! Seminarbildung genossen und lO Fahre im ( Amte find, berechtigt sein zollen, bei der Synode zu? erscheinen. Fn Bayern z B. sind die Volkslebrer! und Religionslehrer*) von der Regierung eingesetzt und! was in den andern deutschen Staaken Geltung hat, weiß j ich zwar nicht zu bestimmen; drslobesser mufiten es > die in Leipzig anwesenden Herren Rabbiner wissen Die Protokolle geben hierüber mit Stillschweigen Hinwege Run bildete bekanntlich .die Frage des Religionsunterrichtes einen Hallptgegenstanv der Versammlung; das mit grofier Sachkenntnifi gefertigte Referat ist unstreitig -eine ganz vortreffliche, in Anlage und : Durchführung ganz ausgezeichnete Arbeit; aber Riei mand als der im Dienste stehende, pädagogisch gebil-! dete ReligionSlebrer kann »as Unheil abzeben, was > geleistet, und was nicht, geleistet werden kann. Dazu! ist kaum der Volkslehrer befähigt, am wenigsten der! Rabbiner, wenn erkiicbt selbst in den Scknlen al-5 Fach'e^rer wirkt. Alles b'eibt aber ein reines Luftgebiloe, wenn rie Lebrcr nickt Mitwirken. Man möge *') Wir könncii dem gccbrrcn Herrn Correspondciiren . nicht verschweigen, dafi in dieser Beziehung Bayern die einzige und rühmliche Ausnahme bildet, und dafi nur die l Religionsschullchrer in Baden und etwa eine ähnliche «lasse : von Lehrervorsangern in Württemberg Analogien bieten. 1 Sonstwo — in Preußen, a>esscn re. :c. gibt cs auch Rcligionslehrer, und unter ihnen recht tüchtige Männer, die seminaristische Bildung besincn, folglich auch die Qualifikation als Volkslebrcr haben. 'Fm Allgcincinen — nun, wir dürfen nicht aus der Schule plaudern; aber genug ist. wenn wir sagen: Der Staat dckümmcrr sich nicht um deren Qualifikation, nicht um ihre Ausnahme noch Absetzung; inan ' nimmt die Lehrer, woher stc kommen. Es mag unseren bayrischen Kollegen besreindljch vorkonuncn, wemr wir ihnen j sagen, daß neuerdings die Fälle, wo auch abgedanklc Schneider- und Metzgergcscllcn, — die nebenbei den Vorzug haben, gute Schochtim zu sein — ausrangirre Commis zu Religionslebrern sich „dcgradircn, geworden sindwicdcr nicht selten". Fst Alles schon dagewescn und war nichts da, was nicht ivicdcr kommt. Run denn! Wir waren von unserem eigenen Antrag überrascht, und cs kann der Synode kein Vorwurf darüber gemacht werden, dafi sich nicht alsbald ein präciser Ausdruck fand, bis zu welcher «lasse die Lehrer- Eintritt . finden sollen. Genug, daß ,,Lehrer" überhaupt Zulassung finden. Das Weitere wird die Zukunft ergeben. Welchen . Gesinnungen wir übrigens dorr zu begegnen uns gefaßt machen müssen, .bezeugt die Liste der llnlerrichtskoininission für die Synode, in welcher der 'Ranic „Lehrer" mit scheuer j Aengstlichkest vermieden worden, und in welcher nran dem > einzigen Lehrer das Prädckat „Prediger" beigelegt und die Bezeichnung Lehrer' unterdrückt hat. Erhebung oder Erntej drigung? Redaktion. diesen Satz nicht als eine Drohung auffassen; eS ist reine Thatfache. Exceptionelle Fälle sin» es, wo die Herren Rabbiner den Religions-Unterricht und die damit in Verbindung stehenden DiSciplinen lehren. Zn ganz Bayern ist das an den gewöhnlichen niederen Schulen nicht der Fall. Nicht als Oiosro pro domo spreche ich. Wer Unterfranken kennt, weiß nur zu gut, dafi es keinem Relig'onSlehrer in den Sinn kommen dürfte, — einer Synode actio oder passiv beizuwobnen. Er stände sofort auf der Proscriptionsliste und wäre von gewisser, bekannter Seite allen möglichen Verfolgungen ausgesetzt. Aber Unterfranken ist nicht Deutschland; Für meine College» in andern Kreisen und Staate» stehe ich ein, und das Gefühl des Rechtes flößt mir auch den Muth ein. C! armer Reli.,ionSlehrer! wirst Du nirgends eine Thüre finden, die Dich freundlich aufnimmt und entlässt? Die Arbeiterfrage ist bekanntlich zu einer LebenSftage des Staates geworden — aber der Religionslehrer ist kein Arbeiter, d. h. er stehet weit unter diesem. Reue Schulgesetze werden fast in allen Kammern berakhen — aber Religionslehrer sind keine Volkslehrer, ihnen wird keine Theuerungszulage gewährt. Die gepreßte Brust des Religionlehrers muß allein den Schmerzensruf auSstofien: O Schicksal, hier und da versuchte ich mein Glück, und überall rief der Herr vom Haus: — — Zurück! Aus Oesterreich, 14. Fan. -In Oesterreich leben jetzt l, 167,500 Israeliten. Da in mehreren der dentsch-österreichischen Länder bis in die jüngste Zeit Anordnungen gegen das Seßhaftwerden von Israeliten bestanden, so ist ihre" Zahl in Salzburg, Steiermark, Kärnthen, Krain, Görz, Istrien und Tirol böchst unbedeutend; nur tn Oesterreich ob der EnnS hat sich während der jüngsten Zeit längs und nächst der Eisenbahn die Ziffer der Israeliten sehr vermehrt, und zu Hohenems in Doralberg besteht eine ziemlich zahlreiche alteinheimische Gemeinde. Auch in Böhmen, Mähren und Schlesien befrei e das Jahr 1848 die Israeliten von vielen Hemmnissen der Verbreitung und Niederlassung. so daß ihre Zahl in Mähren, in dem östlichen Theile Schlesiens, dann in den Kreisen Prag, Saaz. Coeslau schon zwei Procent der heimischen Bevölkerung übersteigt und im Kreise Tabor auf 3,24 Procent anwächst. Der Wadowicer Kreis Galiziens gleickt bezüglich der relativen Zahl mosaischer Bewohner den eben erwähnten Ländern; im Sad cer Kreise, wachsen sie über 3, in den Kreisen Krakau, Sanok, Lemberg, steigen sie aus 5—6, in den Kre,isen Tarnow, Zolkiew Tarnopol, Slryj, StaniSlawow Kolomoa und Czortkow über ein Zehntel der einheimischen Gesammtbewohnerfchaft, und erreichen ihr Marimum im Kreise Zloczow mit l),85 Proce: t.