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Der israelitische Lehrer · 1870-01-26 · 4 (26.1.1870) · p. Seite 26

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
4 (26.1.1870)
Date
1870-01-26
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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— 26 ober oer Menschheit. Aus diesem Grunde steht.die Religion Jsrael's auf dem Boden der Gewiffensfreibeit des Individuums, der Einbeit des Menschengeschlechts, und aller der großen und erhabenen Principien, welche unsere Zeit als die Produkte der modernen Cultur hockhält und werthsckätzt. n. Die Kirchen hält an ihren Satzungen u. abänderli-d fest und verpflichtet ibre Diener, ooer auch die in sie eintretenden Karechumenen aus dieselben; sie ist ronservativ und stabil. b. Verpflichtuirg der Geistlichen auf Satzungen ist Beschränkung der Freiheit der Forschung, ist Geisteszwana und Bann, darum unevange'.isch, unprotestantisch. ja unsittlich. Dasselbe, gabt von dem den Kakechumeven und Consirmanden etwa abverlangten Versprechen. Diese Sitte ist unnütz, verderblich und unverbindlich. Dir conservative und stabile Kirche geräth in Gegensatz und Conflikt mit dem fortschreitenden geistlichen Leben, mit Civilisation und Cultur, und entfremdet sich die in der Entwicklung begriffenen Personen. Niemals erreicht die Kirche ihre Vollendung; sie hat sich daher fort und fort in reformirendem Zustande zu erhalten. (Forts, folgt). Acker den hebräischen^ Sprachunterricht in den isr. Aeligions sch ulen. (Von Besirksrabbiner Dr. Hochslädter in Bad-Cms). Während die väterliche Religion das innere Bindemittel unsrer in alle Länder und unter alle Völker zerstreuten Glaubensgenosten bildet, ist die hebräische Sprache das äußere Band, welches uns Israeliten in den Synagogen aller Länder einander nähert; so daß jeder Jude, wohin ihn auch sein Beruf oder sein Geschick zu Glaubensgenossen führt, im Gotteshause sich mit denselben in andächtiger Weise vereinigen und gleich' ihnen sein Gebet in der Ursprache der heiligen Schrift zum einzigen Gott der Väter richten kann! Diesen geistigen Nutzen für eine, gegenüber den vielen. Völkern dermalen nock eine Minderzahl bildende Glaubensgenossenschaft wohl erwägend, haben selbst die modernsten Reformatoren unserer CultuSvethältniste es nicht gewagt, diese altehrwürdige Sprache aus den -Lvnagogen gänzlich zu verbannen und ließen vielmehr die wichtigsten Bestandtheile des .Pflichkgeb.ts (e"ip, ycv), sowie auch die Vorlesung aus unsrer heiligen Thora in dies ser ursprünglichen Sprache vornehmen. Sollen jedoch die wichtigsten Bestandtheile unseres öffentlichen Gottesdienstes für die Erhebung des. Gemüths und Aufklärungdes -Geistes,. somit für die religiöse Bildung des Volkes "in der That von Nutzen sein, so muß, namentllch in unserer Zeit, in welcher durch die ErwerbSthätigkeit und die moderne Cultur aus den meisten israelitischen Familien die ehemalige Mitwirkung zu dieser religiösen Bildung abhanden gekom-! men ist, dafür gesorgt werden, daß die israelitische Schuljugend mit der hebräischen Sprache so weit vertraut wird, daß sie erstens die betreffenden Synago- - gengebete mindestens nach deren wichtigsten Inhalte i (min n?s>n) während der Schuljahre übersetzen lernt, und zweitens den hebräischen sabbatlichen Bortrag : aus der Thora, soweit besten Inhalt der Jugend zu- I gänzlich ist, in dieser -Urschrift und Ursprache verlieht, und womöglich in den vorangehenden Werktagen jedesmal übersetzt; was, - wie ich dies bei meinem Anträge in der Rabbinerversammlung zu i Cassel mündlich und nachgehends in einer besonderen 1 Denkschrift auseinandergesetzt batte — bei einem dreijährigen Cyclus für die sabbathlichen Thoravor.lejungen wohl zu ermöglichen sein dürste. Dieses Ziel wird um so leichter errungen, als die Religionssckule dann den betreffenden Theil der Wochenabschnitte besser vorbereilen kann, so daß der Prediger auf dem Boden der Religionsschule weiter fortbauen, unr das, was der Lehrer gelehrt, weiter zu erklären hat. Wir kommen nun zur Methode für diesen Sprachunterricht: 1) Der hebräische Leseunterricht wird weder soviel Zeit wie ehemals in Anspruch nehmen, noch ein trockener, den Eifer der zarten Kindheit ermüdender Lehrgegenstand sein, wenn er, gleich dem Leseunterrichte in der Muttersprache, nach der neuern Lautirmethode betrieben wird und sich-jenem Leseunterrichte der Art anreihet, daß er erst beginnt, wenn das Kind in der betreffenden Landessprache richtig lesen kann Daß auch hierbei die pädagogi sehe Regel: „Vom Leichten zum Schwierigen" zu befolgen ist. versteht sich von selbst: und zwar gilt dies zunächst hinsichtlich der hebräischen Vocalzeichen und der Formen der hebräischen Consonanten (Buchstaben), auf daß sogleich die erforderlichen Uebungen im Silbenlesen damit verbunden werden rönnen. Hiernach ist diese Regel „Vom Leichten zum Schweren" auch anzuwenden hinsichtlich der hebräischen Buchstaben mit den damit zu verbindenden Uebungen im Lesen ein- und mehrsilbiger Wörter, welche Anfangs aus offenen (d. i. mit dem Bocale endenden) Silben, dann aus geschlossenen (d. i. mit dem -Consonanten endenden) Silben, endlich aus Silben mit vorangehendem Halblaute (Schwa) u. s. w. bestehen sollen*) *) Referent dieses hat schon, vor einem Vierteljahrhundert eine nach dieser Methode eingerichtete heb- Lesesibel (unter .dem Titel!tnj» wir» j’p) herausgegebcn, was dann spät« auch von Herrn Hecht, Klingcnstein(?) und Andern ebenfalls so ansgeführt tvurde!

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