Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 2 (12.1.1870)
- Date
- 1870-01-12
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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wird un« bald die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, daß wir fern sind von allen religiösen, politischen.oder gar nationalen Hintergedanken. Die von der Berliner Versammlung vorgeschlagene Mittel selbst betreffend, so wird feskgest llt: 1) daß von allen Mitteln abzusehen sei, die nur augenblickliche Linderung zum Zwecke hätten: 2) daß in erster Linie nur solche zu adoptiren seien, die keine lsngdaüernde Verbindlichkeit auferlegen: 3) unter diesen aber denjenigen der Vorzug zu geben sei, die ohne lange Vorbereitung rasch in AuSfthrung gebracht werden können. Au« diesen Gründen muffe der Aussckuß sich gegen die Unterstützung der Witnven und Waisen, als seinem Zwecke fremd, aussprechen; eben so gegen die Unterbringung der Linder in Familien und die Errichtung besonderer Erziehungsanstalten, als zu lange auSsehend, bis dahin/ wo sich die durch jährliche Beiträge zur Verfügung stehenden Mittel annähernd übersehen laffen. Dagegen spricht er seine volle Zustimmung zu allen anderen vorgeschlagenen Maßregeln aus, und empfiehlt a. in erster Linie die Organisation einer im großen Maßftabe zu vollziehenden Auswanderung der russischen Juden, wozu freilich die Autorisation der russischen Regierung nöthig sei. Die Auswanderung solle, so viel als möglich, direct von Königsberg auS geschehen, die Auswanderer unter der Obhut de« Ausschusses, der ihnen mit Rath und That beistehe, bis zur Einschiffung bleiben; ihrerseits müzze die All. Jsr. Vorsorge treffen, daß die Auswanderer bei ihrer Ausschiffung nicht hülflos und dem Zufall preisaegeben seien, und habe auch für die erste Zeit ihres Aufenthalts über ihrJntereffe und Wohl zu wachen. „Man könne sicherlich nicht mehr, dürfe aber auch, nach unsrem Dafürhalten, nicht weniger für sie thun." d) Den Schulbesuch der Jugend beiderlei Geschlechts zu ordnen; das einfachste Mittel hierzu sei freilich die Gründung von Elementarschulen; bis dies ermöglicht werden könne, tperde man alle Anstrengungen machen, damit die größtmöglichste Anzahl von Kindern die bestehenden Schulen besuche und denselben zu gleicher Zeit Unterstützungen zuwenden. v) Wohlbegabten Jünglingen die Mittel zu gewähren, sich im Auslande die Kenntnisse zu einer gewerblichen oder wiffeuschaftlichen Laujbahn, insbesondere für den Beruf eines Lehrers zu erwerben. „Wir glauben," schließt der Bericht," „der uns durch die All. Ist.' gewordenen Aufgabe möglichst entsprochen zu haben; Miitheilungen über die Ausführung der Organisation verschieben wir auf einen weiteren Bericht, bis wir durch die Praxis selbst weitere Aufklärung werden erhalten haben." Nachdem der vorliegende Artikel schon theilweise gedruckt war, erhielten wir die wohl begründete Aufforderung, densÄericht vorläufig au s mannigfachen Gründen noch für eine Weile zurückzuhalten. Wir bedauern, daß die« jetzt nicht mehr geschehm konnte, da die Vorbereitungen zum Drucke zn weit vorgeschritten waren. Auch halten wir es den Machinattonen der Orthodoxie gegenüber für dringend geboten, die Bestrebungen des Comitös offen zur Kenntniß deS Publikums zu bringen nnd hoffen, — ja wir glauben mit Bestimmtheit erwarten zu dürfen, — daß diese Veröffentlichung der heiligen Sache nickt Sckaden bringen wird. Das Königsberger Comite hat bereits feine Wirksamkeit begonnen, worauf wir in der nächsten Nummer zurückkommen werden Redaction. Wochenbericht. Ingelheim. Die Generalversammlung der Alliance israelite universelle wird am 3. Februar in Paris stattfinden. Aus der b»yr. Pfalz im Dez. „Die bayerischen LandtagSwablen sind vorüber und bieten in ihrer Gesammtheit ein betrühendes aber auch zugleich freudiges Resultat. Ein betrübendes bieten sie in so ferne, als in der neuen Kammer, die auf, den 3. Januar/1870 einberufen, die ultramontane oder sogenannte patrivtische Partei, wenn auck nur mit 5—6 Stimmen, die Majorität hat und dadurch außer andern erhofften jetzt aber wohl nickt zu erstrebenden Reformen auf socialem Gebiete insbesondere auch die gesetzliche Regelung des Schulwesens resp. die Erlassung eines Schulgesetzes auf freisinniger Grundlage, keine,Äussicht auf Verwirklichung haben. Erfreulich ist jedoch der Ausfall der Wahlen in so ferne zu nennen, da die neue Kammer unter den. erwählten Abgeordneten 3 Israeliten zählen wird. Es sind dies die Herren: Advocat Frankenburger in Nürnberg, gewählt vom Wahlbezirke Nürnberg, Simon Levi aus Landau und Dr. Adler aus Speyer, beide Pfälzer, ersterer gewählt vom Wahlbezirke Neustadt-Landau und letzterer vom Wahlbezirke Speyer-Frankenthal. Pfalz und Mittelfranken bilden also auch hier die lichten Punkte in Mitte der bayer. Regierungsbezirke. Nicht nur, daß beide Kreise entschieden und ausnahmslos liberal gewählt und kein einziger ultramontaner Abgeordnete aus der Wahlurne hervorgegangen, haben sie auch den Bew iS geliefert, daß bei Wahl ihrer Vertreter nicht der Glaube, sondern einzig und allein daS politische Glaubensbekenntniß verbunden mit tiefem Wissen und einem entschiedenen ehrenwerthen Charakter maßgebend war. Und die 3 iSrael. Abgeordnete, die neben entschieden liberaler Gesinnung auch alle übrigen vorgenannten Eigenschaften besitzen, werden