Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1870-01-05 · 1 (5.1.1870) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
1 (5.1.1870)
Date
1870-01-05
Page
Seite 4 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4896751-5428708-5432082--2745-4899066
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

umgeben von ihrer Nachkommenschaft, welche, zahlreich wie der Sand am Meere, mit den talentvollen commerzbegabten Wollköpfen einem lammsgeduldigen ordentlichen. Christenmenschen immer zwischen den Beinen herumläuft. — — Unsere wackeren Vorfahren, welche den Erwerbssinn der Juden recht wohl kann-' ten, wußten sich denselben ganz leidlich zu Nutzen zu machen und sich mit dem nothwendigen Nebel auf dessen. eigene Kosten abzusinden. Sie ließen eine Zeit lang den Schacherer practiciren, bis er seinen Säckel' tüchtig gefüllt, und. gingen ihm sodann zu Leibe,, machten kurzen Prozeß mit ihm und drückten ihn aus, wie einen ausgesogenen Schwamm. Wie einem vollblütigen Blutengel fuhren sie ihm mit derben Fingern über den schlüpfrigen Leib und warfen ihn mit schmaler Taille 'wieder in das Wasser. So machten es unsere Vorfahren, B. die Deggendorfer, u,ld sie befanden sich gut dabei.-Was die Natur schon als zusammengehörig bestimmt und gekennzeichnet hat, das sollte der Mensch nicht trennen, das sollte unter sich bleiben. Vielleicht findet es sich, selber recht schön und „Gott's Wunder! wie groß und nobel ist doch Herr Herzleben, wenn er am Schabbes mit seiner Kalle spazieren geht!" Uns freilch erscheint er mit seinem gedrückten orientalischen Kopf, mit den abstehenden Ohren, der gebogenen Geiernase rc. ftemd, nicht zu unS gehörig, uns abstoßend. Und dieses uns fremde Geschlecht will jetzt in christlichen Landen den Ton angeben? — — Wir sollten uns anden Anblick dieser Fremden.gewöhnen, die wir nie als unseres Gleichen, betruchten werden! Nie, nie!. Wo Aussehen, Sprache,'Sitten. Gewohnheiten von den Einheimischen so grundverschieden sind, da läßt sich'kein Pact schließen, und selbst das Taufwasser, dem sich hie und da ein Semite, bei dem der Spcculationsgeisi die angeborene . Wasserscheu überwunden hat, unterwirft, hebt die Schranken nicht auf, die uns von diesen Menschen trennen!" Münchener Vaterland. Warum können wir uns nicht so mit den Juden Helsen, wie die.in Bessarabien. „Das Todrschlagen - wäre das Allereinfachste, allein das verbieten Christenthum und Gesetz und so müssen wir sie wohl behalten bis ans Ende der Tage; nachdem sie unS von'den Liberalen einmal auf den Hals gesetzt sind, die lieben Kinder Israels. - Dasselbe Blatt. Wir lassen nun den Artikel deö H-rrn Dr. Hock städter folgen. Verleumderische Charakterbilder des „Katholischen Volksblatles'' zu Mainz. Bsi ,:ner Berufsrerse in meinem Rabbinatsbezirke fand ich zufällig in einem Gasthause zu Limburg a. d. L. die Nr. 42 des in Mainz erscheinenden „Katholischen Volksblattes;" und war nicht wenig erstaunt über die Unwisienheit und Bosheit, welche dasselbe in dem mit „Liberale Charakterbild er" überschriebenen Artikelr'^sEin Klosterrichter aus dem Hause Israel" offenbart, was zu widerlegen jedem Kenner des Ebräischen und jedem Talmudkundigen wahrlich keine Mühe verursacht! Zuvörderst wollen wir seinen Jähzorn gegen den jetzt leider gestorbenen vr. Levinger in Wien, welcher einer Volksversammlung in Betreff der österreichischen Klostergeschichten prändwte, zurechtweisen! Wir sehen es in der Regel ungern, wenn Israeliten sich um Angelegenheiten der christlichen Kirche bekümmern; sowie wir es für es sür ungerechtfertigt balten, wenn Cbristen über israelitische Synazogensachen sich ^in Urtheil anmaßen. Wenn wir aber erwägen, wie nicht nur im sogenannten Kirchenstaat die bekannte, alle Culturvölker Europa's und deren Fürsten empörende Klostergeschichte Mortara'S, sondern auch ähnliche Ereigniffe vor und nach jenem klösterlichen Knabenraub auch m Frankreich, Rußland, Rumänien rc. vorkamen; wenn wir ferner erwägen, daß die klerikale Partei bei der Krakauer Klostergeschichte — worüber jetzt die Oberin der dortigen Nonnen seitens der Justizbehörde in Anklagestans gesetzt ist — mit boshaftester Lüge e§. wagte, den ganzen Vorfall als ein von den Juden errichtetes Märchen auszuzeben: so kann man eS wahrhaftig einem österrei-. chischen jüdischen Gelehrten nicht verdenken, wenn er die Ursache aller dieser, den Natur- und Menschenrechten, der Wahrheit und Gerechtigkeit, widerstrebenden Vorkommnisse zu beseitigen inithelfen will! Nun kommen wir zu den falschen Citaten des fraglichen Artikels: a) Die rom Verfasser citirte Stelle Lada meria fol. 61. col 1, wonach es „dem Israeliten erlaubt sei, einen Oo! — welcher letztere Ausdruck übrigens, wie das jeder Sachkundige weiß, nur auf den wirklichen Heiden Bezug haben könnte — zu betrügen," ist sicherlich im Talmud nicht zu finden! d) Ebenso verhält eS sich mit dem andern Citat aus dem Baba-kamma 113, 2, welches Märchen in den Talmud-Ausgaben gewiß nicht steht.' Im Gegentheile heißt es dorr ausdrücklich, „daß der Raub und Betrug selbst gegenüber einem Akum (p“‘2y)- d. i. ein Götzendiener*, welcher die Sterne und Planeten anbeiet— verboten sei!" uns nur die amalekitischen Räuberborden, welche von jeher Blut und Gut in Iisrael vernichteten tzs. II Mosir. 18, 8—16 und Richter >i, 3— (> u. tgl. in.), machten nach der Ansicht estics Talmudisten ehemals eine Ausnahme hiervon. Somit isi auch die boshafte Verdrehung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.