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Der israelitische Lehrer · 1869-12-27 · 52 (27.12.1869) · p. Seite 530

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
52 (27.12.1869)
Date
1869-12-27
Page
Seite 530 (sequence 6)
Language
German
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530 Lehrer- und Laienwelt, auch die jüdische, dieses Buch nach jeder Seite bin ausreichen. Bon dieser Anerkennung find jedoch wohlgemeinte Ausstellungen, wie die folgenden, nicht ausgeschlossen. „Mahlzeit." Das Waschen der Hände vor der Mahlzeit ist weder eine ursprüngliche, noch allgemeine, jüdische Sitte, sondern eine Nachahmung priesterlicher Tempelrorsckriften für das bäuslickc Leben seitens der Pharisäer in der zweiten Tempelperiode, hervcrgeganzen aus deren Geisteskampfe mitten Saducäern zur Beihätignng des Princips vom demokratischen Priesterthum. Das Waschen der Hände n a ck .der-Mahlzeit hatte seinem Ursprünge nach keinen religiösen, sondern einen sanitätischen Grund, weil mit den "Fingern gegessen wurde uud besonders wegen der ätzenden Eigenschaft des sedominschen Salzes.. „Makkabäer". Die Erklärung dieses Worts aus den Anfangsbuchstaben des bekannten Fabnenspruchs wird verworfen, und doch erhellt die Gebräuchlichkeit solcher Fabnensprüche auch auS Hep. (Hierosolyma est perdita) in der Fahne der jüdischen Gefangenen bei dein Trinmphzuge deS Titus. — Die jüdische Literatur der Neuzeit wird, vielleicht unseren wiederholten Mahnungen zu Liebe, jetzt mehr und besser berücksichtigt. Dennoch ist bei dem IV. Buche der Makkabäer nickt auf die neue werthvolle Arbeit des Dr. Freudenthal (Breslau) hingewiesen. Ebenso ist für „Maleack i" nicht auch "die neue Ausgabe' des Dr. Sänger (Hamburg) erwähnt. Man würde dann auch das Wesen dieses Propheten und namentlich sein tendenziöses Berhältnis; zu Priestern und Opferkienft richtiger erfaßt haben. „Mäklet". Bei diesem Bremer Prediger hätte auck an dessen judenfeindlickes'Auftreten erinnert werden müssen, wie an die bezüglichen Streitschriften (Wechsler u. A.) „Mantel griff". Es ist.dies keine jüdische Ceremonie bei feierlichen Versprechungen, sondern eine 1 juridische Handlung bei der Besitzergreifung lebender Personen Behufs, rer Aneignung ihrer Zeugenschast, gleick des Handgriffs (Aauci patio)jvei leblosen Gegenständen. „Moranos". .Hier fehlt so - chl die gewöhnliche Erklärung, nach I. Kor. 1t>, 22 («ex pc) wie die neuere und -bessere (Eftätz Gesck. 8, 82 Nota) ro~nc (Anatbema, v-rwünsckt). „Meineid". Wir fügen hier die etymologische. Erklärung hinzu, welche im Bucke neben der sachlichen fehlt: Eine eidliche Versicherung mit reservnter Meinung (rk-!-ervatio mentalis). Man hat dieser. m. für eine Erfindung der talmudischen RechtSlehre je” *r:p erklärt und sie deßhalb hauptsächlich bei den Juden in Uebuiig und Gebrauch finden zu müssen ,geglaubt. Wir erkennen nunmehr, daß sie im Wesen deS Meineids begründet lieat. „Melck'isede.k" wird auch hier gleichsam als Prototyp des-Chrifienthums ausgefaßt, als historischer Beweis, daß die monotheistische GotteSerkenntniß auch außerhalb der Familie Abrahams und des BolkeS Israel zu finden sei und die Verehrung Gottes nicht ausschließlich in mosaischen Formen sich zu bewegen habe. Jndrß ist die betreffende Bibclstelle kritisch wohl als eine Jnterpolat on zu betrachten, um Jerusalem, als David diese Heidenstadt eroberte und zur Königs- und GotteSstadt erwäblte, eine historische Folie zu geben. „Menschen". Dieser letzte Artikel im vorliegenden Hefte ist unklar gehalten. Humanität und Religiosität werden das eine Mal als verschieden und das äydere Mal als gleichbedeutend erklärt. H. wird die ^Grundlage der Ethik genannt nnd diese Auffassung als specififch christlich bezeichnet, und doch wild auch wieder vor der. blasirten Etbik gewarnt, welche ohne Religion sich zu einer bloS humanen abblasfe. Als Grundlage der christlichen Ethik wird Matth. 5, 48 angeführt. Ganz derselbe Ausspruchfindet sich aber auch schon Genesis 17, 1. Deut. 18,13. Jni Judenthum ist das wahrhaft menschliche (humane) auch göttlich, denn der Mensch ist nur Mensch durch seine göttliche Ebenbildlichkeit. Die Vorschriften der- Ethik gelten daher als rellgiöse, göttliche Gebote (rnse), weil sie menschliche sind. Kant hgttc darum Recht, sie als kategorische Imperator zu bezeichnen. Feuilleton. Die Leiden eines Hledakteurs. Sie haben mir, verehrter Freund, eiifige sehr behcrzigcnswertbe Vorschläge zur Hebung dieser Zeitschrift gemacht, und danke ich Ihnen innigst für vie mir und der Sache hierdurch bewiesene Theilnahme. Es freut mich immer, wenn ick wahrnehme, daß die Lehrer die Bedeutung dieser- Blätter anerkennen und auch das Reckt beanspruchen, über dessen Haltung nnd Leitung ein Wort mitzusprechen. Denn gerade das Bewußtsein dieses Rechtes des Lehrerstandes an seinem Organe macht den bedeutsame» Unterschied desselben gegenüber anderen Zeitschriften. Ich bin nur Sachwalter, nur der Vertreter solcher Anschauungen, welche ich als. unter meinen College» verbreitet und anerkannt ausspreche. Nein, ich bin nicht, wie andere Redakteure unbedingt Despot, so daß ich eine mir entgegenstehende Meinung abweise, da diese Zeitschrift schon als Organ des Lehrerbundes Achawa eine gewissermaßen ofsicielle Stellung einnimmt, und von deren Fortentwicklung so äußerst viel für den Lehrerstand abhängt. Doch erlauben Sie mir, Ihnen heute einmal, zum Schlüsse des neunten Jahrgangs, von all den kleinen Leiden zu sprechen, die mit der Leitung dieser und wohl auch jeder anderen Zeitschrift verbunden sind. Ich sage absichtlich: die kleinen Leiden; denn, Gott-

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