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Der israelitische Lehrer · 1869-12-27 · 52 (27.12.1869) · p. Seite 531

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
52 (27.12.1869)
Date
1869-12-27
Page
Seite 531 (sequence 7)
Language
German
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531 lob! die großen, an welchen eS in den ersten Jahren nicht-fehlte, liegen hinter mir. Der „Jsr. Lehrer" ist in daS ruhige Fahrwasser gesunder und lebenskräftiger Entwicklung eingetreten; er hat nicht mehr für seine Existenz zu kämpfen. — Eine zahlreiche Schaar warmer, ja begeisterter freunde der guten Sache ist eine Phalanx, gegen die eiuige mißgünstige lehrerfeindliche Gegner nicht aufkommen können. Wie Ihnen, so ist vielen Lesern des Blattes der Israel Lehrer der liebste Freund, ein gerngesehencr Gast am Lehrertische. Jawohl, ein Gast, für den auch am kärglichsten Lehrertische noch'das eine, vierteljährig aufzubringende Mahl übrig bleibt. + Aber die Leiden! Ich möchte gerne humoristisch werden, wenn ich an diese denke, wenn.- ich das nur könnte. Da schreibt mir ein Lehrer: „Sie, Herr Redakteur! sprechen immer von Ihrer Unparteilichkeit in religiösen Dingest, und doch sprechen Sie stets, wo sich die Gelegenheit darbietet, nur von der Reformrichtung, stehen d.r orthodoxen als Gegner gegenüber. Sie haben Scbiinpfworte für die besten Männer des Judenthums, für Lehmann, Bamberger und Gencsien; kein Wort des Tadels für die Gegner u. s. f. —" Und wenn Sie Recht hätten, lieber College? Läßt sick die Ucberzeugung umdrehen wie ein Handschuh, 'Wechsel--, wie ein Kleid? Ergriffen von der Erhabenheit des Lehrerberufs, von der Bedeutung der Schule' im Geiste unserer Zeit, spricht man sich aus, wie man fühlt. Die zeitgemäße Schule läßt sich nicht denken im Bnn e mit den Anschauungen einer Clique, welchen die Grundwerte, die Principicn der Pädagogik: „Vernünftige Entwicklung, Licht und Aufklärung" Gräuel sind. Die schule ist so eng mit den religiösen Fragen verknüpft, daß ein vollständiges Fernhaltcn von diesen ein Ding der Unmöglichkeit ist. Ja, ich gestehe Ihnen noch mehr zu! Man spricht wohl von Objektivität, denkt es sich ganz gemütblich, Persönlichkeiten gremd zu bleiben, und doch iit das! ei Lickte betrachtet so schwer, ja fast unmöglich, wenn man eine Ucberzeugung bat und diese ofsin und wahrheitsgetreu auSsprickt. Wer die That perhorreszirt, greift den Thäter an. Die Handlungen hafte» an den Menschen, und das Sprichwort: „wasch mir den Pelz und mach mich nicht naß" ist eben überall die Bezeichnung einer Unmöglichkeit. Wenn wir wollten, wir könnten nickt. Der Haß gegen die Unwahrheit, die Heuchelei, den Fanatismus, die Indifferenz, welche Orthodoxie heuchelt und die mit derselben liebäugelt, der Haß gegen Alles Niedrige und Gemeine, was, in Beziehung zur Schule, auch das Seelenmörderische genannt werden könnte, macht sich, eben unwillkührlich geltend, und wer da nicht osten schreibt, schreibt eben nicht mit ganzer Seele. Das Vertuschen ist nicht meine Sache. Ick suche, so viel als möglich, stets in den Gränzen zn bleiben, die durch die Sadhen geboten sind: gemeine Schimpfereien überlasten wir den — edlen Seelen, wie bekannt. „Warumbringen Sie Novellen, u. dgl." schreibt ein anderer. Solche Sachen gehören nicht in eine Zeitschrift, die Ernstes zu vertreten bat! „Warum bringen Sie keine oder nicht mehr Novellen, ein beständiges Feuilleton," schreibt eist Anderer; „das regt an. wird gerne gelesen, bringt uns also Mitleser; auch die Frauen werden dadurch für den „Jsr. Lek rer" gewonnen.-" .. j „Ihr Kampf mit den verdienstvollen Dr.^ N, ist eine Schande für da« Judenthum.... schreibt mir heute ein Vorsteher. i „Ick dan'e Ihnen für die Briefe von R.dietreffen den Nagel auf den Kopf, schreibt ein Arzt. Man muß den Lehrirstand zu Ehre bringen, und dzss kann nicht bester geschehen, als wenn in seinem Organe jene arrogante Menschen, jene Philisterseelen gczüchti-. gekDnverden, ie voll süßer Phrasen doch für den wichtigsten Tbcil des jüdischen Gemeindelebens nie etwas Anderes als höchstens Worte hatten, die nur sich kennen...." So stehen sich die Ansichten gegenüber. <^s sind nur einzelne n ahrheitsgrtrcue Beispiele ans jüngster Jeik, die sich bis ins Tausendfache vervicstackeni ließen. ' Was wirt von dem Redakteur einer. Zeitschrift nicht Alles vci langt und gefordert! Jedem 'soll er Recht tbiin; für Jeden schreiben, wie er es verlangt; nur das aufnel men, was Andere für rocht und gut halten. Hier sind zwei uns gleich liebe Freunde und Mitarbeiter , derer Ansichten jedoch vielleicht nur in einem Punkte rerschieden sind. Der Eine spricht sich ans; der Ande e erwidert. Gleich ist der Kampf entbrannt; die Herren schlagen sich" einander — aber der Redakteur liegt dazwischen und kaum weiß er, wie es dazu kommen konnte. ,;Ei.i Blatt, wie das Ihrige, sollte stets nur Beherzigenswert bes, Vortreffliches, Ausgezeichnetes bringen. Alles Mit elmä'üge sollte ausgeschlossen bleiben. Was soll also :er A'tckcl aus 3-... bezwecken? so schreibt beute L err M. „Warum ßaben Sie stets gerade nur für meine Mittkei »ngcu k.'incn Raum? Warum streichen Sie die besten kräfti zsten Stellen? — —" „Aus unserem Lande ist seit Jahresfrist keine Mittheilung erschienen; Sie liebäugeln mit den. Lehrern aus andercn Ländern, wir sind Stiefkinder." „Die Acka va ist Ihr Schooßkind." „Die Achat oa wird nicht mehr genügend besprochen. Sie verwinden zu viel Raum für die Alliance, die uns ferne l egt." „Die Allia ice ist eine Lebensfrage unserer Zeit und deS deutsche t Judenthums; Sie haben viel für die-

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