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Der israelitische Lehrer · 1869-12-01 · 48 (1.12.1869) · p. Seite 494

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
48 (1.12.1869)
Date
1869-12-01
Page
Seite 494 (sequence 2)
Language
German
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494 Menschen zu achten und zu lieben; als auf welches einfache und erhabene Princip der Menschenachtung und Liebe tie Pflichten der Gerechtigkeit, der Humanität und der Tugend gegründet werden." „Bei der Auswahl aus dem bierzu dargebotenen reichen Stdff'e darf .das Lehrbuch weder rechts noch links zu weit greifen, von dem im Lichte einer gesunden' Bi beleregese nach der Regel 'i'2 jnpo j’s« ioiet selbstständig (Gewonnenen nur das Wichtigste und für die Zugend praktisch Ersprießliche mit ebrlicher Ueberzeugungslreue minheileu. Bei Seite lasten muh es, was schwankend und zweifelhaft; was die Fassungskraft und den Gedankenkreis der Zugend übersteigt; was von alten Lebrmei- * nungen oder Gebräuchen in den Zeitverbältnisien binfällig geworden; wäS. in seinem Widerstreit mit dem! Leben der Gegenwart auffallend in die Augen springt s oder sonstwie für die Ictgend, z. B bei den Pflichten i der Ehegatten,^der-Keuschheit u. s. w. an gefährliche i Klippen steht " ' . ' „Fernhalten muh es sich von der Engellehre, * vom Kabba iSmuS und Mysticismus, fern von den; Finnen jedes Parteistandpunktes, fern von Allem, was! den tröstlichen Glauben,' die tiefere Sittlichkeit und | Hnmaniläl eher erschüttern,- als fördern möchte. So \ nur wird dem reichen Stoff — dem weiten Körper ■ das enge Kleid eines IugendlehrbucheS anzupassrn eri möglicht und das reine Zudeuthuin nach innen zu j gröherer Festigkeit und Blüthe. nach außen zu Ehren gebracht. — " - Ueber Vers e. spricht sich Herr Dr. H. in folgender Weist aus: „Einen wichtigen Bestandtheil des ZubaltS bilden die Vers? und Sprüche aus der heiligen Schrift und mitunter dem Talmud. Sie find keineswegs als lose Anknüpfungen, sonder n vielmehr als wesentliche Trcqpieiler der Glaubenswie der Pflichtenlebre zu betrachten, die den Menschen durch'S Leben begleiten, ihn bald als schützende Engel aus den Klanen der Sünde reißend, bald in der Roth aus Verzweiflung rettend, bald zu energischem Vollbringen des Rechten und Edlen erweckend und so die unvertilgbaren .Haltpunkte des religiös-sittlichen Lebens im Volke werde." „Sie müssen > genau auswendig gelernt und lieber in freier und fließender Ueberfetzung, als in genauer Anschmiegung an. den Ausdruck und die Eou- ,1 struclion des hebräischen Origmals den betreffenden ' Sätzen angefügt werden."! Sie müssen übrigens.im Urkexin dem Reli , gicnSbuch beigedruckt werden, damit wenigstens die wichtigeren von den Knaben bequemer erlernt werden, weil, abgesehen von dieser beiläufigen praktischen Einübung des Hebräischen, mit dem Worte des Originals' dessen Geist upd wahrer Sinn voll und gründl.ch sich! mittheilt und das aus der lebendigen Quelle unmittel- I bar Geschöpfte desto frischer und wirksamer im Geiste haftet." „Auch passende, kurze Lied er vers e müssen, jedoch nicht zu häufig, den einzelnen Glaubens- und Sittenlehren sich auschließen Sie ergänzen den Inhalt, werden von den Kindern mit besonderer Lust und Leichtigkeit auswendig gelernt und pflanzen die religiöse Wahrheit und das sittliche Gebot tief und nachhaltig in ihr Gemüth." Herr Dr. H. wünscht ferner, daß auch Beispiele aus den biblischen Gefauchte angeführt werden sollen, um dem tosten Knochenmann .Katechismus Leid uns Leben zu geben lieber die Form des Religionsbuches spucktsich Herr Dr. H. in folgender Weise aus: „Mit der Zweckmäßigkeit des Inhalts muß sich eine zweckoientiche Form vereinigen. Ein unerläglicheS Erfordernis; in dieser Hinsicht ist zuvörderst die Faßlichkeit. So edel und würoiz der Ton und die Sprache gehalten sein soll, um dem Kinde die Lehre ernst und wichtig erscheinen zu lassen, muß ihm dock durch Kürze und Einfachheit der Sätze, durch Deutlichkeit und Gemeinverständlichkeit der Wörter und Ausdrücke, ferner durch Klarheit und Durchsichtigkeit des lystematischen Zusammenhanges, durch die dem Schüler in die Augen fallende Folge der einen Begriffe aus den andern — Alles leicht verständlicher und zuglei n behaltbarer werden." „Ein gleich wichtiges Erforderniß ist die Herzlichkeit der Sprache. Das Religionsbuch muß gern üt.I ich reden, muß! das kindliche Herz in und durch die Religion die väterlich liebende Stimme Gottes hören, und fühle» lassen und es durch einen warmen, treuherzigen Ton so ansprechen, daß es sein ReligionSbuch für immer liedgewinne und beim Austritt aus der Religionsschule dasselbe nicht mit den Worten: ’jnuszr iro „ich danke Gott, daß ich nun von dieser Last befreit bin", ganz aus der Hand lege, sondern noch im erwachsenen Alter nach demselben Zreise, um eS zu gebrauchen als Leitfaden für fein Thun und Lassen und als Quelle zu seiner Erbauung. (?J" „Ein weiteres Erfordernis; ist die der akroamatischen Methode entgegengesetzte fortlaufende Lebrform. Daß die Erwachsenen gewönlich von ihrem Katechismus keinen Gebrauch mehr -mache» mögen, daran ist auch die in. vielen Religionsbüchern beliebte Weise schuld, überall zuerst den Lehrer mit einer wenn auch matten Frage in dem Munde auflreten zu lassen, wobei er sich >elbs» und dem Kinde nur als lodle Maschine Vorkommen muß. Es muß doch nothwendsg erst >n das noch ununterrichtete akind hineingetragrn werden, was mau es abfragt, oder sein Auge geöffnet werden über das in ih>n Liegende, also erst, nachdem die Sätze des Religionsbuches überall zergliedert und

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