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Der israelitische Lehrer · 1869-11-24 · 47 (24.11.1869) · p. Seite 490

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
47 (24.11.1869)
Date
1869-11-24
Page
Seite 490 (sequence 6)
Language
German
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490 Stoßseufzer Nnbkauemrx neuer Klauben! Denn sie uns den Herrgott rauben. Hat das Flicke» auch en Erb' — Himmel-Hcrrgott-Sa<rament! Wir entbcbren 'rieft bas Beten, Tot? Las F uchen ist vonnötSen, Wein man geg-m Fe nve rennt — Himmel-Herraott «acrament! -liebt :aii Lieben, nein;um Hassen, Sollt' ihr lins ten He,raott lassen, Werl inan, i asi Nicke flucken könnt' Hiinme. Herrgott- Tacranient' iv Ml i'l I ( t O lt. Der SchaliöÄS-Kans oder: ' Der Z^gubcrspieel t?-in Lebensbild^ >ruS dem-Jabre Ik4> , von S i m e it Krämer. iFort'ebung.) dieser Mann trat ain die Gruppe;u und, trcv der Hitze, in -die lick die Pgrtbieen hinein geredet hatten, schwieg doch Alles und hörte auf seine Worte, als er sprach: „Leute! wie. oft bab' ich euch schon gebeten, Euch nickt in solchen Krätzchen auf der (»lasse zusammenzustellen und da Eure Händel miteinander auszu macken? Jst's dock ein Aergerniß für unsere christlichen Miteinwobner und nock dani beute am Sonntag und kur; ror dem Gottesdienst' Ihr werdet nickt ruben, bis gegen Euch. wegen Störung der Sonnkagsscier von der Polizei einaesck.r'tten-werde» wird." „Hxrr Sternbeimer!" sagte Straus: mit gemilderter Stimme. „Tao ist jei-t auch anders. Man läßt sick durch solche Rnckiicktcu nicht mebr bestimmen. Tic Ebristen geniren ui* vor unserem Feiertag auck nickt. Man schreibt jetzt iMh." „Wenn auch, lieber Strauß!" entgegnere Jener. „Faktisch bestehen noch alle- Gesetze, wegen der bevor, zugten SonntagSteier und. eö wird auch nickt leickt dabin kommen, daß wir in dieser Hinsicht gleich gestellt werden, wenn wirs auch in politischer werden. Wir bilden überdies eine kleine Minorität im Staate und müssen uns in diesem Slücke.der Majorität fügen. Aber selbst, wenn wir auck berechtigt wären, würde es meinem religiösen Gefühl widerstreben, das, was; einem andern Menschen heilig ist,;u mißachten und! die religiöse Festtagsstimmung der (Christen durch Lärm und lautes Disputiren zu entweihen." „Das sage ich auch'", stimmte Altinger ein, „wir j Juden thun immer bester, uns rubig und still, wir! es die Alten tbäien, zu verhalten und nicht auf unser Recht zu pochen " Wieder bildeten sich zwei Parteien, oie waren dabei weniger laut, aber den Platz wollten sie nicht räumen. Tie christlichen Landleute, meint? Einer, stehen ja auch umher. Sternheimer, der seine Leute kannie und daß bei ihnen die Neugierde gar vieles überwog, sagte daher: Leute! die Kirche beginnt bald, und ich schließe meinen Laden. Wollt ihr, zeige ick euch etwas, daran ihr Freude haben werdet; und ging in sein Haus. Allee folgte ihm eiligen Schrittes nach und er geleitete sie in das abgehackte Hinterzimmer seines Hauses. Er hieß sic nicdcrsetzen und schloß ein Tebälterchen auf. . aus dem er ein fammtnes Etuis bcrvorlangte. Uu»! als er's öffnete, zeigte sick den Blicken der freudig ' Erregten ein neuer köstlich verzierter Pokal, der Allen ein lautes Ab! enklaute. Tao iir, sprach Sternbeimer, der Pokal, den . wir unserem verehrten Rabbiner bei seiner nächst» Hieberkunst zu seinem Le» - jährigen Dienstjubiläum überreichen wollen. Ick babe ihn aus den freiwilligen Gaben der Gcmeintealieder — er selbst hatte, nahezu dieSHälfte beigesleuerl — angeseliafst und gestern vom Goldarbeiter eibalten. Man las und besprach die sinnig angebrachte deutsche und bebräiscke Inschrift, wclcke letztere mit den Worte» begann: '7 rnje*) ii. s. w. und ergötzte sich im Geiste sckon an der Freude des allreredrieii Mannes und der Ueberraschnng, welche ibm iverden sollte. Während die'.s (Gespräch bemerkte Einer, daß ein fremdes Gesicht durch das Fenstercken geicben baue und sagte es. Fist erschrocken rief Sternbeimer: Wer war es wohl? Siebe darnach, wendete er sick an einen Nebenslebenden, der sich sogleich entfernte. Tcrweil jagte S.'ert'Reiiner: es ist mir allemal ein Sckreck, wenn Einer aus dem Plebs >o etwas bei uns siebet! Sie sind des Neides voll und vergrößern Alles gleich in: Ilumaß n, ihrer Phantasie. Hundert Gulden auf dem Tiscke werden gleich zu Tausender und svlch ein Becker zu dem allerwerthvollsten Gegenstand. „Sehr wahr! sagte Altinger, i l - zähle vor derlei Leuten nie Geld, noch laß ich Wertvgegenstände vor ihnen blicke». Der Neid und die Habsucht sind gar groß und ungezäbmt, besonders uns Juden gegenüber." * r Inzwischen kebrte der Hinausgegangenc zurück und sagte: Es war nur der Schabbeshans, der vorbeiging und im Hofe das Holz aufsckichtete. Der Schabbas- Hans, sagte Altinger, ist um kein Haar besser. Er steckt voll Neid und Jndenieindschaft und wäre der größte Rosche •*), *1 Geschenk :c. **) Judenteind.

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