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Der israelitische Lehrer · 1869-11-24 · 47 (24.11.1869) · p. Seite 491

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
47 (24.11.1869)
Date
1869-11-24
Page
Seite 491 (sequence 7)
Language
German
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4SI wenn er sich bellen könnte. Er trägt seit der Revolution den Kopf viel höber. Hast nicht unrecht, Altinger, bemerkte Sternheimer, gerade die von uns leben, sind die schlimmsten, denn sie »ehen luebr von unserem Wohlstand und knirschen über ihre Abhängigkeit. Was der Jude bat, könnten ja wir haben! denken ja gar viele Tausende. Indes; dürfen wir in unserem Urtheil aucb nicht zu weit gehea und hart werden. Wir versieken sonst in den Hehler, in welche, so viele Christen verfallen, die die braven Juden nur als Ausnahme gelten lassen wollen. Der gebildete, sittlich-religiöse Ehrist ist so ebrlich, wie der aus solcher Stufe stehende Jude, ja selbst der Plebs is: osl rechtlicher und ehrlicher, alo viele von uns meinen Da vernahm inan plötzlich GlockengelLute. „Die Kirche ist aus!" riefen sie durcheinander und stürzten hinaus, weil da viele christliche Landleute zu ihnen ins Haus kommen, tbeils um Einkäufe zu machen, tdnls um sich Ratbs zu erholen. Der christliche Sandmann ist gar sehr gewöhnt, trotz aller Schürereien und aller vorhandenen Bornrtheile gegen Jude i, »cd bei ihnen nicht blos; in Geschästssacheu, sondern auch in Prozesija sogar in Familicnsachcn guten und billigen Rath zu suchen und— zu sindcn. Auch Sternheimer, dem eben cinsicl, wie sich auch bei ibm um diese Jeit so viele Käufer einstellte», daß kaum alle zu ihrer Bedienung hinreichten, eilte hinaus, nachdem er den Pokal in das Erui getha» batte, obne sich je doch Jcit zu nehmen, ihn nister B.rschlus; zu bringen. Er stellte ibn blos; ans das Bcbälterlein neben der Dbür, überzeugt, das; er auch da sicher aufgehoben sei. ill. Die Politik im Wirtbsbaus. Sei nicht so heftig, sei nicht sa dumint . Da drüben bildet sich alles ui». «'töthe. Was die israelitische Bevölkerung in c.zäblter Weise aus dein Marktplatze zu Lobheim am gedachten Sonntag beschäftigt batte, rws wiederholte sich bei der christlichen Bevölkerung am selben Abend im WirthSbaus zum Bären. Es war dies just nicht das beste Wirthobaus in Lobbeim und sein Aeuszcres nichts werigcr als einladend. Sein Eigner batte mehr Schulden als ihm und seinen Gläubigern lieb war, und gönnte ibm nicht Sternheimer wieeerholt Nachsicht, er wäre scho,? lange von Haus und Hof gekommen. Weil er aber seither ein besonders gutes Bier hatte, fanden sich immer glich zahlreiche Gäste undheute sogar die Noblesse der Stadt zu Gast ein. Wie überall bildeten die Ereignisse des Tages, die Politik, den Gegenstand einer eifrigen Unterhaltung und die bockgebendeii Wogen der Revolution fänden in kleinen Kreisen Ausdruck. „Was wird da draus werden", hatte der Bürgermeister, ein ebrsamer Seilermeister, gesagt, „wenn man der Obrigkeit ungestraft Trotz bieten kann und keine Steuern mehr bezahlen will? Wenn sich däs auch in unserer Stadt zeigt, leg' ick mein Amt nieder." Seien Sie nur ohne Sorgen, Herr Bürgermeister, sprach der Kamor, ein ältlicher, Mann von gesundem Urtheil, es wird schon Alles gut gehen. Es ist wohl Jeit, daß der deutsche Michel auch einmal auswacht und sich warm süblt, :b»t aucb gar nichts, wenn er. einmal ein Bischest um «ich 'chlägt und manchen Großschävel unsanft trsisst. Will's aucb Meinest, ries der Schneider Scherer, unk wen»'» auch in unserer Statt einmal ein Bischen anders gebt und!die Geldsäcke nicbr mehr die Allein- Herren spielendstrfcn, kcnitt'S auch nicht schaden. Untj Stenern müssen wir zahlen und wollen wir zahlen, das wissen wir. Aber wir -wollen auch wissen, wohin sie kommen und das; nicht r.nier gure« deutsches Geld in Griecdenland und Italien verlhan und verschwendet wird. Unsere Abgeordneten sollen nur einmal den Mund auftbun. dgS Voll st-ckt hinter ihnen und -- „Das verstehen Sie nicht", sie! der'Stavtichreiber Nickel, eine wohlgenährte Persönlichkeit, in gewohnter brüsker Veiie dem geradstirnigen jedoch etwas überspannten Bürger in's Wort „Der König läßt sich nichts von' uns cinresen. uns der Minister und die anderenHerrschafttn auch nick:!" Unter diesen Herrschaften meinte er sich mit und da halle er nicht unrecht. Den» bisber war er der eigentliche H'rr der Stadt und was er sagte, das galt allein in. Rnbe der S:adt. Seit Kurzem war das;aber anders geworden. Die Bürgerschaft lehnte iicj) jetzt gegen solches Herkommen auf und der Schneidccmeiner. gab dem Ausdruck, als er sagte: „Herr Stadtsschreiber'. Sie scheine» nicht zu wissen. der Stadt essen und das; es Ihnen einem Bürger das Maul zu bieten, und lhnn Sie's wieder, bann Heide» daß Sie das Brrd nicht wobt aiH'teht wie Sie mir tbun, Ein unbändiges V der Schneider das Sie von mir die größten Grobheiten zn gewärtigen." icken an allen rischen bewies, wie Rechte geirossen Hane. Rickel!biß sich in die Lippe \ »o ichwteg klüglich. Bor Jahren .. . .. - — — 0 ,u;a^£1, ^ivagl. allsogleich ntersuchnng und" Strafe genommen P erlauf des Gelpräcbs, wobei es über die Großen stnd Reichen nicht gar glimpflich herging, die das Mar werbe und Hände wäre der, welcher verhaftet und in worden. Im weitern k des Landes verzelirlen» wob^i Gez» «sirunde gingen, nahm der Stadtschreiber wiedär das Wort und, um sich bei der Bürgerschaft heraus zu beißen und den Liberalen zu spielen, sagte er: das gebe ich zu , und man sollte wirklich von Oven mehr bedacht sein, die Gewerbe zu beben und die Abgrben zu vermmdern, aus daß auch

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