Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 47 (24.11.1869)
- Date
- 1869-11-24
- Page
- Seite 486 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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486 Haupt seinen Zielpunkt erkennt, so wollen wir dies l hier jetzt bloS andeuten, und werden darauf in aller | Ausführlichkeit bald zurückzukommen genugsam Gelej genheit finde». - Andererseits müssen wir Herrn Hr.H. wieder beislimmen, wenn er den Besuch inckljüdischer Sckuldnstalten, besonders in größeren Städten, als ein Heuminiß betrachtet, weil die jüdischen Kinder verschiedene Schulanstat'cn besuchen und der Reügionsnnterricht in die Ecke geschehen wird, zur ungeeigneten Zeit und > in ungenügender Weile eribcilr, zuinei'l als Neben - fachen beiract-iet wirk, weil übrigens der Charakter des gesammren Unterrichts in den nickrsüdischen Sckulanltaltcn vielfach ein. lpeeitjs^b christlicher in. Wir stimmen kaber ans tiefster Seele bei u::v lindkii eine Erk-ärnng vieler Cwickcinungen der Gegenwart in een Worten: „der jüdische Zögling der christlichen „Schule wird dadurch wobt nicht geradezu — Christ, „aber bä urig er tocb religiöser Z n r i ss e re n ti si wer- „den. Senn in der ^iiese des tl'nriicden Gemüchs „fiiefit das Religiöse und Consesnonelle zusaimnen, „w.ie und wo beides ainch in der Sckulc in Ei- „nem gctcbr: und genährt wrrd. Tas Kind wird „also vielleicht das Christliche für Jrrihum halten, „jedoch aber verwirrt, zugleich irre und zweifelhaft „werken auch an der jüdischen 'Wabrbeir und damit „i n eine m Srrung für.alle s Religiöse, iür alle n „Glanöcu gleichgültig, kalt werden." -.'lach diesem r>'ingangr könunl der Herr Referent zu der Behauptung^ daß das vorzüstickne Mittel, dur.welches die nachtbeiligen .Wirkungen gemildert und dar religiöse jüdische Bewußtsein bei eer Jugend gekräfiig: werden kamt, „die alIgeu:einfie Verbreitung eines guten Rcligic irslrhrbucheS kür die israelitische Schuljugend lei". bekräftigt die'e Behauptung noch durch den Umstand, daß ick-on seil <0 - 80 Zähren eine Menge solcher Lehrbücher erschienen ist — eine iyluth die in Neuer Zeit(G o t l l o binachznlasscn scheint —. Cr begtelst.ilict l, daß das mündlich v o r g r r r a.g e n e, wir bitten diesen Austruck zu beackren> — 'ür ras Gedächtnis: ccr KindcS "vellsräu.dig und ircu firiir weiden könnte; weiß nicht, woraus rer Rabbiner bei der Ccr:iirmaii:enprüsiing seine Fragen stützNt und ' beziehen seil, „wenn der „ganze Lebrnai g des von e.'.iei» andern. L.hrer ohne „bestimmte, ichristlicke Un:cr:agc c.theilten Unlerichts „für idn fremd, unsscher, gleichsam in der Lil'l jänvebl? Natürlich Lall er.auch ras Diktircn für ungeeignet und zeitraubend. „.'erner jft zu erwägen", so sährl der Herr Rcsorenr sori. „welch ein schwankendes, wirrigcs und 7 zwiespältiges Wesen in een religiösen Anschauungen „der GlaubcnSgenossesschaft sich erzeugen inuß, wenn „jev>.r „»Kistl'che" oder Lehrer die jüdische Anpflanzung „nach seiner Fa?on gestaltet, jeder Einzelne in seinem „Schul-Kleimtaate mit seinem Dictate eine aparte Dicta- „tur übt' Soll denn zu der Carricalur von Ju- „denthum, welche bei allen Angelegenheiten des Cul- „tus auftrik, zu der Zerrissenheit im Familien- und „Gemeindeleben in uno durch Uebuugen und Nicht- „übunzeu von religiösen Dingen der Grund schon ge- „legt werden in der ersten'Bildungsstätte oeö Jugend?" „Aus allen diesen Gründen empfiehlt der Herr „Referent „ein in unparteiischer Prüfung „durch, von der Svnove berufene, prak- „tische Sach- und Fachkenner vereinbar- „tes, refp. revidirtes Religionsbuck, für „die jüdischen Schulen in ganz D rutsch - „l a » d." — Schreiber dieses hat nichts dagegen, wenn die Synode ein solches Gerkchen, das die Resultate ihrer Berathungen und Beschlüsse umfaßt, herausgibt und durck jeden nachfolgenden Be>chluß erweitert und ergänzt; aber wir sind m l aller Entschiedenheit, mit der ganzen Äraft uiijerei religiösen und pädagogstchen Ueberzeugung dagegen, daß ein solches Buch in der Form eines Schulbuches er>chei»e, und also gleichsam obligatorisch werden. Zuerst unsere religiöse Gründe, tir sich aus da« heilige Naturrecht, das unsere Zeit und das Judenthum gleichmäßig ehren und für wahr halten, stützen: aus den Gedanken von der fortschreitenden Entwicklung alles Geisteslebens, auch des religiösen; und aus dem Urrechte dc§ Menschen, nach seiner sittlichen Ueberzeugung leben zu dürfen, so lange er mit diesem seinem freien Leben den Einzelnen und die Gesammtheit nicht schädigt. — Wohl muß jede religiöse Genossenschaft ein gemeinsames Band haben, das si. unauflöslich uno ewig verknüpft. Dieses gemeinsame Ban» ist für das Judenthnm unwiderruflich und für ewig gegeben; es ist der eine und einzige Lehrsatz vom einige» und einzigen Gotte. Dieser Grundsatz findet seine Erläuterung, Begründung und Dnrchsüyrung in dem hl. Schriftthum, in den tradionellen Ueberlieserungen, n der Geschickte. Die Geschickte lehrt, daß die Sonne des Glaubens in jeder Zeit Strahlen warf; ist aber auch jederzeit die Strahlenbrechung die gleiche gewesen? Haben nicht die verjchiedenartigsten Einflüsse da« religiöse Leden dcs JudentbumS in stetem Flusse erkalten? Ist die geschichtliche Entwicklung von der Thorr bis zum Schulchanaruch nicht eben ein Beweis ba>it.', daß das religiöse Leben nie stille gestanden, dag gerade nur füreinen solchen Moment sich das Judenthum versteinern konnte, wo irgend ein todteo Buch diesem Flusse entgegentrat und der religiösen Bewegung, der lebe idigen Tradition, Einhalt gebot? Und d e deutsche Synode wellte einen neuen Schulchanaruch, eine neue Scheidewand aufrichten zwischen Vergangen-