Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 45 (10.11.1869)
- Date
- 1869-11-10
- Page
- Seite 471 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4896751-5428712-5432066--2663-4898994- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
471 ligionsunlerrichtS gesorgt. Die für den Religionsunterricht angestcllten Personen füllen in den seltensten Fällen ihre Stellen aus. Freilich müssen von den Gemeinden zur Aufbesserung der Stellen und zur Hebung deS Unterrichts noch immer größere Opfer gebracht werden. Die Sache ist aber auch wichtig genug, Laß dies bald geschehe. Vom Rhein*), im Oclober. (Zur weitruss i s.ck - P h i l i p p s o n' s ck e n I u d c n - F r a g e.) In Nr, 42 deö Israelitische» Lehrer wird in dem Aussätze „Praktische Ziele" mit Recht das Vorgehen oes Leipziger Gemeindctages betreffs der weslruff, Juden getadelt, indem er, statt sich auf Antrag des Herrn Holländer der Xllianeo israelite universelle für alle jüdischen Leidensfragen anznschließen, durch ein wohlberechnetcs Manöver des Hrn. 1>r L. Philippson »ick zu dem Beschlüsse bestimmen., oder vielmehr überrumpeln ließ, eine teussche Commission zur Erjchastung deutscher Evmires für die Leiden der weftrnfs. Hilden zu ernennen. Alsbald erging hierauf von Bonn aus nach alle» deutsche» Zndengemeinden die Aufforderung zur Bildung von Eoiniies, und S»b- und Sub-ComiteS, die sofort zur Zeichnung v n ordentlichen uird außerordentlichen Beiträgen veranlassen sollten. Zn dieser Weise begann vom ruhigen Sitze zu Bon» aus die Reformation des schrecklichen Schicksals mebrerer Milliouc» Juden eines mächtigen Barbarcnreiches! Die Absicht, durch solche Berpslichtungen zu Beiträgen und zur Agitation der jüdisch-deutsch-rusnschen Allianz den Beitritt der deutschen Gemeinden zur „allgemeinen israel. Allianz" zu erschweren, schaute um so bemerkbarer aus dem ganzen Manocuvre hervor, als gerade zur selben Zeit die jüdischen Gemeinden Deutschlands sich täglich mehr für die Bestrebungen der allgemeinen Allianz begeisterte». Aus letzterem Grunde erfolgte daher erneute Aufforderung' von Bonn aus zur Sammlung russischer Gelder. Was thal indeß die allgemeine israelitische, zu Paris gestiftete, Allianz? — Sie berief nicht nach Paris, sondern, zur Genugthuung des deutschen Patrioten, der einmal in der. allgem. Zeitung des Judenthums beklagte,^ daß die Alliance iSrael. universelle eine französische sei, eine Conferenz nach dem deutschen Berlin, wo eine erhabene und erleuchtete Versammlung delibrirte, wie dem west-, russischen Judenthum aufzuhelfen sei. Wo war da der ebenfalls eingeladene Herr Philippson? —Wegen Unwohlseins zuHause geblieben! — Der Präsident der israel. allgem. Allianz, Herr Cremieux, dies ehrwürdige *) Vorliegender AAikel kommt unS von so hochachtbarer Seite und dabei aus einer Bemerndr zu, die zu dm Treuesten des Herrn Dr. L. Ph. gehört, daß wir chn, bei der Wichtigkeit deS Gegenstandes, unmöglich abwriszn können. Haupt der Jndenheit beschließt dort in Bcrli::. trotz seines hohen Alters, nach Rußland zu reisen, um die Leiden und die Wege zur Abhülfe an Ort und Stelle kennen zu lernen, und womöglich, am Heerde des Leidens, am Hofe zu St. Petersburg, Erleichterung der bedrängten jüdisch-russischen Zustände zu erlangen. — Was thut dagegen inveß der Präsident der jüdischdeutsch-westrussischen Sonderallianz? Bon seinem hohen Sitze in Bonn aus erläßt er ein „Memorandum über die Auswanderung von Juden aus den westruss. Provinzen", zu lelen in der kölnischen Zeitüng vom 26. Oclober, 1. Blatt. Ein köstlich Hirngespinst von Abhülsc als indirecte Antwort auf die Sitzung der Alliance Israel, univers. in Berlin; ein Memoirand.nn, dem auch das Pferdefüßchen, natürlich nnit Silber beschlagen, nachlnnkt. '! Das Memorandum sagt: <'5rcfjer Rothstaud der westruss. Juden; Ursachen: Freizügigkeit und verbesreiheit den Juden in ihrem Lande verboten. Allgemeine llnkenntniß der außerörtlicken Verhältnisse unter den Juden. Almosen helfen nickt. Schulen bei dem barbarischen Feinde der Cultnr nickt einführbar. Einzige Abbülfe Auswanderung' thefls nach Amerika, theils nach dem Innern Rußlands. — Aber! — die Rusiiicke Regierung geslattet keine Auswanderung. DeSbalb, »wie natürlich!» empiieblt Jich die Aufhebung des Verbotes! gleichzeitig aber die Bildung von Auswanderer-Evinitös aller Orten, den Hafen- Plätzen, Amerika — HauplauSwanderungsplar Bonn — denn, nicht zu vergessen, es sollen in alles» mögliche» Orten Subcomites »ich bilde», »ve'che lüöglichst regelmäßige Beiträge an die Centralcasse in Bonn einsrnden-! Ist das nicht probat? — DaS AnswandfrunzSverbot ist nickt allein nicht aufgehoben, eS >:»d noch keine Versuche dazu in Petersburg gemacht, uijd Herr Philippson leitet schon die Auswanderung! Käme üe aber auch einmal zur Ausführung, so rührte ne die Leute erst recht in den Untergang hinein. UjeteroIT, in Amerika, im Inneren Rußlands fänden dir ui.cullivirten arinen Juden ihnen theils fremde, theils tzwie in Rußland) feindselige Leute und Verhältnisse I Gestaltet die Barbarenregierung, der Feind alles Deutschen, der Feind aller Volks-Cnltur und Wissenschaft, gestattet der'russische Hof den jüdischen Nntertbanen keine Freizügigkeit und Gewerbesreiheit, bat der russische Despotismus beschlpssen, wie die katholischen Polen, so sie polnischen ^uden auszurotlen, oder sie zu russificiren, so wird eine Abhülfe-Allian; von Bonn aus geleitet zur Farce j— da wird vielleicht selbst die Alliance israel. univers. Lichts vermögen! Verdächtigen ja jetzt schon die Russen den ehrwürdigen Präsidenten Hern» Cremieux, er sei gekommen,"politische Vereine z« bilden! Wer etwas fürs die westruss. Juden thun will, der schließe sich der! allgemeinen iSrael. Allianz an; wer