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Der israelitische Lehrer · 1869-10-27 · 43 (27.10.1869) · p. Seite 459

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
43 (27.10.1869)
Date
1869-10-27
Page
Seite 459 (sequence 7)
Language
German
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45» männern und Aerzten. Diese wird alSdann an der Hand der gewonnenen Resultate auch Gesetze gegen nacktkeitige Schuleinrichtungen Vorschlägen und demgemäß Instruktionen erlassen können. Jur Urberwachung oer gesetzlicken Bestimmungen bedar» es in jedem Schulbezirke einer Kommission mit einem Arzt als Mitglied. Als die Punkte, worauf sich die llntersuchungeir. zunächst zu richten haben, bezeichnet die Schrift: 1) Die Luft im Schullokal, auf deren Be schafsenheil, die Größe des Lokals. die Zahl der Schüler, die Heizung, Bentilation, Feuchtigkeit des Rupbodens und der Wände, der Staub (Reinlichkeit» bestimmend einwirken. 2» Das Licht und die Beleuchtung :’>) Das Sitzen (Dauer, ‘t?rö»e der Plätzi, besonders zweckmästige Einrichtung der Bänke». 4) Die körperlichen Bewegungen ^Spielen und Turnen im Verhältnis!- zum Sitzen und der geistigen Anstrengung > °> > Die geistigen Anstrengungen (Dauer, Abwechselung. Freistunde». Ferien, Ausdehnung' der bäuslickeu »ud Schularbeit), li» Die Strafen (besonders die körperlichen Züchtigungen». 7) Das Trinkirasier 8) Die Abtritte. 9) Die Unterrichtsmittel (Wahl der Schulbücher in Betreis der Größe des Druckes und Wabl der Unterrichlsgegenitände)^ In reu letzten Iabren haben sich die rcformatorisckeu Bestrebungen einsichtig mit der Schulbank beschäftigt Und dock trägt sie an den früher auigezähllcn Leiden nicht allein die schuld. „Ungenügendes Lickt, falsche Lage oer Fenster, vernachlässigte Haltung, zu kleine Handschrift wirten bald mehr, bald weniger zur Herbeiführung und Steigerung der Kurzsichtigkeit mit. Schleckte Lust, mangelhafte Ventilation, Ueberfüllung der Klassenzimmer, Koblenoxvd aus dem Ofen, Neberanstrcngung des Gehirns erregen Kongestionen auch bei den besten Tischen und Bänken. Oft genug wirken gleichzeitig mehrere Ursachen, unk der Gesa umtessect derselben darf nicht blos einer.einzigen der bcstini'nenden Ursachen zuzeschrieben werden. Auch für diese Einzelverbältnisse ist nur der Arzt befähigt, ihm wird es zustcben, auf Grund eigener Inspektion der Aufsichtsbehörde die nötbige Kenntnisz zu verschaffen und ihr zugleich seine Vorschläge zu Aenderungen zu unterbreiten Es versteht sich von selbst, das; manche Fragen überwiegend pädagogischer Ratur sind. Welche Anforderungen an die Leistung der Scküler zu stellen. welche Anstrengungen ihnen ihrem Alter nack zuzumuthen sind, welche Unterschiede in Anwendung kommen sollen, wie Turn- und Freistunden, Ferien u. s. w. zu bemessen sind, ist zuerst Sache deö Schulmannes, aber in korrekter Weise wird ein großer Tbeil auch dieser Frage nur gelöst werden können, wenn auch hier, die Kontrole des Arztes mit eintritt. Die Sckulkommission ist alSdann die AuSgleichunaSinstanz. Im Zusammenwirkm der verschiedenen Sachverständigen ge .vinnen Staut und Gemeinde daö geeignete Anfsichtsorgan, welches die Lösung »er große» Aufgabe der Gegenwart genügend überwachen kann: körperliche und geistige Gesundheit und Ausbildung des wachsende» Geschlechts". Wir buben aus der kleinen bedeutsamen S-Hrift nur die Hauptsätze heransgeboben: denn dringend wellen wir alle Eltern. Lehrer, Schul- und Gemeinde - Be!»ördeu gebeten haben, die weiteren Ausfübrungcn rud Beweise in derselben »abzulesen und eigene Ersa irnngen daran zu messen. Uns wolE der geehrte He>r Verfasser nur zwei bescheidene Bnnerknizgen gestutten. Obwok l Herr Prosessor Virchow mehreremale ausdrücklich betont, daß die Sch ile an een bervsrgehobenen Kr mkheits-Erscheinungen nicht allein Schuld habe, sondcrn ein Theil derselben auf Rechnung der Familie tomine, jo will es uns doch scheinen, als w nu die Funil'k bei weitem besser weg komme, als iie es verei nte. Wir fühlen durchaus nicht die Luft, die Schule rein zu waschen. Rach dem aus den Seminarien s> gar das wenige verbannt worden, was früher als .G.'sundbeitslehre" daselbst geboten wurde; nachdem von einem naturwissenschaftlichen Unterricht in denselben (nicht allen, in Preußen!» kaum noch gereeet werten tanu; nachdem selbst die älteren Lehrer sich mr noch mit Bibel, Katechismus und Gesangbuch blichäftigen dürfen und können: nach alledem kann von der Mehrzahl der deutschen Lehrer unmöglich > erlangt werden, daß sie für' die Gesund- - heit der Schüler in vollitändigcr Weise sorgen sollen. - Dazu gehören schon recht respektable naturwissenschaftliche Kenntnisse. Lrio.r würden solche Kenntnisse unk selbst bei größtem Eifer für die Gesundheit oer- K nder dieseir nur in seltenen Fällen etwas ’ nützen; denn die meisten Schul-Inspektoren und Schul-Räthe haben für diesen Theit der Pädagogik keinen Sinn, nnv wir zweifeln, daß es viele unter . ihnen gebt, welche die schlichten wissenschaftlichen j Ausführungen Herrn Virckow's zu verft'hen im; Stande find. Es steckt keine Tbeologie darin, ' und was nicht theologisch ist, gebt über ihren Horizont. Das elbe kann mau nickt auch von den andern i Schulbehörden, insonderheit nitseren Schuldeputationen! sagen; abe - wie sie bis jetzt nur sehr selten den Beij rath eines verständigen Arztes für ihre Anordnungen | brauchten, so haben sie noch-viel weniger die Lehrer; gefragt. Eine Menge Verfügungen sind das Zeugniß, mehr noch die neuen Schulhäuser und der ganze Lebrapparat. L>o ist's denn unbestreitbar für jeden, der die inn wen Verhältnisse kennt, daß die Schule sehr häufig gigen die Gesundheit der Schüler mit vollem Bewußtsein sündigt, aber trotzdem nichts zu ändern vermag.

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