Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 43 (27.10.1869)
- Date
- 1869-10-27
- Page
- Seite 454 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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454 fördere. Man hat auf den bedeutenden Einfluß l aufmerksam gemacht, den ckristsicke Comilitcnen auf jüdische Jünglinge äußerten. Man sprach die Ansicht \ auS, die Zöglinge auch ferner in die bestehenden christlichen Lehrerbildungsanstalten zu bringen. Der < geebrte Correspendent war aus Bayern und wenn er; die älteren baorriscben Seminare im Auge batte, so mag er allerdings sehr Neckt haben, denn in früherer »zeit kamen aus jenen Anstalten die tüchtigsten Lebrer, Männer rcn ausgezeichnetem Wissen nach allen Nick tunge» und was noch mebr ist — wahrhaft gediegene ' Cberaklere. . Unsere Zesi bat leider in dieser Art von Männern bedeutend gelichtet; wir haben jedoch immer, neck Einzelne. Aber die traten in jene Anstalten bereits mit einem guten Fonds hebräischen Wissens ' ein. sie waren vorgebilket als Lehrerder Neligion unk ausgerüstet mir jenem heiligen Feuereifer, der das Kennreicken einer ausslrebencen Zeit ist. Wie sieht es bfergegen. jeyt aus? Die Präparanden haben rumeisk nur mangelhafke Porbiidung und, was das Schlimmste ist. - es fehlt ihnen jenes heilige Streben, das nur dem Aurgeichulten - dem denkenden Zöglinge eigen isi. Eingeengt in den eüskern Zwinger der heuchlerischen^ gemachten C clbokorie, genölhigt, dem allem Gefühles wikerstreueuten wüilcn Pariestreiben derselben, mindestens dem Anscheine nach, zu huldigen, feblr ihnen jener geniale, freudig emporitrebente Zug, der dem jugendlichen Leben seine Weibe und Würw gibt, und. dem. denkenden Beobachter so wobl lhut. Wenn wir jener- Allen gek nte.i, und hören, wiesie Näckie lang .im kalten Zimmer die lAemcnie einer Wisienschafl oder einencucren Sprache sich anzueigncn strebten, um nnr auch i» dieser Hinsicht uickt zurückzustehen. ünd seben unsere Jungen, die nnr fertig sein wollen rerlig! uns die dabei doch io hockmütbig. so arro ganl sind und sich auf ihre Brille und ib/e unbescholtcite Recktglaubigkeit so viel ui — gute lbuii und auf jene .Illen mit Verachtung herab blickeit — dann wird es uns kalt und eilig um's Heiz, dann weckten 'wir verzweifeln an der Zukunft unseres Geschlechts. Für - solche Zöglinge ist aber das christliche Seminar der Gegenwart nickt die geeignete Atmosphäre. Wer wüßte nicht, daß diese Seminaricn die Brutstätten des 'fanatischsten UltramontaniSmus, des krossesten Muckerthums geworden sind? daß hier Svllabus und die nicht viel besseren Regulative — ein trauriges Geschwisterpaar — ihre beredtsten und eifrigsten Bertheidiger haben uüd finden? Wer wüßte nicht, daß jetzt in christlichen Seminarien die jüdischen Zöglinge nur noch als Eindringlinge betrachtet und behandelt werben, daß yie bayerischen Seminarien selbst den Usus der Abgangsprüfung für feminarfcheue Adfpiranten aufgebracht haben, während in Preußen nur frlten'lmd ausnahmsweise jüdische Zöglinge Aufnahme finden und die Angriffe gegen Diesterweg sich auch auf besten Bereitwilligkeit, jüdische Zöglinge aufzunehmen, stützten? Wir müssen darum darauf sehen und dahin wirken, daß im Seminar ein anderer, d. i. rin freier, charakterbildender, zum Höchsten strebender Unterricht ertbeilt werde; chaß hier in wahrhaft jüdischem Geiste energisch und kräftig gewirkt werde, damit die Lebrer Männer werden. Wir wiederholen, was wir tausendmal wiederholt haben unk w,s wir io lange wiederholen werden, bis eS besser wird: die erste Aufgabe der deutschen Judenbeil bleibt die Sorge für ihre Sckulen; und eine durckgreisenoe Besserung auf diesem Gebiete ist nur dann möglich, wenn eine besiere Lehrerbildung äugest ebt wwd < Schluß folgt.) Aus Nnterfranken, den 1'». Cctobft. Ihre Thesen über das israelitische Schulwesen oerdi „ui sowohl oem Inhalte als der Darstellung nach eie allgemeinste Anerkennung. Getragen oom Geiste der Zeit wollen diese Tbesen gerecht gegen den, durch de Strömung unserer Zeit doppelt gedrückten Lehrerstand werden, aber auch gereckt gegenüber den gerechtesten Ansprüchen der Gemeinden an die Lehrer. Zn Unterfranken ist mancher dieser Sätze durch Rcgicrnugsverordnung schon sanktionirt, und damit die Leser Ihres geschätzte» Blattes eine klare Einsicht über die Organisation der Religionsschule bei uns erhallen, möge bas gan;c Rormakio zur Veröffentlichung gelangen. Sehr wünschenswert!) wäre es, wenn College» in den übrigen Kreisen die dortigen Normative gleichfalls in dieser Zeilu g bekannt geben möchten. Die Verschiedenheit oder Gleichförmigken in der BebanrUuig unserer Schulen in den verschiedenen Kreisen würde sich dadurch klar Herausstellen. Möge dieser Wunsch kein jiium desideriiun sein! Abschrift. Das israelitische Religions-Schulwesen betreffend: Im Namen Seiner Majestät ves König». Nack den seitherigen Wahrnehmungen sind die Berhältnific des Neligionsschulwefens der Israeliten im Regiernngsbezirte keineswegs überall erfreulich und genügend, lassen vielmehr in manchen Beziehungen und 'Gegenden wesentlich zu wünschen übrig. Die k Regierung, welcher die hohe Bedeutsamkeit dieses Zweiges des Unterrichts nicht entgehen konnte, war bestrebt, die Ursachen dieser wenig beruhigenden Erscheinung zu erforschen, und ist zu der Ueberzeugung gelaugt, daß dieselbe in der Hauptsache einerseits in der nicht selten hervortretenden mangelhaften Vorbildung der Religionsschuldienst-Adspiranten, andererseits