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Der israelitische Lehrer · 1869-10-20 · 42 (20.10.1869) · p. Seite 450

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
42 (20.10.1869)
Date
1869-10-20
Page
Seite 450 (sequence 6)
Language
German
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450 der durch die Geschicklichkeit der Leitung täglich neue Reize erhält , werden den neuen Freund bald heimisch machen. Man errege das Ehrgefühl in corpore so, daß ein Vergehen de- Einzelnen zur Beleidigung der Gesammtheit wird, und eine besonders lobenswerthe That deS Einzelnen Alle gewissermaßen, stolz macht. Es kann alsdann von Modebildung keine Rede sei», vorausgesetzt, daß der Unterricht dem Ganzen entspricht. Ich erdreiste mich nickt zu behaupten, daß meine Ansicht mick ganz zum .^iele geführt bat, obwohl ick von der Richtigkeit derselben überzeugt bin, aber verhindert war, sie in-ihrem ganzen Umfange geltend zu macken. B. P l a u t. Wochenbericht. Krakau, 2. O.ct. Ter „Kraj" meldet von einem am letzten Donnerstag hier stattgefundenen Juden- Cravall. Die Ursache dieser Schlägerei war folgende:- Drei jüdiscke Mädchen kamen den 29. v. M. gegen 11 Uhr Vormittagin das Kloster der -Norbert ,nerinnen am Zipierzynic, zeigten einen Revers des Eon sistoriumS vor, woraus ersichtlich war, daß sie zur katholischen Kirche übergehen wollen, und baten auf Grund dessen um Aufnahme in das Kloster. Die Oberin verweigerte ihnen aber dieselbe, indem sie behauptete, sie hätte keinen Platz für sie, und rieth ihnen, irgend einen anderen Aufenthalt zu suchen. Auf Anrathen des Geistlichen Piksa wurden dieselben von dem VolkSschullehrer Herrn BrzvSzinSki am Zwierzynic ausgenommen. Gegen 3 Uhr Nachmittags erschienen gegen 20 Juden im Klpstcr und verlangten die Herausgabe der Mädchen. Trotz der Versicherung der Oberin, daß sich diefelken im Klvster nicht befänden, wellten die Juden das Kloster nicht verlasien, und erst als ihnen bedeutetwurde, wo die Vermißten zu finden seien, begaben sie sich dahin. Inzwischen war eine große Anzahl Juden herbeigekommen, stürmten das HauS des Herrn BrzvSzinSki, schleppten die Mädchen auf die Gasse und schlugen dieselben unbarmherzig. Als einige christliche Bürger dieser Vorstadt die Mädchen vertheidigen wollten, wurden sie mit Steinen geworfen und beschimpft. Es kam zu einer Schlägerei, die n»ch größere Dimensionen anuehmen konnte, wenn nicht der Herr Polizei-Cbmmiffär Paschma dazwischen gekommen wäre, die Mädchen per Wagen in das HauS chrer Estern und bi$ Excedenten auseinander gebracht hätte. (Wir entnehmen diese Mähr dem Frkf. Journal. Die Folge wird zeigen, daß die Sache doch wahrscheinlick nicht ganz so liegt. Red. d. IS. L.) Wien. Der orthodoxe (?) Vorstand der israelitischen Gemeindein Wien hat in der Beschneidungsfräge von dem Ministerium deS Innern den definitiven Bescheid erhalten, daß auch ur.bescknittene Knaben israelitischer Eltern auf deren Verlangen in die Matrikel der israelitischen Gemeinde eingetragen werden müssen; doch! soll dem Vorstände gestattet werden, durch eine Anmerkung die Unterlasiung der nach dem mosaischen Ritus erforderlichen Operation zu constatiren. AuS Obcrungarn. am 1. Oktober. Wohl nock nie gingen bei unS die Wogen auf dem Gebiete deS Svnagogen- und CultnswesenS höher, als in diesem Augenblicke. Der dumpfen Stille, die bald nach Auflösung deö CcngresseS herrschte, ifdin den letzten Tagen eine Aufregung gefolgt, die, wenn auch nicht mit der in-Zeiten des CongresseS zu vergleicken, dock immerhin registrirt.zu werden verdient. | Die Bamberger, Enoch'S und wie die Herren alle > heißen, haben durch ihr Gutachten gegen die Congreßbeschlüfse abermals einen Sturm hervorgerufen und wenn auch der Magyare gegen Alles, was vom Könige kommt, mit Hochachtung spricht, so ist doch diesesmal durch das Eiugreifen in das religiöse Element, die Sachlage eine andre geworden. DaS Parteileben "in Ungarn, welches sich in diesem Augenblicke in drei Gruppen abspiegelt, hat bei den Ältorthodoxen den höchsten Grad erreicht. Glauben diese doch den Cchulchanaruch in Gefahr und das alte Judenthum im Geiste auö den Fugen gehen. Fast überrall versammeln sich Männer au» dem Volke, die im Schweife ihres Angesichtes ihr Brod verdienen, ehrwürdige Greise und Rabbiner, > die in Protesten ihrem Herzen Luft machen und gegen ‘ die Annahme der Congreßbeschlüsse eifenr. ES ist daS Fest der Thorafreude und Trauer erfüllt das Herz der Frommen. Eine große Anzahl Orthodoxen hat sich im Gemeindesaal versammelt, um in der Angelegenheit, ob man die Congreßbeschlüsse durchführen soll oder nicht, Berathung zu pflegen. „Ungarn schaut auf diese Gemeinde", beginnt feierlich der Vorsteher, „ich bcanträge die Nichtannahme, da eS die großen Rabbinen Ungarns wollen, da Preßburg, die heilige Gemeinde Israels es will und ohne dies kein wahrer Jehudi sich in die Distriktsrepräsentan; wird wählen lassen." Eine -dumpfe Ssille beherrscht den Saal, die Orthodoxen kämpfen mit Waffen des Fortschrittes, die freie Kirche im freien Staate wird verthcidigt, das Simultanschulwesen von den Orthodoxen in den Himmel gehoben. Doch eben die Männer, die noch vor einem Jahre Todtfeinde der Fortschrittspartei waren, sie kämpfen am energischsten für Beschickung deS CcngresseS, für Anerkennung der geschaffenen Statuten, der Autoritätsglauben feiert auch in Ungarn seine Todesstunde und im Jerusalem Oberungarn-

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