Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1869-10-20 · 42 (20.10.1869) · p. Seite 449

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
42 (20.10.1869)
Date
1869-10-20
Page
Seite 449 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/4896751-5428712-5432060--2638-4898970
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

410 «ine bessere geworden; er darf am öffentlichen Leben Theil nehmen. Daß er sich die hierzu nötbige Tüchtigkeit erwirbt und Erziehung und Schule demgemäh umwandelt, ist natürliche Folge. Aber Ausartung ist es, -wenn man, das Kind mit dem Bade auoschüttend, '-dt'> ■>: -hot iri erreicht, wenn man tie noch vordanvene vuuft überspruige, statt sie au-Zufällen, wenn man der Geiellschasr den fchutoigen Tribut mir deshalb entrichte, um deren materielle Borrbeile;u ge uiesien, nicht aber um, wie es Pflicht ist, das Meufchlbum durch das Zudemhum zu verherrlichen und zu befördern. Das find die Quellen der Bildung, welche ich Modebilkung nenne und welche nicht nur in groß» Städte» einen bedrohlichen Ebarakter ange lommeu hat, sondern auch in eimg-m gebildetjeinwollenden Landgemeinden schon zu cursiren beglnnt. Wie oft sieht man Ellern, dibei der rn-ziebung der Kinder nur deren einstiges Gewerbe >'ni Auge baden! Wie oft fiedl man Zuteu, d e zu glauben scheinen, c« heiße Aufklärung und Bildung, wenn sie ihre GlaubeiiSgenc'sen ignoriren, während sie sich des Umgangs gebildeter Ebnslen rübinen, aber nichts desto weniger T?r. ozr. verursachen. Wie muß es in solchen Familien mit d»r Echziebung bestellt sein? Wie Biele halten Nachasserel zur religiöse:>tesorm! Man sinder jüdische Familie-:, ja jcgar jüdi che Erziehungsanstalteu. in denen man die Kinder durch Ebristbäumchen erstnt und ihnen die Be>ckeerungen de? Ebri ltindchens zu Db i> werden 15Hi, wahrend man ihnen nicht sagt, daß. und warum wir ro:n fein», nm da? zu thun.^was di" Majorität tbut. Man betheiligt sich gar osi an bürg.rli.len und nationalcii Perenreu mir dcßhalb, weil Bleie sich betheiligen; man hält sich cft in vornehmer Entserntheir von religiösen Bereiten, weil nur W rüge sich betbeiligen. Das ist : i ch t A u f k l ä r u n g, f r n ocrn Mode. Die d m zu Grunde liegende und daraus heroorghenoe Bildung ist nicht Geistes-, sondern Modebi ldung. Statt in der Gesellschaft zu wirken, will mau nur glänzen midist verblendet genug, sich dieses Glanzes zu rühmen. Das; eine solche „Modebildung" sich pädagogiich nicht rechtfertigen läßt, darin werdcu mir gewiß alle Lehrer beistimmen, zu welcher Partei und Farbe sie auch gehören mögen; denn die Pädagogik hat es mit keiner Partei zu ihun. Zn der Schule — Friede. Zn diesem Frieden liegt das Heilmittel. Wirken wir zunächst mit vererntru Kräften für die Förderung unsrer großen Arbeit und der auf sie Einfluß habenden Interessen. Leigen wir den Gemeinden durch ernstes IStreben, rüstiges Arbeiten, durch Muth und Ausdauer, daß wir ein gediegenes Wissen und nicht den Schein wollen. Sind auch die (Erfolge de- Zusammenwirkens noch nickt sehr glänzend, so ü l werden sie toch bedeuten'er werden und der Welt beweisen, vast nur Ueberzengung und Wesen eine Zukunft Hab:n, nickt aber Schein n i, b Mode. Daß - hierbei auch persönliche Pflichterfüllung und persönlicher Einfluß im engeren Kreise »ickt oh le Wirkung bleiben können, bl-dirk kaum der Erwähnung. Betrachten wir zum Schluffe noch die jüdische Erziehuugsdnstalt, welcher die aauze Erziehuilg ihrer Zöglinge o flieg» uiid welche daher gewiß die Modebildung leichter dermcideu kann, als eine. Sckulc, deren direktes Wirken nur die Schulskiiiiden ausfüllk. Das Höck tc, was eine solche Anstatt zu ersireben hat. ist eine gute elrerlicke <n-;iehil»g vollkommen zu erieyeu. ^ie muß dieses Ziel' vor Augen baden, selbst wenn sie es nickl ganz zu erreichen vermag. Die Ansta t soll . dem Zögling ein Elternhaus und deren Lehr r väterliche Freunde werden, das Berbällniß der Zöglinge >n einander sei ein geschwisterliches. Das ist : ber nur dann möglich, wenn die Lehrer durch ibr wirken und Benehmen den Zöglingen ein Beispiel eckter Liebe und wahrer Bildung vor Angen Hallen, w nn sie ihnen durck ibr eigenes Betragen allen Scheu und Pemp^als oeracktungswurdig darsiellen, wenn sie die Kleinen so zu fesseln verstehen, daß die Z itcrcssen der Anstalt auch iuter.sjncn, selbst bei u:ibed> nrcndercn Sachen. Sobald aber Leiter und Lehrer ohne Liebe zur Sacke bandeln und sich nitr von materielle» Zntcresien leiten lasseg, sobald sie in den Zöglingen nur Kunden erblicke», wird dies nie nöglick fein. <'ut viele Zöglinge solcher Ansialte» denken sich vor ihrem Eintritt eine Mode bildnug a s die richtige und herrschende. „Zck will meinen .2 >km nach X. thun" sagt der Barer, „damit er gebildet werde" und erwartet, daß dieser als Stuyer und mir „feinen Manier.n". eie Anstalt verläßt. „Wir lassen unsre Tochter in N. anSbildeir" sagt die Mnlter und glaubt, daß diese das Zirflitul als fein '/putzte, durch den erworbenen' Anstand erobcrungsfähige Dame verlassen wird. „Meiu Sobn soll kann launisch . gebildet werden", t. h. befähigt werden, e nsr als Btillionär zu leben. Solche Zdeen, welche der Zögling zu Hause gehört hat. bringt er inst in die l> nstalt. Daher muß ihm von vornherein der Slac r gestöcken werden. Er muß bei seinem Eintritte in den Lehrern und Schülern eine ernst nnd rüst g strebende, sick gegenseitig fördernde Family erblicken. deren Tätigkeiten von ungeheuchetter sick ausjedes einzelne Glied erstreckender Liebe bervorgerufei sind. Ernst und Würde ohne Kopshängerei, ohne Beeinträchtigung des Frohsinnes und des Vergnüg, nS, Achtung vor allem Heiligen ohne Schwärmerei ürd Heuchelei. Zn diesen Strom mnß der Neuankoi rmende sofort hineingerissen werden, das Beispiel und der liebevolle Berkehr der Genossen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.