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Der israelitische Lehrer · 1869-10-13 · 41 (13.10.1869) · p. Seite 442

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
41 (13.10.1869)
Date
1869-10-13
Page
Seite 442 (sequence 6)
Language
German
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442 großen, ifcrft Aufgabe würdigen Schritte. Sie, die Alliance isr. universelle, ist allein im Stande, diesem Elende durchgreifend abzubelfen. Hrffen wir, daß nun alle'dahin zielenden Bestrebungen sich zu diesem Ziele einigen und den oben genannten, vor Allen berufenen Männern diejenige Unterstützungen zufiießen, die sie zum entscheidenden Wirken bedürfen. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß diesen Männern daö segensreiche Werk gelingen wird. Wir möchten unsere geschätzten Leser und alle die sich für unsere nothleideiden Brüder in Westiußland interessiren — und wer sollte dies nicht? — insbesondere aber auch die. Freunde der Alliance litten, von dieier Mittbeilung den ausgedehntesten Gebrauch zu machen und sie nach Möglichkeit zu verbreiten. Die Redaktion deS „JSr. Lehrers." Paris, 8. Oktober. Der israelitische Wohlthätigkcitsaussebuß dahier hat an einzelnen Gaben in diesem Monat 19,550 Frs. vereinnahmt. Literarisches. Liebe, Traum und Teufel. DreiVorträge auö dem Gebiete der Mythologie, Physiologie und Dämonologie von Dr. Julius Landsberger, Großh. Hess.' Landrabbiner. Darmsladt, 1d69, Hofbuchhandtung von.G. Ionghau s. Der Herr Herausgeber hat diese Vorträge zunächst im engern Kreise gehalten und sie. nun für einen weitern Kreis veröffentlicht., Im ersten Augenblicke scheinen sie vielleicht den Studien eines Rabbiners fern zu liegen, aber die Strahlen der'S.oyne dringen in die fernsten Winkel; auch der wissenschaftlichen. Der Mann der Wissenschaft muß sie nur alle, in Einen Brennpunkt sammeln. So ist denn auch hier nicht zu verkennen, daß es überall der gelehrte jüdische Theologe ist, welcher diese scheinbar ihm fern liegenden Studien unternommen hat und stlr seine theologischen Sammlungen diese abseits liegenden Wege gegangen ist. Zn der mythologischen Sage von Eros und Psyche findet er jüdische Zdeen. Auffallend ist dies nicht. Tie Mythologie wie Philosophie ter Griechen kam theilweise vonOsten und speziell von den. Juden. Diese Wechselwirkung zwischen Hellenismus und Judaismus ist durch die Geschichte hinreichend erklärt. Ohne diese hätte das Christenthum für seine ursprünglich jüdischen Ideen unter den Griechen nicht sofort einen so empiänglichen Boden gefunden/ Die eigentlich griechische Mythologie faßt, gleich den ankeren, Raturreligionen der allen Völker, wie Alles, so auch He Frauenliebe, materiell, sinnlich auf.- Die Sage von Eros und Psyche will lehren, daß in den Frauen nicht der sinnliche Leib, die äußerliche-, vergängliche. Schönheit geliebt werden müsse, sondern die Seele, der innere, ewige Geist, und daß hierdurch in WirÄichkeit das irdische Glück und die himmlische Seligkeit des Menschen begründet werde. Interessanter, aber für daS größere Publikum vielleicht weniger unterhaltend, ist der zweite Vortrag über den „Traum". ES ist bekannt, daß der Traum feine Bedeutung und Deutung auch auf dem Gebiete der Bibel und des spätern JudenthurnS hat. Er Hot sogar seine Rolle, trotz aller Aufklärung in derVolkSmeinung, heute noch nicht verloren. Der Unterricht darüber, wie er hier geboten wird, ist daher in geschichtlicher und psychologsicher Beziehung von Werth. Wir hätten nur gewünscht, daß er auch praktischer gemacht worden wäre. Wir müssen dem Aberglauben,, wo er sich findet, mit Energie entgegentreten? ihn mit1 der Wurzrl auszur1)den, muß unsre Absicht und unser Streben sein. Dies gelingt aber nicht, wenn wir ihn, wie bei solchen Vorträgen, mit Glace-Handschuhen anfassen. Ein Gleiches gilt auch vom dritten Vortrage: Samiel oder die Teufelsidee. Der Teufelsglaube ist ursprünglich beidnisch und wurde in das Juden- und Ehristemhum hineingetragen, Im ersteren ist er wenigstens monotheisirt, im letzteren behielt er aber leine heidnische Grundlage und besieht mit dieser noch so fort. Auch dieser Glaube mit seinen abergläubischen Anhängseln von Spuk und Gespenstern wurzelt noch tief im Volke, dem jüdiscken, wie christlichen. Ein sp starker und tief greifender Baum, seit Jahrtausenden nicht bloö bestehend, sondern sogar gepflegt, fällt nicht mit Einem Axtschlage, und wäre er noch so wuchtig. Nackhaltiger rwrkt aber schon die Lektüre eines so auf-- klärenden Unterrichts, als der an dem Ohre vorübereilende Vortrag. Wir sind deßhalb dem Herrn Herausgeber sehr dankbar für die Veröffentlichung dieser Vorträge und empfehlen deren allgemeine Verbreitung und Berücksichtigung auf's Angelegentlichste. Poetische Bilder aus dem jüdischen Alterthum und der Gegenwart von Ja c. Schwanthaler, Lehrer. In Commission der I. F. Albrecht'schen Hosbuchhandlung 1868. Es ist schön, wenn ein Lehrer idealen Sinn und poetisches Talent hat; er kann sich damit die trüben Stunden eines LebrerlebenS verschönern. So fassen wir den Zweck und Werth dieser Gedichte auf. Die jüdischen Gedichte sind meist historischen Inhalts ohne besondere tiefe Gedanken. Auö den Gedichten der Gegenwart kann mancher Judenfeind unserer Tage erkennen, daß deutscher Patriotismus selbst ein jüdisches Herz zur Poesie begeistern kann. Die besten Gedichte der Sammlung sind jedenfalls die von Geibel und Mosenthal aufgenommenen; sie sind die zierenden Blumen am bescheidenen poetischen Gewände des Herausgebers, den wir ermuntern, seiner LieblingS-Muse weiter fort zu huldigen.

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