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Der israelitische Lehrer · 1869-10-06 · 40 (6.10.1869) · p. Seite 434

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
40 (6.10.1869)
Date
1869-10-06
Page
Seite 434 (sequence 6)
Language
German
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— 434 — das Bild meiner Särah, welches meine Mutter und die NackbarSfrauen sehr äbnlick fanden, nur mir schien das Original unvergleichlich schöner. Bor Beginn dcS.Passachiestes grub ick in den zinnern Teller, das einzige Kleinod unsrer Iamilie, die zehn Plagen der Aezripter, um so wenigstens meine Mutier mit Etwas am heiligen Sederabend zu überraschen. Obwohl die Reichen an diesem Abende mit Silber.!"! äthe ibrdn Tisck sattsam schmückieiuuind selbige zur Verschönerung des festes meines Kunstwclkcs nicht bedurften, fand 'meine Arbeit in der Gemeinde ljeßnngeacklet eine solcbc Aneikennung, daß selbst der Pcrsteber meine Mntter ihres Sobnes wegen beneidete. So wurde bald aus dem kleinen spielenden Knaben ein Künstler, 'enn für einen 'olckcn wuree ick fortan in dem Städtchen, wo meine Mutter wobnte, allgeincin gehalten und jedermann mcinle, cs sei Schade, nenn ein Talent, wie bas incinige, verloren ginge. Meine Perwandten. Ircunte und sonnige Bekannten, die kleine Sargb nickt ausgenommen, nötbigten mich, behufs AijsbilsLng meines Kunstsinnes und Talents nach Pest zu geben. Ick fand das .ramilienleben ans dem Lande so patriarchalisch ciusack und die k-ndlicken Spiele mir nieiner. Sarah so reizend schön, das; ick nicht einmal im Stankc war, den Bierth und den Rubin der Kunst zu begreifen, Ick gab zulent aber dem Wnnick meiner Tbeuren nach nnd trat nach einem gefühlvollen Abschiede meinen W"g' an. Mit Tbränen in den Augen bat ntick meine Mutter', den glauben meiner Pater nickt zu vergessen unk nicht zu weichen von den Gesetzen meines Gottes, und als der Wagen zu rollen anftng, flehte ne betend den Segen des Gottes Israel über mich berab.'. 3„ Pen fand ick einen Bkeiner, der mir die Kunst lieb gewinnen lehrte, mich in jeder Peziebnng unterstützte und .ein Streben nach Pervollkcmmnuiig in mir w/rckries. . So loär denn allmäblia aus dem einfachen anspruchslosen Laiidjüngling ein Kunstjünger geworden, der nach Ruhm schmachtete, crsseu Heimath für seine vcrgeueckrr Lansbabn ihm zu eng wurde, und der seinen eingebildeten Werih nur zu sehr fühlte. Mein Meister, der in mir immer mehr und größere! Anlagen' entdeckte, als er Anfangs glaubte, errbeilte i mir nach einem Jahre den Mark, mich zurIorisetznng meiner Studien nach dem elastischen Italien zu begeben, und ick zögerte sorkan keinen Allgenblick, diesem j Rache Iolge zu . leisten., da eSja obnebin mein sehn-! lickfter Wunsch schon längst war, im elastischen Italien, , im Mittelpunkte der Kunst, mich weiter auszubildcn,! zu erreichen und zu übertreffen die größten, cwigruhni- | vollsten Meisterstücke Nachdem ich meiner Mutter geschrieben hatte, daß ick mein Vaterland verlassen werde, und ihr die Dernckeiuilg gegeben, daß ick nach i einigen Jahren wieder z» ihr zurückzukehren beabsich- I tige, nahm ich meinen Weg gegen die Alpen in da»! Land der Wunder und Altcrthümer. > Ich langte in Mom an. Ick börte die unversiegbare Quelle rauschen, welche meinen brennenden Durst löschen sollte, ich fühlte mich in die Vorhalle eines Paradieses versetzt, welches mein ganzes <c>lück in fick karg. Mit zitternder Hand ergriff ich die Klinke, die Tbüre blieb geschlossen; war ich ja Israeli!; und für einen solchen bleibt in Rom nichts Anders ■ übria, als die beschämendste Zurückweisung. Ich bat,; ick flebete, es war Alles umsonst. Meine Empfehlungobriese, die ick aus dem Magyarenlandr mitgebrackt, wurden nickt einmal eine» Blickes gewürdigt, man behandelte inick mit Geringschätzung meines Glaubens wegen und gab mir zu versieben, dan man hier zu Lande nicht gern mit dem Juden verkehre. Ich tonnte nickt einmal Bedauern erregen, da ick Jude .war. Meine Ireunde redeten mir zu, ich möge vor einigen Tropfen Wasser keine Scheu Kegen, das Ganze sei eine blose Iore. e.liiät, die ich morgen wieder vergessen könne. Andere, bei denen ick Abbilse suchte, benierkien gllickgill'g, daß ne mir nickt Helsen könnte»; dock wenn ick E bri st würde, sei man nickt nur bereit, für inick bedeutende Qpier zu bringen, sondern mich anck mit Auszeichnungen;u überhäufen. Ich gedachte der letzten Gnnabnnngen meiner Mntter und wiederholte nochmals alle meine Versuche. Umsonst; dieselben Antworten! Ick wußte, daß meine Ahnen tick glücklich nlblten, die Märlvrer ihrer Religion zu sei»; aber ich > tant in ine Lage ganz anders, ihre Lebensrichtung! führte sie aus jene Pfade, aus weichen sie den für ' ihren Glauben erl-ttenen Tod als das Lenitb ihres Ruhmes belrackleten. Iür mich leuchtete aus der einen Seile die Sonne des Ruhms, blühetc der Edcu der Glückseligkeit, aus der andern empfand ich nur Trauer und Unzufri.denbeit wegen der vollkommneu Absperrung und Hinderung an der Erreichung meines Lebensziels. ,vübre Dir, mein freundlicher Leser, das B>ld eine» Wände,ere in der Wüste vor Anqen. wie er nach mebrinonatiickeni Schmachten fick gierig an einer Quelle labt, wüßte er auch, daß bgS Löschen de» Durstes Gifttrvpien auf seine Lunge bringt; so hast Du, mein freundlicher Leser, einen, wenn auch mangelhaften, Begriff von meiner Lage. Ich fühlte mich wie jener Wanderer an der vergifteten Quelle, ick meinte, der Wunsck in meiner Brust sei die Wurzel meines Lebens, ick konnte nicht entsagen. Völlig matt und verzweifelnd sank ich an den Stufen der PeterSkircke zusammen, rarhlos, was ick am folgenden Morgen beginnen tolle. Dunkle Gestalten umschwebten bald mein Auge und meinen Sinn. In düsteren, aber dock erkennbaren Nebelbildern trat mir die nahe und die ferne Vergangenheit vor die Seele.

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