Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 40 (6.10.1869)
- Date
- 1869-10-06
- Page
- Seite 433 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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433 fordert für den freilich überlang anSgedehntcn Got- > tesdienst; indeß empfehle sich zur Abkürzung desselben! die Abschaffung der „Mischeberach". O des praktischen | und schon so weit fortgeschrittenen reformatoriickrn Geiste^ in Paris und seinem jungen Grand-Rabbin! Paris. Die „Presse iSr:" veröffentlicht im Namen des Hrn. Benoit Lvvn einen Protest der von dem Grandrabbin Zasok Kahn in Folge seiner Rofck-Haschanab-Predigt bedrohten Mischeberach. Ihre Abschaffung sei irrelevant für die Abkürzung des Gottesdienstes, welcher durch übermäßig lange Piutim und Prcrigten, aber nickt durch die V4 Stunde in Anfpruck nehmenden Mifckeberach ausgedehnt werde, Außerdem erforderten die Mischeberach für Kranke, Wöchnerinnen .'e. anderweitigen Ersatz. Wir fügen neck hinzu, ohne für die Mifckeberach in der hergebrachten Form das Wort zu führen, daß in der durch die Mischeberach bewirkten Individnaliiirung des Gottesdienstes und der direkten, wie indirekten persönlichen Betbäligung an demselben ein Mittel liegt, die Betheiligung an dem Gottesdienst und das Interesse dafür reger zu machen. Pest. Zwischenden ungarischen Oppositionöblättern und den Organen der Deakpartei hat nch ein lebhafter Streit über das von dem israelitischen Eongrcß beschlossene und jetzt mit der königlichen Sanktion publicirte Organisationsstatut für die israelitischen Gemeinden Ungarns enlfponnen. Nack demselben muß jeder Israelit einer EultuSgemeinde beitreten, und wenn sich in seinem Wohnorte keine befindet. hat er sich derjenigen in einem Nachbarorte anzuschließen, welcher die ISraelilen feines Wohnorts bereits angehören. Diese Bestimmung, welche die individuelle Freiheit in hohem Grade beschränkt, wird von den Oppositionsblättern mit Recht für eine Perletzung der staatsbürgerlichen Rechte erklärt und sie machen überdies darauf aufmerksam, daß daö ganze Organisationsstatut trotz ber königlichen Sanction keine Gesetzeskraft habe, da nur der Reichstag Gesetze be schließen konnte. literarisches. Stunden der Andacht. Gebetbuch für Mädchen und junge Frauen ifr. Glaubens, von Fannv Reuda geb. Schmied!. Neue'Folge, Breslau 1870, Schletter'sche Buchhandlung tzH. Skutsch). Dieses Gebetbuch bezeichnet sich als „Neue Folge*; es ist wohl nur eine neue Titelausgabe. Im Anfänge befindet sich ein langes „Gebet, beim Eintritt in das Gotteshaus*. Auch finden sich Gebete bei liturgischen Handlungen des ösientlichen Gottesdienstes. Hiernach scheint das Buch nicht blos für die häusliche^ sondern auch öffentliche Andacht bestimmt zu sein. Wir sind nicht dafür, daß der öffentliche Gottesdienst von Privatgebeten brgleilcl werde; auch nicht Seitens der Frauen. Er soll, für Jeden , verständlich und erbaulich sein, oder gemackl werken. Anhaltspunkte für den Inhalt deü herkömmlichen bcbr. Gottesdienstes fcicjeii diese Gebete nicht. Lie sind frisck gemacht, aber auch gemackt, nickt aus warmer Andacht entsprungen, darum auch nicht zur Andacht crirärmcnd. Die Bezeichnung „Ostern" paßt nickt in rin jüdiickes Gebetbuch. Für die Bencdietion beim Genüsse des Weines und Wassers finden sich 10 und >2 strophige Gedichte. Hält man dies für praktisch? .Wir freuen uns,'so mancke, auf besondere weiblickc Anstände bezügliche Gebete in diesem für die Allgemeinheit bestimmten Buche nickt zu finden. Dennoch gib: es so Manches, wökckes trotz der Reichhaltigkeit neck hätte Aufnahme finden können. Wir wissen, eS ist schwer, derartige Gebetbücher zu sckrei- , ben. Pollständig sind wir nock von keinem her vorhandenen befriedigt; zu den besseren;äbll jedenfalls auch dieses.! ' Die Sckrift d e s .L e b e n s von I)r. Leopold Stcln liegt nun bis zum 10 Hefte vor. In den zuletzt elfchienenen, noch nicht besprochenen Heilen wird die Lehre vom Mcn'cken bebaird-lt n»d seine göttliche Eben bildlickkeir zu.» Unterschiede von der Thierwelt nachgegewieien. In der Lehre vom Sündcnfalle und der Versöhnung sind namentlich die Grundsätze zwischen jüdi'ch- und christlich-religiöser Anschauung scharf hervcrgchoben und auch für daS nicht-lheologiscke Publikum interessant und deutlich dargestellt. Mit der Lehre von der Unsterblichkeit bricht dieses Hefe ab. Feuilleton. Der .Traum eines Künstlers. Nach de». Ungarischen erzälilt von Js. F. Rosenmeyer, Oberlehrer in S. Ä. Ujhel» *) Meine Ingcndjahre waren von denen eines an dren Knaben OberungarnS wenig verschiede». Ich besuchte fleißig die Tnnagoge und verfertigte in den verschiedenen Jahreszeiten Spielwerkzeugc «k meine Kameraden. Meine Mutter, liebte mich sehr, und wir lebten, obwohl sehr oft von Nahrungssorgen geplagt, deßnngeachtct sehr heiter und glücklich. Mehr! noch als bei meiner Mutter, weilte ich bei der kleinen - Sarah, die mir mit seltener Liebe zugethan war, und ' deren Lächeln ich schöner fand, als den Anbruch des j heitern Morgens an einem Frühlingstage. Meine! sonstigen freien Stunden pflegte ich mit Schnitzen zu- I zubringen, und die von mir geschnitzte Iad war netter und kunstvoller gearbeitet, alö die silberne, welche abwechselnd init der meinigen beim Verlesen d^r heiligen Thora, zuni Zeigen diente. Zufällig in den Besitz eines Elfenbeins gelangt, schnitzte ich aus demselben j *) Nach Müve&zAbriami des Me/.vi Mor bearbeitet.