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Der israelitische Lehrer · 1869-09-29 · 39 (29.9.1869) · p. Seite 424

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
39 (29.9.1869)
Date
1869-09-29
Page
Seite 424 (sequence 4)
Language
German
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—- 424 lischer Lehrer, Herr Pörtner aus Dettelbach, den Antrag gestellt hat, der Verein möge sich der Sache der isr. ReligionSlehrer annehmen, worauf der Vorsitzende mit Recht antworten konnte, — wobei er die amtsbrüderliche Theilnahme und Zusammengehörigkeit der Lehrer aller Konfessionen betonte, — daß ein solcher Antrag nicht in die Kompetenz des Vereins fälle. Den Religionslehrerv, setzen wir schmerzlich bei, ist leider nicht zu helfen. Sie stehen auf einem verlornen Posten. Nur diejenigen, welche eS dahin zu bringen vermögen, daß ihre Stelle zu einem Provisorate erhoben wird — und das vermag ein .Halbweg guter Wille einer Gemeinde, — könnten an den Verbesserungen partizipiren, welche deutsche Schulen bereits voraus haben und durch die neue Schulgesetzgebung im Weitern in Aussicht haben. Es sollte Niemand mehr eine solche isolirte Religionslehrerstelle annehmen. Ferner ist aus dieser Versammlung zu erwähnen, daß nicht nur selbstverständlich nickt« Verletzendes für unS vorfiel und überall Brüderlichkeit unter den Lehrern herrschte, sonderndaß da, wo der speziell christliche Standpunkt zum Ausdruck kam, es immer und mit solchen Beisätzen geschah, daß uns isr. Lehrer die angemessenste Reservation zu Theil ward. So namentlich Seitens der zwei Hauptredner Pfeifer und Böhm.! Dies muß uns aber ein Sporn bleiben, uns immer zahlreicher bei dedlei zu betheiligen und uns ja nicht in den Schmollwinkel zu stellen. Diese große Vereinigung von Lehrern verschiedenen Glaubens mir offen erllärter brüderlicher Zusammengehörigkeit ist nicht zu unterschätzen. Außer Vorstehendem habe ich noch etliche Details auunserm Baverland 'zu verzeichnen, die Streiflichter auf unsre Zustände werfen. Die Frage der Communalschulen hat bereits in der Stadt Fürth, welche die meisten Israeliten zählt, im fortschrittlichen Sinn die Lösung gefunden. Nachdem die dortige Protest, und katb. Bevölkerung in großer Mehrbeit für dieselbe gestimmt hat, waren auch sämmtliche abgegebene j Stimmen der Israeliten dafür. Wir Juden vermögen bei dieser Frage leicht einen universalen Standpunkt einzunehmen. *) Der dortige Rabbiner Herr I)r. Löwn erhielt kürzlich von Sr. . Majestät das Ritterkreuz I. Klasse detz Verdienstordens vom h. Michael verliehen. Es ist wohl nur ein Versehen der Redaktion der zu ständigen Blätter, wenn demselben hiebei da« Prädikat Oberrabbiner beigelegt wird. Wir haben in Bayern nur Rabbiner) keine Ober-Rabbiner. In Nürnberg kaborirt man noch immer an *) &ls (rgtn eia« Kummer kii Eorrespoadenten für D«utsü!a«d, eine« ’k coatrrtwtmn und maß übende« Kreise» vtelgeies««e- Blaues de,, n welcher «tr dieses des Näheren aus» futzüea. (Der Artikel folgt am Schlüsse dieses. Red.) der Rabbinerwahl und soll jetzt ein in der Schweiz angestellter Mann in Aussicht genommen.sei». Möge sich diese neue Gemeinde das Beispiel einiger unsrer größer» Gemeinden zur Warnung dienen lassen und des Dichters Wort gedenken: Warum immer weiter schweifen, sieh, das Gute liegt so nah! In der Universitätsstadt Erlangen haben sich bereits so viele unsrer Glaubensgenossen niedergelaffen, daß sie sich an den letzten Festtagen einen eignen Vorbeter kommen und einen öffentlichen Gottesdienst einrichten konnten, zu dem sich auch Herr Profesior vr Herz einfand. Dieser edle Mann von europäischem Ruf, der, ein Märtvrer unsrer Zeis, dem Judenthum sein Lebensglück zum Opfer gebracht hat, dankte dem Vorstand nicht nur für die auch ihm ermöglichte Gelegenheit, sick mit seinen GlaubenSgenofien im Gebet zusammen finden zu können, er erklärte diesem zugleich auch, bereitwillig an den erwachsenden Kosten partizipiren zu wollen. Wer Herz kennt, — und wer sollte das nicht? — der wird es gerechtfertigt finden, wenn wir von ihm sagen ttitt p ’Dbc. Der Professor — nota bene gewesener — Dr. Sepp — aus München hat es nicht lassen können in einer Katholiken-Versammlung einer Rheinstadt^seine Galle gegen die Juden anszuleeren. Es wäre ^wünschen, ein mit den Verhältnissen juridisch - und sachlich vertrauter Mann in München stellte den unfreiwillig in Ruhe gesetzten Professor dem Publikum in das rechte Licht. ES müßte rin Leichtes sein, ihm in der Presie solche Ohrfeigen zu geben, wie sie ihm schon einmal der k. Advokat H. Henle (ein Jude) dort privatim applizirt hat. Von Sepp kann man recht sagen 12:22 dttiv.i -2. Unser Kollege Kleemann aus Forchheim, der dem Redakteur des „Vaterland", einem Ahklatsch de« Volksboten, einen wsblverdi entenArrest von mehreren Wochen gebracht hat, ist wegen Verbreitung der bekannten karxikatur vox das Schwurgericht von Oberbayern geladen. An seine Freisprechung ist nicht zu zweifeln und wird dadurch seine gänzliche Unschuld noch mehr an den Tag kommen. Zum Schlüsse nur noch eine Bemerkung. Kürzlich wurden überall statistische Notizen über die Zahl der Rabbinate, der Religionsschulen und was drum und dran hängt, amtlick erhoben. Viele schöpften hieran« die Ansicht, man befasse sich im Ministerium mit einer Organisation dieser Verhältnisse. Es wäre dieses gerade kein Lurus und was man wünscht, das glaubt man gern. Wir bedauern jedoch, diese Illusion zerstören zu müssen. Die Erhebungen erfolgten lediglich auf das Gesuch eines Professors, der sich hiedurch statistisches — hoffen wir auch schätzbare« — Material verschaffen wollte. — Wir lassen nun den in der Notiz genannten Artikel folgen:

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