Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 38 (22.9.1869)
- Date
- 1869-09-22
- Page
- Seite 418 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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418 tischer Brrheiligung^ dardot. Oesterreichs Juden waren es, auf-die sich seine Blicke lenkten. Das Toleranzedilk Joseph'« H. hatte die österreichischen Israeliten * aus ihrer ebenso schimpflichen als 'drückenden Lage befreiten. Sie die bisher dem Thiere gleich mißachtet wurden, sollten plötzlich der Gerechtigkeit theilhafttg werden, die sie Jahrhunderte hindurch entbehrt hatten. Gleichgestellt mit ihren christlichen Mitmenschen, sollten sie durch Errichtung von Schulen zur Erwerbung zeitgemäßer Bildung aus dem Pfuhle, in dem sie bisher stacken, empor gezogen werden zu einer besseren Eristenz. Aufklärung aus Jahrhunderte langer Versumpfung, Aufschwung in Sitte und Geist, da» war die Parole aller edeldenkenter Männer Israels sowohl, als auch de< Kaisers Joseph II. Fanatismus und Hvperolthodorie lehnten sich gegen diese Wohlthate« auf, auch der MosaiSmus besaß sein Pfaffenthum, das ähnlich seinen Brüdern anderer Religionen das Hereinbrechen einer neuen Zeit fürchtete. Diesen Leitbämmeln der Orthodoxie ttottere die große Heerde des Volkes in stupider Untbätigkeit nach; des Druckes gewöhn», vermochte ffck der gemeine Jude nicht aus dem Schlamme der Knechtschaft emporzuwühlen an das- Tageslicht der Freiheit, er fühlte sich wohl in der Pfütze der Verachtung und schreckte zurück in urtedlet Feigheit vor dem Gedanken, einen Kampf zu wagen gegen die Rohbeit und Unmenschlichkeit der Zeit. Gegen tiefe Leute' galt es Front zu macken und die verführte Menge auf den Pfad der Vernunft zurückzüfübren- Da fab, da. fühlte fick Wessely an seinem Platze, da glaubte er oie langeriebnle Zeit gekommen,.gerüstet mit den Waffen wahrhafte?Hunianilät eitle er in das Schlachtfeld. Seine erste That waren die an die Oesterrsichische Fudenschast gerichteten „Worte des Friedens uud . Ler Wahrheit", in denen er den Verblendeten die Augen öffnet über die Art und Weise der bisher gebräuck>lichen oder bester mißbräuchlichen Jugenderziehung. Mit sokratischer Ironie schlägt er die Versteckten mit ibren eigenen Waffen, zeigt ihnen die mannigfachen begründeten Ursachen der Zurücksetzung als hervorgerufen durch die mangelhafte zeitgemäße Bildung und fordert sie schließlich auf, den — nur ihr Heil bezweckenden — Instructionen des Kaisers Folge zu leisten. Hatte Wessely die Gxnngthuung zu sehen, in wie überaus segensreicher Weise seine Worte genutzt hatten, so konnte er sich anderntbeilS auch nicht den heftigsten . Verfolgungen SeileriS oer Gegner entziehen; mit steigendem Grimme sahen die Feinde der Aufklärung das Glück socialer und religiöser Befreiung über Israel Hereinbrechen. Man fügte sich nicht nur den Anordnungen des Kaisers, sondern kam ihm sogar aufs bereitwilligste entgegen. Wessel-, dem hierbei das größte Verdienst zuzuschreiben ist, ward für die Fanatiker unt Lichtscheuer natürlich der größte Stein des Anstoßes. Ihn galt es zu vernichten oder zum mindesten mit Gift und Geifer zu besudeln. Es wurde ihm nicht . weniger vorgeworfen, als bisher jedwedem vernünftigen Reformator zur Last gelegt wurde, der es gewagt hat, den durch Jahrhunderte lange Anhäufung von Schmutz und Absud verpesteten Augiasstall religiöser Verdumpfung reinigen zu wollen. Atheismus, Ver führung der Jugend und wie anders jene landläufigen unsinnigen Beschuldigungen beißen mögen, denen schon mehr als ein Weiser zum Opfer gefallen sind, wurden Wesselv ins Antlitz geschleudert. An der Spitze dieser Gotterleuchteten Kämpfer der „jüdischen eoelvsi» militans" stand-n Rabbi Ezechiel Landan, Oberrabbiner zu Prag, Rabbi David Tebil, Oberrabbiner zu Lisi» u. A. Männer von hoher Gelehrsamkeit, früher eifrige Verehrer Wesselv's, jetzt, verblendet von FanatiSmus, seine größten Feinde. Solchen Angriffen gegenüber durfte Wessely nicht schweigen, zumal er sich mehr als gewachsen sühlte, die nichtswürdigen Anklagen zu entkräften. Er antwortete ebenso maßvoll als treffend und zog sich dadurch um so mebr Freunde zu, als jene an Anhänger verloren. Zudem erwuchsen Wessly ungeahnte mächtige Bundesgenossen. Die Juden der Lombardei nämlich, welch« als Unterthanen Oesterreichs natürlich-von den neuen Gesetzen mit betreffen wurden, fühlten das dringendste Bedürfniß nack geeigneten Lehranstalten, daran es bisher durchaus ermangelte. Sie wandten sich daher aus Anratben ihres Gouverneurs, des Grasen Zinzendorf, an Moses Mendelssohn, der nun nicht zögette, entsprechend dem Verlangen, der Triester Gemeinde seine Werke zuzusenden und dieselbe auch aus Wesselaufmerksam zu machen. Dieser Empfehlung zufolge erbaten sich die Triester von Wessely dessen Werke und erhielten sie auch von dem Autor, begleitet von einem Schreiben, in dein Wesselv seinen Standpunkt zu den Reformbewegungen klar und deutlich darlegt. Wie günstig Wessely» Werke und Schreiben ausgenommen wurden, geht aus einem Rückschreiben an ihn, von den hervorragendsten jüdischen Gelehrten und Rabbinen Italiens hervor. Seine Worte des Friedens wurden sogar ins Italienische übersetzt. Hoch erfreut über diese günstige Aufnahme sandte Wesseln eine zweite Dankschrift nach Triest: „Viel Heil dem Hause Israel" in welcher er sich mir ebenso großer geistiger, als sittlicher Ueberlegenheit gegen seine Gegner vertheidigt. Wesselhatte einen glänzenden Sieg erfochten; die Gegner schwiegen und documentirten dadurch nicht istw ihre Unfähigkeit, ihre Anschuldigungen zu erhärten, ssndern berechtigten sogar zu der Annahme, daß ihr« Anklagen überhaupt auf Lüge und Verleumdung beruhten. Al» indeß noch von der einen und anderen